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Fossiles Wasser hat die beste Qualität

Auch in Deutschland muss mehr zur Reinhaltung des Grundwassers getan werden - ein Bericht aus Rheinland-Pfalz

  • Von Peter Zschunke, Mainz
  • Lesedauer: 5 Min.

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Man sieht es meist nicht, man hört es nicht - aber das Grundwasser hat von allen Gewässern die größte Bedeutung. Weil es reichlich vorhanden ist, läuft das Trinkwasser verlässlich aus der Leitung - anders als etwa in Spanien oder Griechenland mit einem niedrigen Grundwasserspiegel. In Rheinland-Pfalz werden 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen - bundesweit sind es 73 Prozent.

Wo befindet sich dieses unsichtbare Grundwasser? In Hohlräumen im Erdinnern, antwortet der Geologe Jochen Kampf beim Landesamt für Umwelt in Mainz. Je nach Gestein können dort unterschiedlich große Mengen an Grundwasser gespeichert werden. An manchen Stellen kommt Grundwasser in Quellen oder Mooren an der Oberfläche zum Vorschein, wird zu Bächen und landet irgendwann in der Nordsee. In der Regel aber ist das Grundwasser erst in mehreren Metern Tiefe zu finden. In der Südpfalz beträgt dieser »Grundwasserflurabstand« bis zu 25 Meter, in der Rheinniederung sind es nur ein bis zwei Meter.

In Quarzit und Schiefer, dem Untergrund weiter Teile in Hunsrück, Eifel, Westerwald und Taunus, gibt es mit Wasser gefüllte Klüfte, Risse im Gestein. Die Fachleute sprechen von einem Kluftgrundwasserleiter, dessen Ergiebigkeit mit höchstens fünf Prozent eher schlecht ist. Ganz anders ist das in Kalksteinregionen, wo in Karsthöhlen unterirdische Seen entstehen können. Aber Karstgebiete gibt es in Rheinland-Pfalz nur wenige, etwa in Rheinhessen.

Eine mittlere Ergiebigkeit von zehn bis 15 Prozent gibt es in Sandgestein, dessen Poren und Hohlräume Wasser aufnehmen. Der Buntsandstein im Pfälzer Wald kombiniert Poren und Klüfte, kann damit aber auch viel Grundwasser aufnehmen - »das ist unsere beste Ecke«, sagt Kampf.

Grundwasser wird immer wieder neu gebildet, wenn es regnet. Mit einer Niederschlagsmenge von 788 Millimetern im Jahr im langjährigen Mittel gehört Rheinland-Pfalz zu den eher trockenen Bundesländern. Das meiste Wasser fließt schnell ab oder verdunstet. Nur 104 Millimeter - also ein Anteil von 13,2 Prozent der Niederschläge - gelangt bis ins Grundwasser.

Das entspricht in Rheinland-Pfalz einer Menge von rund zwei Milliarden Kubikmetern im Jahr, wovon für die Wasserversorgung etwa 300 Millionen entnommen werden. Davon kommt etwa ein Drittel aus ufernahen Regionen. Der größte Teil des Grundwassers bleibt ungenutzt in der Erde. Um diese Bestände anzuzapfen, müssten sehr viele Brunnen gebohrt werden, was vielfach auf technische Probleme stößt. »Sehr viel mehr als 300 Millionen können wir nicht entnehmen«, erklärt Kampf. »Deswegen ist es wichtig, sich mit der nachhaltigen Bewirtschaftung zu beschäftigen.«

Darum kümmern sich die Wasserbehörden: die unteren bei den Kommunen und zwei obere Wasserbehörden, die Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) Nord und Süd in Koblenz und Neustadt an der Weinstraße. Diese verwalten die Wasserrechte, die Genehmigungen zur Entnahme von Grundwasser.

»Für die Wasserversorger ist es wichtig, dass sie Planungssicherheit und ihre Wasserrechte haben«, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz (LDEW), Horst Meierhofer. Hier gebe es eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium.

Neben einer nachhaltigen Mengenbewirtschaftung des Grundwassers haben die Behörden die Qualität im Blick. Da gibt es auf der einen Seite fossiles Grundwasser in über 300 Metern Tiefe, etwa in der Vorderpfalz. »Das ist nitratfrei und von allerbester Qualität«, sagt Wolfgang Plaul, der beim Landesamt für Umwelt seit über 30 Jahren das Netz von rund 300 Grundwasser-Messstellen in Rheinland-Pfalz betreut. Auf der anderen Seite gibt es Grundwasser mit hoher Nitratbelastung zum Beispiel in Regionen mit intensivem Gemüseanbau. Von den 117 Grundwasserkörpern, also räumlich abgrenzbaren Grundwasservorkommen, weisen 42 - mehr als jeder dritte - einen Nitratgehalt über dem Grenzwert von 50 Milligramm je Liter auf.

Sorgen macht sich das Landesamt auch wegen punktueller Belastungen des Grundwassers durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die zum Teil schon seit Jahrzehnten verboten sind. Dazu gehören die Triazine, die etwa auf Maisfeldern ungewollte Pflanzen vernichten sollten. »Einmal ins Grundwasser eingetragen, haben sie eine lange Stabilität«, erklärt Plaul. Sein Augenmerk gilt auch den »nicht relevanten Metaboliten«, das sind Abbaustoffe von Herbiziden oder Insektiziden wie Dimethylsulfamid, die diese angestrebte Wirkung nicht mehr haben, aber dennoch gesundheitsschädliche Folgen entwickeln können.

Neben der Landwirtschaft hinterlässt auch die Einnahme von Medikamenten ihre Spuren im Grundwasser. In Konzentrationen von mehr als einem Mikrogramm pro Liter finden sich vereinzelt Arzneistoffe wie das Antiepileptikum Carbamazepin oder Diclofenac, ein gängiger Wirkstoff in Medikamenten gegen Rückenschmerzen oder Prellungen. Solche Stoffe können über Kläranlagen oder auch durch undichte Kanalrohre in Oberflächengewässer und in ufernahes Grundwasser gelangen. Die Reinhaltung des Grundwassers ist eine gesellschaftliche Aufgabe, zu der jeder und jede beitragen kann. Das fängt mit dem Kaufverhalten an: Wer besonders dicken Brokkoli will, nimmt unweigerlich einen hohen Einsatz von Mineraldünger und damit den Nitrateintrag ins Grundwasser in Kauf. Und Medikamente gehören nicht ins Klo gekippt, sondern müssen sicher entsorgt werden, etwa bei einem Schadstoffmobil.

Die Brunnen versiegen nicht, wenn es im Sommer viele heiße Tage gibt und kein Regen fällt. »Auch bei länger andauernder Hitze gibt es keinen Grund zur Sorge«, sagt der zuständige Referent im Umweltministerium, Jürgen Stein. Aber ein pfleglicher Umgang mit dem Grundwasser ist auch wegen des Klimawandels unumgänglich. So wird sich die Grundwasserneubildung in Rheinland-Pfalz von 2021 bis 2050 um 19 Prozent verringern, schätzt der Arbeitskreis Kliwa (Kooperationsvorhaben Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft), in dem Rheinland-Pfalz mit Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zusammenwirken.

»Wir werden auch in Zukunft genug Grundwasser haben, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen - aber sehr viel mehr nicht«, erklärt Kampf. »Wir haben gewisse Reserven, aber die sind nicht unendlich.« dpa/nd

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