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IS gab Angriffsbefehl für Australien

Am Wochenende verhinderte die australische Polizei eine geplante Terrorattacke auf ein Flugzeug

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die australische Polizei spricht von einer der »ausgeklügeltsen Verschwörungen, die je auf australischem Boden versucht wurde«. Dass sie aufgedeckt wurde und ein schweres Unglück verhindert werden konnte, hat Australien einem ausländischen Geheimdienst zu verdanken, der die Behörden auf die Männer aufmerksam machte.

Die australische Polizei griff umgehend zu und verhaftete bei Razzien am vergangenen Wochenende vier Männer. Einer wurde ohne Anklage wieder freigelassen, einer befindet sich in Haft und zwei weitere wurden bereits angeklagt. Ihnen werden schwerwiegende Vorwürfe gemacht. Laut der Polizei sollen die Männer geplant haben, einen »improvisierten Sprengkörper« in einen Etihad-Flieger zu schmuggeln. Außerdem gab es noch einen weiteren Plan, bei dem die Männer eine Schwefelwasserstoffbombe bauen wollten. Erstere Bombe war bereits für den 15. Juli geplant gewesen und war im Koffer des Bruders eines der Täter platziert, der laut der Polizei nicht in den Plan eingeweiht war.

Dieser Plan wurde jedoch aus nicht erklärten Gründen fallen gelassen. Die Bombe sei »nicht einmal bis zu den Sicherheitskontrollen gekommen«, sagte der stellvertretende Kommissar Mike Phelan und fügte hinzu, dass er sich sicher sei, ob der Sprengkörper bei den Kontrollen aufgespürt worden wäre.

Der Sprengkörper soll bereits im April auf Anweisung eines ranghohen Mitglieds der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) gebaut worden sein. Dieser soll die Komponenten mit internationaler Fracht über die Türkei nach Australien geschickt haben. Wo die Schwefelwasserstoffbombe zum Einsatz kommen sollte, wurde nicht bekannt gegeben, nur dass sie noch lange nicht einsatzfähig gewesen wäre. Schwefelwasserstoff ist ein stark giftiges Gas, das nach verfaulten Eiern riecht, und leicht brennbar ist.

Bereits am Sonntag hatte die Polizei bestätigt, dass die Terrorverdächtigen einen großen australischen Flughafen im Auge gehabt hätten. Deswegen wurden zeitgleich mit den Razzien am Wochenende auch die Sicherheitsvorkehrungen nochmals weiter verschärft. Passagiere in Australien werden derzeit gebeten, mindestens zwei Stunden vor einem Inlandsflug anzureisen und drei Stunden vor einem internationalen Flug.

Der australische Geheimdienst Asio bezeichnet die Bedrohung des Landes durch eine Terrorattacke derzeit als »wahrscheinlich«. Die Gefahrenstufe wurde auch nach der Bedrohung am Wochenende nicht nochmals erhöht.

Zuletzt war es im September 2014 auf »wahrscheinlich« erhöht worden. Schon damals wurden die Sicherheitsvorkehrungen rund um öffentliche Plätze und Verkehrsmittel, bei großen Sportveranstaltungen, militärischen Einrichtungen und ikonischen Gebäuden wie der Oper und der Hafenbrücke in Sydney intensiviert. Seit 2014 wurden in Australien bei 31 Razzien 70 Menschen wegen terroristischer Handlungen verhaftet und angeklagt.

In Australien kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu terroristisch motivierten Verbrechen, doch bisher waren die Täter eher sogenannte »einsame Wölfe«. So tötete bei einer Geiselnahme im Juni in einem Apartmenthotel in Melbourne ein Terrorist einen Mann, eine Frau konnte befreit werden. Der Geiselnehmer wurde von der Polizei erschossen. Oder: Anfang Oktober 2015 hatte ein 15-jähriger Dschihadist einen Polizeiangestellten in Sydney mit einem Kopfschuss getötet, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.

Ein weiteres Beispiel: Mitte Dezember 2014 erschütterte eine Geiselnahme in einem beliebten Schokoladencafé in der Innenstadt Sydneys die Vorweihnachtszeit. Nach einem 16-stündigen Martyrium stürmte die Polizei das Café, als ein Schuss zu hören war. Der Attentäter, ein 50-jähriger, selbsternannter Prediger und spiritueller Heiler, der die Geiseln zuvor eine islamistische Flagge im Fenster hochhalten hatte lassen, hatte den Manager des Cafés erschossen.

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