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Flughafen BER könnte erst im Herbst 2019 eröffnen

Zeitung: Interne Unterlagen sollen weitere Bauverzögerungen belegen / Flughafengesellschaft widerspricht

Neue Hiobsbotschaften von der Flughafenbaustelle BER hat diesmal die »Bild am Sonntag« zu verkünden. Erst im September 2018 könnten die Bauarbeiten am Fluggastterminal beendet werden, eine Eröffnung wäre dann erst im Herbst 2019 möglich. Das gehe aus internen Unterlagen hervor, die dem Blatt vorlägen.

Dabei gingen die externen Terminplaner noch von äußerst günstigen Umständen aus, heißt es in den Dokumenten. So werde damit gerechnet, dass die zuständige Behörde einen neuen Bauantrag im Rekordtempo genehmige. Seit Monaten werde kaum gebaut, heißt es weiter in dem Bericht. Besonders die Gespräche mit der für die Sprinkleranlagen zuständigen Firma Caverion liefen demnach zäh.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) widerspricht in einer Stellungnahme. Sowohl die Behauptung, es fänden so gut wie keine Bauarbeiten am BER statt, sei falsch, als auch jene, dass erst im Herbst 2018 mit einer baulichen Fertigstellung des künftigen Hauptstadtairports zu rechnen sei.

»Aktuell sind über 400 Bauarbeiter und Techniker vor Ort eingesetzt, die die notwendigen Rest- und Mängelarbeiten sowie Inbetriebsetzungen durchführen«, erklärt die FBB. Die aktuelle Anzahl der Arbeiter sei »nicht vergleichbar« mit jener Personalstärke von vor Monaten, als in der gesamten Fläche parallel gearbeitet wurde. Der Grund laut Flughafengesellschaft: »Die großflächigen Bauarbeiten im klassischen Sinne sind weitestgehend abgeschlossen.«

Die Abstimmungen mit Caverion liefen laut FBB »konstruktiv und lösungsorientiert«. Die Firma habe zugesagt, »dass noch zu klärende kaufmännische Themen zu keiner Beeinträchtigung der baulichen Leistungen führen«.

Die in der Öffentlichkeit vorherrschenden großen Zweifel an einer baldigen Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens sind Wasser auf den Mühlen der Tegel-Befürworter. Der maßgeblich von der FDP vorangetriebene Volksentscheid, der parallel zur Bundestagswahl am 24. September abgehalten wird, könnte eine Niederlage für den Senat bedeuten, der an der Schließung des Flughafens Tegel festhält. Rechtlich bindend ist der Entscheid allerdings nicht.

Trotz seines Neins zu einer Offenhaltung von Tegel will der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Volksbegehren ernst nehmen. »Das kann ich versprechen«, versicherte der SPD-Politiker dem »Tagesspiegel«. Bei einem positiven Votum der Bürger für Tegel werde der Senat prüfen, welche Bedingungen dafür nötig wären.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) kritisierte unterdessen die aus seiner Sicht unrealistischen Prognosen zum künftigen Passagieraufkommen. Tegel-Befürworter arbeiteten mit »überoptimistischen Gefälligkeitsgutachten«, sagte der SPD-Politiker.

Der Senat gehe auf Basis aktueller Prognosen der Flughafengesellschaft von einem Anstieg des Passagieraufkommens in Berlin von 33 Millionen im Jahr 2016 auf 55 Millionen Fluggäste im Jahr 2040 aus. »Die kann man ganz gut im BER abfertigen mit den zwei unabhängigen Rollbahnen«, meinte Kollatz-Ahnen.

Die irische Fluggesellschaft Ryanair prognostiziert 90 Millionen Flugpassagiere für das Jahr 2050. Sie setzt sich vehement für einen Weiterbetrieb Tegels auch nach Eröffnung des BER ein und sponsert vor dem Volksentscheid Wahlplakate der Initiative »Berlin braucht Tegel«.

Mit Blick auf solche Zahlen machte Kollatz-Ahnen deutlich, dass er bereits 55 Millionen Passagiere für eine ambitionierte Prognose hält. Das vorausgesagte Wachstum gehe größtenteils auf die sogenannten Billigairlines (Low Cost Carrier) zurück, zu denen Ryanair gezählt wird. »Das heißt: Selbst wenn man eine deutliche Zunahme der Low Cost Carrier unterstellt, sind 55 Millionen schon ganz schön viel.«

Kollatz-Ahnen verwies zudem auf entlastende Effekte durch die Eröffnung der durchgehenden ICE-Strecke nach München im Dezember. Die Fahrzeit soll dann unter vier Stunden liegen. Auf der Verbindung nach Frankfurt am Main habe die Bahn einen Marktanteil von 44 Prozent, das Flugzeug 24 Prozent. »Früher war das mal andersherum«, so Kollatz-Ahnen. Mit dpa

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