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Ein Flugzeug für Trump

US-Luftwaffe sucht neue »Air Force One« und will angeblich russische Ex-Airline beerben

Wo immer die blau-weiße Boeing landet und startet, sie wird begafft und bewundert wie kaum ein zweites Flugzeug: »Air Force One«, das Präsidentenflugzeug. Allein der Name klingt wie aus einer anderen Welt, diese Maschine zu sehen, ist wie eine Begegnung der besonderen Art. Nicht nur, weil die 747-200B schon in verschiedenen Kinofilmen eine Hauptrolle spielte. Vor allem der mit Harrison Ford läuft noch immer mit besten TV-Einschaltquoten. Doch auch im realen Leben sieht der Jumbo so tipptopp aus, dass man gar nicht auf die Idee kommt, die Maschine könnte bereits in die Jahre gekommen sein.

Tatsache ist aber, die Präsidentenmaschine stammt aus den 1980er Jahren. Deshalb sah man sich im Pentagon bereits zu Obamas Zeiten nach Ersatz um. Doch der Neue im Weißen Haus grätschte dazwischen. Natürlich per Twitter: »Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Auftrag stornieren!«

Was passierte? Zunächst einmal brach die Boeing-Aktie ein, was man bei der europäischen Airbus-Konkurrenz dankbar registrierte. Und auch Trumps Anhänger fanden die Entscheidung toll. Wieso vier Milliarden Dollar für etwas zahlen, was man für den Linienflugbetrieb schon ab rund 400 Millionen kaufen kann?!

Neueste Gerüchte besagen nun, dass die US Air Force zwei Jumbos vom Typ 747-8 kaufen könnte, die schon lange zur Auslieferung bereitstehen. Hergestellt wurden sie für die russische Fluggesellschaft Transaero. Die russische Gesellschaft hatte 2013 vier derartige Maschinen bestellt, geriet jedoch kurz vor der Übernahme der ersten beiden Flugzeuge ins Trudeln. Im Oktober 2015 schlug sie wirtschaftlich zu hart auf und verabschiedete sich aus dem Geschäft. Boeing begann erst gar nicht mit dem Bau der beiden anderen Maschinen. Wohl aber hatte man zwei bereits »auf dem Hof« stehen.

Ein Jahr darauf interessierte sich Iran-Air für sie. Doch daraus wurde nichts. Seither stehen die Jets eingemottet im kalifornischen Victorville. »Die US-Luftwaffe geht davon aus, dass es möglicherweise günstiger sei, die beiden vorhandenen Flugzeuge umzubauen, als neue zu produzieren«, berichtete jüngst der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf nicht näher erklärte regierungsnahe Quellen.

Doch gemach. Da geht so einiges durcheinander. Der erste Irrtum: Bei der »Air Force One« handelt es sich nicht um eine bestimmte Maschine. Es muss auch nicht immer eine 747 sein. AF-1 ist das Rufzeichen jedes Flugzeuges der US Air Force, in dem sich der Präsident der Vereinigten Staaten befindet. Auf kürzeren Strecken benutzt er durchaus auch eine kleinere Boeing 757, die mit weniger Innenleben auskommt. Auch die 747-200B gibt es doppelt. Ohne US-Präsident werden sie schlicht VC-25A bezeichnet.

Zweiter Irrtum: Auch wenn die beiden ursprünglich für Transaero gebauten Maschinen geeignet sein sollten, so werden sie kaum billiger als ursprünglich geplant. Denn sie müssen fast komplett zerlegt und umgerüstet werden. Die Präsidenten-747, die auf der Andrews Air Force Base in Maryland, also nur rund 15 Kilometer südöstlich von Washington D.C. stationiert sind, verfügt über zahlreiche Besonderheiten, die sie grundlegend von zivilen Jumbos unterscheiden. Für den jeweiligen Chef im Weißen Haus bieten sie eine eigene Suite und ein Arbeitszimmer. Dazu kommen Konferenzräume und sogar ein Operationstisch fliegt mit. Ausgelegt sind die Maschinen für gut 100 Passagiere.

Gegen Attacken vom Boden und aus der Luft hat man in die Präsidentenmaschinen spezielle Abwehrvorrichtungen eingebaut, deren Funktion geheim sind. Und natürlich hat die 747 eine Nachtankvorrichtung. Mit an Bord sind zahlreiche gehärtete Kommunikationsmittel. Schließlich muss der Präsident und oberste Befehlshaber stets und ständig in der Lage sein, Politik zu machen. Oder Atomraketen zu starten. Ein einziges Mal operierte eine AF-1 quasi als fliegender Kommandopunkt. Das war am 11. September 2001. Weil die Lage nach den Terroranschlägen gegen die Twin Towers und das Pentagon so unübersichtlich war, brachte man den damaligen US-Präsidenten George W. Bush durch die Luft in Sicherheit.

Die Tradition der US-Präsidentenmaschinen begann übrigens schon in den 1930er Jahren. Wirklich wichtig wurden die speziellen Transportmittel unter Franklin D. Roosevelt. Für den hielt Boeing ein Flugboot vom Typ 314 »Clipper« bereit, mit dem der Präsident 1943 zur Casablanca-Konferenz gereist ist. Ein Schiff zu nehmen, verbot sich, denn noch waren die U-Boote der Nazis zu aktiv. Ab 1944 wurde dann eine Douglas C-54 »Skymaster« eingesetzt. Deren Rufname lautete noch nicht »Air Force One«, sondern »Sacred Cow« (Heilige Kuh).

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