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Urbanes Schwitzen

Der Klimawandel stellt Städte vor Herausforderungen, extreme Hitze nimmt zu

  • Von Eva Krafczyk, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.

Wieder einmal sind auf der Landkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Teile Deutschlands lila eingefärbt. Lila bedeutet Hitzewarnung. Das heißt, es werden Wärmebelastungen erwartet, die vor allem für gesundheitlich angeschlagene Menschen mit geschwächtem Organismus, Senioren und Kinder besonders schwere Auswirkungen haben können. Beträgt die gefühlte Temperatur zwischen 32 und 38 Grad Celsius, wird die Warnstufe eins herausgegeben, sagt Andreas Matzarakis vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des DWD in Freiburg.

Die Warnstufe zwei gelte ab einer gefühlten Temperatur von 38 Grad. Mit den Werten, die das Thermometer misst, stimmt das nicht unbedingt überein, denn auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonnenstrahlung spielen eine Rolle beim Wärmeempfinden des Menschen. Ist es feucht-warm und schwül, können 28 oder 30 Grad als wesentlich wärmer empfunden werden.

Die Warnungen sollen nicht die Freude am Sommer vermiesen, sondern zu angemessenem Verhalten und Schutzmaßnahmen anhalten. Dazu gehört etwa, viel zu trinken, möglichst leicht zu essen sowie in der größten Hitze Aufenthalte im Freien und körperliche Aktivitäten zu meiden.

Besonders heftig können die Auswirkungen von Hitze in Ballungszentren und Innenstädten sein, weil sich dort die Wärme staut. »Innenstädte können sich stärker erhitzen als das Umland, sie speichern die Wärme bei extremer Hitzebelastung auch über die Nacht«, sagt der Humanökologe Hans-Guido Mücke vom Umweltbundesamt. »Die Nachttemperatur kann während der Hitzeperioden in der Stadt im Extremfall um bis zu zehn Grad höher sein als im Umland.« Wichtig sei daher, dass der Nachtwind ungehindert durch sogenannte Frischluftkorridore ziehen kann.

Angesichts des Klimawandels drängt die Zeit: »Wir sehen auf der Basis der statistischen Auswertung von Extremereignissen, dass deren Häufigkeit ansteigt«, sagt Mücke. »Die Klimamodelle zeigen uns, dass nicht nur die Häufigkeit von extremen Hitzeperioden - sogenannten Hitzewellen - zunehmen wird, sondern sehr wahrscheinlich auch deren Intensität und Dauer.«

Hitzewarnungen können da zumindest kurzfristig helfen - vorausgesetzt, sie erreichen die besonders betroffenen Menschen. »Viele alte Menschen haben kein Smartphone und erhalten nicht per E-Mail die Newsletter mit den Warnungen«, gibt Matzarakis zu bedenken. Hier sei Nachbarschaftshilfe gefordert. Auch Ärzte, Apotheker oder ambulante Pflegedienste seien gefragt.

Stadtplaner, aber auch Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser stehen angesichts der absehbaren Folgen des Klimawandels vor mittel- bis langfristigen Herausforderungen. »Grünflächen, Stadtparks und schattige Plätze sind besonders wichtig«, sagt Mücke vom Umweltbundesamt. Auch die nachträgliche Verschattung von Gebäuden sei möglich, damit sich etwa Krankenzimmer in Südlage an heißen Tagen nicht zu sehr aufheizen. Markisen und Fensterläden können der Hitze entgegenwirken.

Vor wenigen Wochen veröffentlichten Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen. Experten der Bundesfachbehörden, aus Gesundheits- und Umweltministerien von Bund und Ländern haben daran mitgewirkt. Ein Pauschalrezept gebe es nicht, betont Mücke. »Das kann regional sehr unterschiedlich sein.« Während beispielsweise beim Thema Hochwasser in den Küstenregionen Küstenschutzmaßnahmen im Vordergrund stünden, gehe es in den Mittelgebirgen eher darum, die Folgen von Starkregen mit Überflutungen zu bremsen.

»Vor 15 Jahren war Hitze in der Stadt kein Thema. Inzwischen ist es bei Stadtplanern, Architekten und Landschaftsplanern angekommen«, sagt Matzarakis. In vielen Kommunen gibt es mittlerweile Anpassungsstrategien und Pläne, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

Frankfurt am Main ist eine der Großstädte mit besonders hoher Bevölkerungsdichte, gleichzeitig steigt der Wohnflächenbedarf. Die Stadt hatte bereits im Jahr 2014 eine Klimaanpassungsstrategie ausgearbeitet. »Die Frankfurter City weist in Teilen ihrer Innenstadt und in den dicht bebauten Stadtteilen schon heute deutliche hochsommerliche Überwärmungen auf«, hieß es damals. Für die Zukunft wurden »zahlreichere und heftigere Unwetter und länger andauernde Hitzeperioden im Sommer« prognostiziert.

»Es sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Innenstädte nicht noch weiter verdichtet werden«, sagt Mücke über die Aufgaben, die sich Stadtplanern stellen. Brach- und Grünflächen sollten nicht als neue Bebauungsflächen ausgewiesen werden.

Derzeit allerdings wird in Städten wie Berlin und Frankfurt wegen des Zustroms neuer Bewohner ordentlich nachverdichtet: Etliche Wohnhäuser werden auf Grünflächen und Plätzen zwischen bestehenden Gebäuden hochgezogen. dpa/nd

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