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Auf dem Katzensprung

Mit menschlicher Hilfe erobert sich die Wildkatze die Wälder zurück

  • Von Elisabeth Heinze
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wildkatzensprung«: Ein vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) koordiniertes und mit 3,85 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium gefördertes Projekt kommt pünktlich zum Weltkatzentag zum Abschluss. Jedes Jahr wird dieser Katzentag nicht nur von Katzenfreunden oder Liebhabern viraler Katzenvideos zelebriert, allen voran wurde er von Tierschützern ins Leben gerufen, um auf Missstände, schlechte Lebensbedingungen und Probleme der beliebten Vierbeiner aufmerksam zu machen.

Mit Baldrian auf Haarjagd

Und schon gerät die Wildkatze ins Blickfeld. Wie einige wenige ihrer Verwandten aus dem häuslichen Bereich ist die Wildkatze scheu und versteckt sich gern. Sonst aber hat die nachtaktive und naturnahe Mäusejägerin nicht viel mit Hauskatzen gemein. Bei sehr jungen Tieren, bei denen es optisch zu einer Verwechslung kommen kann, ist die Verhaltensweise entscheidend: Das wilde Tier meidet den Menschen immer und kann bei Streif- und Jagdzügen naturgemäß auf viel größere Aktionsräume zurückgreifen. Aber auch diese sind noch ausbaufähig.

Deswegen verfolgte das Projekt Wildkatzensprung in zehn Bundesländern das Anliegen, die bedrohte Europäische Wildkatze wieder vermehrt in Wäldern hierzulande anzusiedeln. Dazu bedarf es einer Veränderung der grünen Infrastruktur. Durch das Anlegen von grünen Korridoren, die Waldstücke miteinander verknüpfen, konnte der Lebensraum der gefährdeten Tierart nun erfolgreich vergrößert werden.

Um zu lokalisieren, wo Wildkatzen häufig unterwegs sind, an welchen Stellen Wälder sinnvoll miteinander verbunden und Zwischenstrecken bepflanzt werden sollten, fanden Methoden Anwendung, die bezogen auf die menschliche Gesellschaft wohl eher kontrovers diskutiert werden würden: Im Frankfurter Senckenberg-Institut wurde eine bundesweite Gendatenbank über Wildkatzen entwickelt, mit deren Hilfe die Verbreitung, das Wanderverhalten und die Bestände des Säugetiers erforscht wurden - im Tierbereich ein wissenschaftliches Novum in Deutschland.

Vor dem Monitoring war es kaum möglich gewesen, verlässlich einzuschätzen, wie viele Wildkatzen überhaupt hier leben, meint Dr. Sören Dürr von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Er stellt den gesellschaftlichen Nutzen des Citizen-Science-Ansatzes heraus, denn »ohne die Unterstützung durch Laienwissenschaftler wäre das Projekt nicht umzusetzen gewesen«. Das Konzept der Bürgerwissenschaften ermögliche ferner, »dass Laien unter Aufsicht Zugang zu großangelegten Projekten erhalten und freiwillig forschen können«. Insgesamt 1200 Freiwillige waren unterwegs, um Lockstöcke einzusammeln, die später genetisch ausgewertet wurden. Beim Menschen eher schlaffördernd, wirkt Baldrian bei Wildkatzen anziehend, besonders in der Paarungszeit. Immerhin 3500 Holzlatten wurden mit dem Wirkstoff besprüht und in den Wäldern platziert. Sobald sich die Tiere am Lockstock rieben, blieben Haare zurück, die schließlich die Grundlage für die genetische Klassifizierung darstellten.

Isolierte Katzen

Interessant an den feinen Daten des Monitorings sind auch die Erkenntnisse über verschiedene lokale Bestände: Einzelne Populationen der Tierart sind offenbar voneinander isoliert. Unter den Beständen ist der Unterschied zwischen der west- und mitteldeutschen Wildkatzenlinie übrigens am stärksten. Auch wenn es bei den Wildkatzen sicherlich Grenzgänger gibt, sind genetische Differenzen zwischen nah beieinander liegenden Gebieten festgestellt worden. Verantwortlich für die reproduktive Isolation könnten fehlende ungestörte Bereiche und besonders das Zerschneiden des Lebensraums durch den Menschen sein, heißt es in den Forschungsergebnissen des BUND.

Daher sollten neue Wege geschaffen, mehr grüne Korridore und Tunnel oder Brücken für Wildtiere an Autobahnen errichtet werden, erklärt der Wissenschaftsexperte Dürr, um die Lebensräume der Katzen miteinander zu verbinden. Zuversichtliches auch von Entscheidungsträgern: Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium resümiert, dass das Projekt Wildkatzensprung zeige, »dass die Wiedervernetzung von Wäldern machbar ist«.

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