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Bunt hat Braun vergrault

Der Nazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf ist zum zweiten Mal ausgefallen

Zu Trauermusik marschieren sie durch Bad Nenndorf - aber nur noch im Internet. Videoclips, eingestellt von der rechten Szene, erinnern an vergangene Auftritte der Nazis in der nahe Hannover liegenden 10 000 Einwohner zählenden Stadt. Mindestens bis 2030 wollten Rechtsextremisten alljährlich am ersten Augustsamstag mit dumpf klingenden Landsknechtstrommeln und nicht minder dumpfen Spruchband-Parolen durch den Kurort trotten. Doch 2016 hatten die Rechten erstmals ihr Spektakel abgesagt, und auch jetzt am Samstag waren sie nicht erschienen.

Sehr zur Freude vieler Nenndorfer, die sich vorbeugend auf einen Überraschungsmarsch der Nazis eingestellt und das gleiche Programm vorbereitet hatten, mit dem die Initiative »Bad Nenndorf ist bunt« den Marsch ihrer ungebetenen Gäste in den vergangenen Jahren stets begleitete. Und so gab es auch wieder eine Kundgebung, auf der mehrere Rednerinnen und Redner gegen den Rechtsextremismus Stellung bezogen.

Niedersachsens Landesregierung war dabei durch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) vertreten. Sie mahnte: Noch immer seien vielerorts fremdenfeindliche Äußerungen zu hören. »Das wollen wir nicht haben«, betonte sie, und daher sei es wichtig, »Haltung zu zeigen«, wie es in Bad Nenndorf so viele Menschen tun.

Auch die Behörden wollen das Nazigedröhn nicht haben. Deshalb suchen sie nach Wegen, künftigen Märschen einen Riegel vorzuschieben. Angemeldet haben die Rechtsextremen ihr Getöse bis 2030, das heißt: Sie dürften noch bis dahin die Menschen in der Kurstadt belästigen. Doch vielleicht finden Polizei und Landkreis einen juristischen Hebel, um das zu verhindern. Womöglich stellen sie die Zuverlässigkeit, die von den Anmeldern eines Aufzugs gefordert wird, in Frage.

Auch ohne behördliche Hilfe ist es den Nenndorfern mit ihrer bunten Initiative, unterstützt von auswärtigen Antifaschisten gelungen, den Zustrom der Nazis von Jahr zu Jahr zu verringern und sie inzwischen wohl vollends zu vergraulen. Noch 2006 war angesichts des ersten Marsches in der Kurstadt befürchtet worden, sie könnte ein ähnlicher brauner Wallfahrtsort werden wie das oberfränkische Wunsiedel, wo Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß beerdigt ist. Bis zur Auflösung des Grabes 2011 war es beliebte Nazi-Pilgerstätte.

In Bad Nenndorf waren 2006 nur etwa 100 Rechte zum »Wincklerbad« gepilgert, einem Haus, das die britische Besatzungsmacht nach dem Krieg als Verhörzentrum nutzte. Die Gefangenen dort, darunter hohe Funktionäre des Hitlerregimes, waren gefoltert worden. Grund für die rechte Szene, diesen Ort als Ziel ihrer »Trauermärsche« zu wählen. Die Zahl ihrer Teilnehmer wuchs anfangs, lag 2010 bei 1000, darunter auch Nazi-Prominenz. Die mittlerweile 88-jährige, mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck beispielsweise und Christian Worch, Vorsitzender der neonazistischen Kleinpartei »Die Rechte«.

Wie unwillkommen sie alle in Bad Nenndorf waren und sind, machen Bürgerinnen und Bürger seit Jahren durch farbenfrohe Aktionen deutlich. Irgendwann hatten es die Nazis wohl satt, mit dummen Schlümpfen gleichgesetzt oder auf einem Plakat als braune Gestalten dargestellt zu werden, die Adolf Hitler aus dessen blankem Hintern kriechen. Ihre Zahl wurde von Jahr zu Jahr geringer, war 2015 auf ganze 174 Marschierer geschrumpft, denen mehr als 1000 Antifaschisten gegenüber standen.

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