Der geliebte Klimakiller namens Hauskatze

Es gibt gute Gründe, sich am Weltkatzentag nicht nur über niedlichen Catcontent zu freuen

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Was macht eigentlich Grumpy Cat? Ausgerechnet zum Weltkatzentag am 8. August lässt der Internetstar seine Fans warten. Grumpy Cat, die eigentlich Tardar Sauce heißt, hatte ihre 1,25 Millionen Follower auf Twitter zuletzt am Sonntag mit einem Beitrag unfreiwillig bespaßt. Seit im September 2012 auf der Website Reddit ein Foto von Tardar auftauchte, das die Katze mit einem scheinbar mürrischen Gesichtsausdruck zeigt, avancierte das Tier zum Internetphänomen und einer Gelddruckmaschine für ihre Halterin. Seit 2013 ist Grumpy Cat eine eingetragene Marke, neben allerlei bedrucktem Unnützem erschien 2014 sogar ein Fernsehfilm, mit dem Grumpuccino gibt es sogar einen nach der Katze benannten Eiskaffee.

Dabei ist der Grund, warum Tardar uns scheinbar ständig ein grimmiges Gesicht zeigt, alles andere als zum Lachen. Grumpy Cat leidet unter einem Gendefekt, ist kleinwüchsig und hat zudem einen angeborenen Unterbiss. Im Grunde ist die Vermarktung dieses Lebewesens nichts anderes als eine moderne Variante der Freakshow, eine virtuelle Jahrmarktsattraktion. Und weil Tardar Sauce »nur« eine Katze ist, hält sich die Empörung darüber in Grenzen. Immerhin sieht sie doch so süß aus!!!

Anlässlich des Weltkatzentags an diesem Dienstag wäre es einfach, mit den Aufnahmen süßer Stubentiger ein paar Klicks zu generieren. Katzen findet bekanntlich fast jeder süß. Doch es gibt noch mehr Gründe, den unkritischen Hype zu hinterfragen.

Deutsche Hauskatzen sind wahre Klimakiller

Die Deutschen lieben ihre Haustiere – und ganz besonders Katzen. Nach Angaben von Statista bevölkert kein anderes nichtmenschliches Lebewesen so häufig unsere Wohnungen. 2016 gab es 13,4 Millionen Stubentiger, erst deutlich dahinter folgen mit 8,6 Millionen Tieren Hunde. Doch im Gegensatz zum bellenden Vierbeiner hat die Katze einen entscheidenden Nachteil: Während sich erstere Begleiter des Menschen vergleichsweise leicht ohne den Klimakiller Fleisch ernähren ließen (Hunde sind Allesfresser), sind Katzen geradezu wählerisch. Im ökologischen Pfotenabdruck schlägt sich dies nieder: Die zwei Neuseeländer Brenda und Robert Vale berechneten für ihr Buch »Time to eat the dog«, dass man sich entweder eine Katzen halten oder alternativ mit einem VW Golf 10.000 Kilometer zurücklegen könnte. Das Fazit der zwei Autoren: Nur eine nicht angeschaffte Katze sei eine gute Katze für die Umwelt.

Im bereits 2012 veröffentlichten »Beschiss-Atlas« finden sich noch eindrücklichere Zahlen: Demnach verursacht eine Hauskatze in Deutschland einen jährlichen Co2-Ausstoß von etwa 2,2 Tonnen, was ungefähr jener Menge entspricht, auf die ein durchschnittlicher Mensch in Ägypten kommt. Das Dilemma ist offensichtlich, wenn es um Fragen der Klimagerechtigkeit und den Lebensgewohnheiten in Industrienationen im Vergleich zu den Ländern des Südens geht. Übrigens: Rund die Hälfte des Pfotenabdrucks entsteht durch die Herstellung des Futterfleisches, die andere Hälfte durch die Entsorgung von Katzenstreu und leeren Dosen.

Katzen sind eine Gefahr für Vögel

Einige Katzenliebhaber könnten nun auf die Idee kommen, ihren Liebling einfach in der freien Natur herumstreunen zu lassen, damit dieser zumindest einen Teil seines Futters selbst erbeutet. Keine besonders gute Idee aus Sicht des Naturschutzes, wie eine Studie zeigt. Allein in den USA sollen demnach jährlich zwischen 1,4 Milliarden und 3,7 Milliarden Vögel sowie zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere von Katzen getötet werden. Verlässliche Zahlen für Deutschland gibt es nicht. Die Naturschutzorganisation Nabu warnt, dass in manchen Regionen der Erde, wie etwa in Neuseeland, durch jagende Hauskatzen die Bestände mancher Tierarten sinken können, weil die dortige Tierwelt keine natürlichen Landraubtiere kennt.

In Deutschland sei die Situation nicht so dramatisch. »Dennoch können Katzen aufgrund ihrer durch menschliche Zufütterung unnatürlich hohen Bestände dem Vogelbestand mancherorts empfindlich schaden. Hier gibt es kein natürliches Räuber-Beute-Gleichgewicht, da Katzen im Zweifelsfall am heimischen Futternapf oder im Abfall von Menschen immer genug zu fressen finden.« Katzenbesitzern rät der Nabu, insbesondere von Mitte Mai bis Mitte Juni den Stubentiger wenigstens in den Morgenstunden im Haus zu behalten. In dieser Zeit sind besonders viele Jungvögel unterwegs.

Vorwerfen lässt sich einer Katze weder, dass sie Fleisch frisst, noch der Umstand, im Freien ihrem Jagdinstinkt zu folgen. Das nennt sich Natur. Doch die kommt nur schwer damit klar, dass der Mensch einem Hype um einen Begleiter auf vier Pfoten folgt. Doch Liebe ist bekanntlich ein knappes Gut: Auch deshalb endet der Weg für tausende Hauskatzen jedes Jahr auf der Straße und im Tierheim.

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