Werbung

»Ein großer Sieg für Venezuela«

Yulimar Rojas holt WM-Gold für ihr leidendes Volk

  • Von Ulrike John, London
  • Lesedauer: 2 Min.

Yulimar Rojas würde ihr Heimatland »um nichts in der Welt verlassen«. Das ist keine Selbstverständlichkeit, da Venezuela derzeit ein Krisenherd ist und die Bilder von den Straßenschlachten weltweit in den Nachrichten rauf und runter laufen. Jetzt hat das südamerikanische Land sportlich für eine positive Schlagzeile gesorgt: Yulimar Rojas gewann als Dreisprungweltmeisterin in London das erste WM-Gold in der Leichtathletikhistorie für ihre krisengeplagte Nation.

Die 21-Jährige hatte am Montagabend in einem packenden Duell die kolumbianische Olympiasiegerin Caterine Ibargüen mit 14,91 Metern um zwei Zentimeter besiegt und sprang danach wie ein Irrwisch am Rande der Sandgrube herum. »Ich bin so stolz auf meine Goldmedaille. Meine Familie, meine Freunde und mein Land - ich habe sie alle stolz gemacht und ihnen Freude bereitet. Das ist ein großer Sieg für Venezuela.«

Während in dem Land mit den riesigen Ölreserven das gewählte Parlament gegen seine Entmachtung kämpft, die kritische Generalstaatsanwältin abgesetzt wird und Staatschef Nicolás Maduro die Militärrebellion als »Tyrannei« bezeichnet, versuchte Rojas die explosive Lage zuhause für ein paar Stunden auszublenden. »Natürlich bedrückt mich das. Es gefällt mir nicht, was da passiert, wie mein Volk leidet«, sagte die Olympiazweite nach ihrem Triumph in London. »Venezuela ist ein wundervolles Land. Ich weiß, dass wir da rauskommen und dass die Kämpfe und der Krieg unter Brüdern aufhören werden.«

Damit sie ihren Sport erfolgreich betreiben kann, trainiert Rojas den größten Teil des Jahres in Spanien - bei Ivan Pedroso: Der Kubaner nahm sie im Olympiastadion fest in die Arme. Pedroso war 2000 in Sydney Olympiasieger im Weitsprung und zwischen 1995 und 2001 vier Mal Weltmeister. »Nach der Saison mache ich wieder Urlaub in Venezuela und sehe endlich meine Familie. Es ist wirklich hart, von ihnen so lange getrennt zu sein«, sagte Rojas.

Angesichts der Krise in Venezuela sollen sich mittlerweile 140 000 Menschen illegal im Nachbarland Kolumbien aufhalten. Das Land steuert auf eine Diktatur zu. Dreisprungweltmeisterin Rojas will sich ihren jugendlichen Optimismus und ihre Heimatliebe von immer neuen Schreckensmeldungen nicht nehmen lassen. »Es ist wie in der Leichtathletik: Es gibt gute und schlechte Zeiten«, sagte die 21-Jährige mit ruhiger Stimme. »Es gibt viele Länder, die Krisen hatten und gestärkt daraus hervorgegangen sind. Wir werden noch wundervolle Zeiten erleben.« dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln