Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Portugal und Italien leiden unter einer Dürre

Wegen der Wasserkrise rief die Regierung in Rom den Notstand für Latium und Umbrien / Starke Winde führten zu Flugausfällen von Madeira zum Festland

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 4 Min.

Das kleine Portugal am westlichen Rand Europas hat im Sommer schon für dramatische Schlagzeilen gesorgt, als bei Bränden um Pedrogao Grande sogar 64 Menschen ums Leben kamen. Weniger Aufmerksamkeit erhalten die vielen kleineren Brände, die weiter im Land und auch beim Nachbarn in Spanien lodern. Portugal liegt aber in Europa uneinholbar an der Spitze: Bis Ende Juli sind fast 120 000 Hektar Wald abgebrannt. Dieser Brandsommer liegt weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahren.

Ein Drittel der gesamten Fläche, die bis Juli in der Europäischen Union abgebrannt ist, findet sich in Portugal, das kleiner als Ungarn und etwas größer als Österreich ist. Und macht den Umfang der Tragödie deutlich, die das Land Jahr für Jahr heimsucht. Nach Angaben des Zivilschutzes liegt auch die Zahl der Brände mit mehr als 8500 bisher »weit« über dem Durchschnitt, erklärte deren Chef Rui Esteves. Portugal dürfte den bisherigen Rekord aus dem Vorjahr noch übertreffen, als 160 000 Hektar abgebrannt sind. Esteves ist besorgt darüber, dass die abgebrannten Flächen immer größer werden. Auf Platz zwei der traurigen Rangliste kam bisher das Jahr 2013 mit knapp 153 000 Hektar, dahinter lag 2010 mit 133 000.

Für den Zivilschutz verhielten sich die Brände nun »völlig anders«, wofür vor allem der »angehäufte Brennstoff in den Wäldern« verantwortlich gemacht wird. Das Unterholz, lange nicht beseitigt, sorgt dafür, dass sich Brände schnell und weit ausbreiten und heftiger sind. »Wir wissen wo ein Brand beginnt, aber nicht, wo er beendet wird«, sagte Esteves. Er benennt damit ein zentrales Problem einer absehbaren Tragödie. Denn in den Jahren der Austeritätspolitik unter der konservativen Regierung wurde auch massiv an präventivem Brandschutz gespart. Dazu kam, dass die Rechte mit Blick auf die wirtschaftlich bedeutsame Papierindustrie in den Krisenjahren auch den Anbau des Brandbeschleunigers Eukalyptus freigegeben hatte. Die Monokulturen breiteten sich noch stärker aus.

Damit wurde ein explosiveres Gemisch geschaffen, mit dem sich die Linksregierung nun herumschlagen muss. Hinzu kommt noch eine Dürre, die zudem als Brandbeschleuniger wirkt. Das Meteorologische Institut (IPMA) hat nun mitgeteilt, dass im Juli schon fast 70 Prozent des Landes von einer »schweren Dürre« und gut neun Prozent von einer »extremen Dürre« betroffen sind. Einem »sehr trockenen« Frühjahr, die Temperaturen lagen mehr als zwei Grad über dem Durchschnitt, folgte ein »extrem trockener Juni«. Die Klimaveränderungen sorgen in Portugal wie erwartet für extreme Temperaturen und sogar mehr als 46 Grad wurden schon überschritten. Das Brandrisiko wird nun nur noch in einem winzigen Gebiet im Norden an der Atlantikküste als »gering« eingeschätzt, in weiten Teilen dagegen als »maximal« oder »sehr hoch«.

Es wird schwer, die aufgestauten Probleme schnell zu beseitigen. Die Linksregierung hat nun die Freigabe des Eukalyptusanbaus der konservativen Vorgänger - gegen deren Stimmen - wieder zurückgenommen. Dieser Baum, der heimische Arten verdrängt hat und wie Zunder brennt, darf nur noch mit Sondergenehmigungen angepflanzt werden und soll zurückgedrängt werden. Debattiert wird auch, ob Waldbesitzer enteignet werden sollen, die keinen präventiven Brandschutz betreiben. In Portugal befinden sich 98 Prozent des Waldes in privater Hand, womit es in Europa an der Spitze noch vor Österreich liegt.

Umweltschutzorganisationen wie Quercus und Acréscimo rechnen zudem vor, dass sich präventiver Brandschutz lohnt, den sie als »unbedingte Notwendigkeit« bezeichnen. Nach ihren Berechnungen schlage der Brandschutz pro Jahr mit 165 Millionen Euro zu Buche. Dagegen summierten sich die Kosten, die durch Brände verursacht werden, jährlich auf mehr als eine Milliarde Euro. Prävention würde sich also rechnen.

Rom ruft Notstand für Latium und Umbrien aus

Rom. Wegen der Wasserkrise in Italien hat die Regierung in Rom den Notstand für Latium und Umbrien ausgerufen. Damit werden dem Zivilschutz besondere Befugnisse in den bei Touristen beliebten Regionen erteilt, um der Versorgungsknappheit entgegenzutreten, wie der Ministerrat am Montagabend nach einer Sitzung mitteilte. Im Latium liegt auch die Hauptstadt Rom.

Viele Regionen vor allem in Mittel- und Süditalien leiden seit Wochen an ungewöhnlicher Trockenheit. In Rom stand kurzzeitig sogar eine Wasserrationierung zur Debatte. Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge darf der Wasserversorger Acea weiterhin Wasser aus dem Bracciano-See zur Versorgung der Millionenstadt pumpen. Allerdings nur noch 400 statt 900 Liter pro Sekunde. Die Regierung verlängerte auch den im Februar ausgerufenen Notstand für die Provinzen Agrigent und Messina auf Sizilien.
Auch plagen Waldbrände das Land. Die Feuerwehr barg am Montag bei Löscharbeiten zwei Frauenleichen aus einem Haus, das von Flammen umschlossen worden war. mit dpa

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln