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Geist der Geschichte trifft Geist der Gegenwart

Im thüringischen Weimar findet am Wochenende zum 6. Mal das Fassadenprojektions-Festival »Genius loci« statt

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Genius loci - gemeint ist der Geist eines Ortes, seine Geschichte, seine Aura, seine Präsenz. Im thüringischen Weimar ist der Name fein auserwähltes künstlerisches Programm und Stadtmarketing zugleich. Seit 2012 ist die Stadt alljährlich drei Augustnächte lang in den Händen der sogenannten Video-Mapping-Szene. Im Zentrum des Fassadenprojektions-Festivals »Genius loci« stehen jeweils drei verschiedene Fassaden der Klassikerstadt. 50 000 Besuchern kommen pro Jahr so zu »Genius loci« - einem der jüngsten und modernsten Kulturfestivals in Thüringen. Man kann auch sagen: Die digitale Bohemé weckt das etwas verschlafene Weimar auf.

In diesem Jahr findet »Genius loci« vom 11. bis 13. August statt. Und die drei ausgewählten Bauwerke sind im 500. Jahr der Reformation der Touristenmagnet Herderkirche, das Cranachhaus und die Notenbank (Alte Staatsbank). Jeweils zwischen 21.30 und 24 Uhr werden internationale Videokünstler ihre Bildgeschichten dort projizieren.

Die Teams mussten sich bis Februar in einem international ausgeschriebenen Wettbewerb (Preisgeld 45 000 Euro) bewerben. Eine Fachjury entschied und auch die Weimarer hatten Mitspracherecht. Die Miniatur-Modelle wanderten dazu durchs Stadtzentrum. Voraussetzung war, dass sich die Projekte mit Geschichte und Gegenwart dieser Weimarer Orte auseinandersetzen. »Genius Loci«-Kopf Hendrik Wendler hat eine Software für die passgenaue Livepräsentation auf der Fassade entwickelt, die von den Künstlern genutzt wird.

An der Herderkirche trifft Tokio auf Weimar. Kento Tomiyoshi und Makoto Shozu vom »Studio Flightgraf« setzen sich mit der Hoffnung und dem Glauben als Gegenpol zu Einfluss und Geld in einer aufwühlenden Epoche auseinander.

Das Cranachhaus wird live bemalt. »Chiaroscuro« heißt das Bild von Tatiana Halbach und Søren Christensen. Es verbindet zwei Ären. Angefangen bei den Gemälden von Lucas Cranach, beeinflusst vom Realismus und biblischen Referenzen, führt es zu den Werken des Gegenwartskünstlers Gerhard Richter. In ihrer Projektion »Gestalt« untersuchen die Künstler Jone Vizcaino und Ander Ugartemendia die verschiedenen Grundsätze der Gestalttheorie.

Die Notenbank in der Steubenstraße steht stellvertretend für die Verbindung zwischen den »Teilstücken des Ganzen« und dem »großen Ganzen«, das sich aber geschichtlich gesehen in verschieden Epochen und Ereignisse auflöst.

Eine digitale Wegemarkierung vernetzt die drei großen »Leinwände« untereinander. Am Zeughaus, in der Schützengasse, in der Rittergasse, der Kaufstraße und der Steubenstraße werden Videoinstallationen und Lichtskulpturen internationaler Künstler zu sehen sein, unter anderem Arbeiten der Festival-Dinos »Mammasonica« aus Sizilien.

Jedes Jahr gibt es auch das »Genius Loci Lab«, ein Live-Laboratorium. Der Nachwuchs zeigt in diesem Jahr - so prominent wie noch nie - auf dem Theaterplatz, wie Pixel, Architektur und Licht synchronisiert werden können. Außerdem gibt es ein audiovisuelles Live-Kino mit drei Shows (16mm-Filmschleifen und Diaprojektionen), die im Lichthauskino präsentiert werden. Der schon traditionelle »Genius Loci Club« eröffnet am Freitag ab 23.30 Uhr das Festival auch für das tanzwütige Publikum.

Erstmals findet in diesem Jahr der »Genius Loci Talk« am Festival-Samstag im Weimarer E-Werk statt. Fachleute beleuchten die rasant wachsende junge Kunstform des Video-Mappings: Ist es ein Eventtrend, ein Marketing-Instrument für Städte, um auch junge Touristen zu locken, oder eine neue Herausforderung für Künstler, Architekten, Eventmanager und Stadtplaner?

Das 6. Weimarer Fassadenprojektions-Festival »Genius loci« findet vom 11. bis 13. August statt, Informationen im Internet unter: www.genius-loci-weimar.org

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