Ziviles Leben erobert alte Kasernen

Friedliche Nutzung von Militärflächen kommt in der Uckermark gut voran

  • Von Uwe Werner und Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 5 Min.

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Die Uckermark zählt nicht zu den Landkreisen mit der größten Dichte ehemaliger Militärliegenschaften im Land. Dennoch gab es nach der Wende viel zu tun, um Altlasten zu beseitigen und aufgegebene Kasernen, Depots, Truppenübungsplätze und Luftstützpunkte wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen. Im Nordosten des Kreises grenzte der russische Truppenübungsplatz «Tangersdorfer Heide» zwischen Lychen, Templin und Zehdenick (Oberhavel) an die große russische Garnison Vogelsang. In Groß Dölln bei Templin unterhielt die Westgruppe bis zu ihrem Abzug 1994 einen Militärflugplatz, die größte auf dem Gebiet der einstigen DDR.

Seit 20 Jahren wird in Brandenburg regelmäßig ein Konversionssommer veranstaltet. Das ist eine Gemeinschaftsaktion von 19 Städten und Gemeinden, Institutionen und Behörden mit Unterstützung des Landes, die im Netzwerk «Forum für Konversion und Stadtentwicklung im Land Brandenburg» (FOKUS) vereint sind. Vereint treiben sie die Rückgewinnung der aufgegebenen Kasernen und sonstigen Armeeanlagen und der großflächigen militärischen Übungsgebiete für die zivile Nutzung voran, rücken einzelne Objekte ins Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit, knüpfen Kontakte. Der «Konversionssommer 2017» steht unter dem Motto «FOKUS - 20 Jahre Netzwerk für Konversion in Brandenburg».

Die Konversion zählt zu den Erfolgsgeschichten im Land. Von den rund 100 000 Hektar beispielsweise, die der Bund 1994 nach Abzug der russischen Truppen an das Land Brandenburg übertrug (etwa acht Prozent von dessen Gesamtfläche), sind mittlerweile rund 93 Prozent in eine zivile Nutzung überführt. Sie wurden an Privatinvestoren, Kommunen oder auch Stiftungen veräußert. Nach Angaben des Finanzministeriums sind auf diesen Arealen oder in ehemaligen Kasernen unter anderem neue Industrieunternehmen und Gewerbe mit zahlreichen Arbeitsplätzen angesiedelt worden aber auch annähernd 1100 Wohnungen entstanden. Es wurden Naturräume gesichert und Areale für die Ansiedlung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien erschlossen. Das Land habe durch den Verkauf insgesamt rund 300 Millionen Euro eingenommen, heißt es.

«In der Uckermark gibt es insgesamt 14 solcher ehemaligen Militärliegenschaften. Mit dem ehemaligen Raketentreibstofflager der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA) in Pinnow gibt es im Kreis lediglich noch eine einzige militärische Liegenschaft, die bislang nicht zivil genutzt wird», erläuterte Karsten Stornowski (SPD), Beigeordneter des Landrates. «Aber hier zeichnet sich ab, dass nach dem Abbruch der militärischen Anlagen und Altlastenuntersuchungen der derzeitige Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, eine Umwandlung in ein Naturschutzgebiet im Auge hat», sagte er.

Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hatte zum Start des diesjährigen Konversionssommers im Juni von einer «Jahrhundertaufgabe» gesprochen, die nur zu bewältigen sei, wenn die betreffenden Akteure ihre Ziele gemeinsam verfolgen und ihre Erfahrungen austauschen«. Er hatte dabei erklärt: »Die Umwandlung der verbliebenen Areale gestaltet sich zunehmend schwierig. Sei es, weil es sich um Truppenübungsplätze handelt, die mit Explosionsstoffen, Munition und sonstigen Altlasten kontaminiert sind. Sei es, weil es bau- und nutzungshistorisch bedeutsame Gebäude- und Flächenensembles sind, die unter Denkmalschutz stehen und deren Erhalt mit hohen Kosten verbunden ist.«

Im Zuge der Konversion sind dem Landkreis Uckermark laut Karsten Stornowski nur rund 50 000 Euro an Kosten entstanden - und zwar bei der Nachnutzung der ehemaligen sowjetischen Panzerkaserne am Rande von Prenzlau. Hinzu kommen jährlich etwa 5000 Euro für die Überwachung des Grundwassers. Hier sind die Grabowschule, eine Turnhalle, Sportplätze und eine Solaranlage errichtet worden. Die mitten im Stadtgebiet gelegene »Rote Kaserne«, die zuletzt von der NVA genutzt wurde, ist dagegen seit vielen Jahren Verwaltungssitz des Landkreises.

Die »größten Brocken« unter den Militärflächen in der Uckermark sind der Truppenübungsplatz »Tangersdorfer Heide« mit mehr als 3000 Hektar und der einstige Militärflugplatz Groß Dölln mit rund 1500 Hektar.

Die »Tangersdorfer Heide«, von der Sowjetarmee seit Beginn der 1950er Jahre als Schieß- und Truppenübungsplatz genutzt, ist vom Land unter Naturschutz gestellt worden und heute Teil des 7600 Hektar auf dem Gebiet der Landkreise Uckermark und Oberhavel umfassenden Naturschutzgebietes »Kleine Schorfheide«.

In Groß Dölln sind heute nach Angaben von Karsten Stornowski neben dem großen Belectric-Solarpark das Driving Center, das unteranderem von großen Busunternehmen für ihr Fahrsicherheitstrainig genutzt wird, sowie eine Teststrecke für Oberleitungs-Lkw von Siemens (E-Highway) angesiedelt worden. Auf diesem Areal wurden nach seinen Angaben in den letzten Jahren bereits rund 250 000 Liter Kerosin (Flugzeugbenzin) vom Grundwasserleiter abgeschöpft und etwa 136 000 Kubikmeter Abfälle als Altlasten beseitigt. Das Flugplatzgelände wird noch lange ein Sanierungsfall bleiben.

In Pinnow bei Angermünde ist man schon ein großes Stück weiter: Auf dem denkmalgeschützten Areal der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (MUNA) - es umfasst unter anderem acht Unterkunftsgebäude und das einstige Gemeinschaftshaus - ist ein großes Gewerbegebiet entstanden.

Bei Weggun, in der Zerweliner Heide, hatte die NVA eine Fliegerabwehrraketen-Einheit stationiert. Das knapp 800 Hektar große Objekt liegt im Naturpark Uckermärkische Seen. Hier will der World Wide Fund for Nature (WWF) in den nächsten Jahrzehnten ein einzigartiges Naturschutzprojekt verwirklichen. Aus Sicht von Christoph Heinrich, WWF-Vorstand für Umweltschutz, bietet die Zerweliner Heide »mit riesigen Waldflächen, unberührten Seen und artenreichen Mooren die Chance, eine Wildnis mitten in Deutschland neu entstehen zu lassen«. Hier gebe es einen sicheren Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Beispiele für die erfolgreiche zivile Nutzung einstiger Militärflächen im Westen der Uckermark sind nach Auskunft des Landkreises die Truppenübungsplätze bei Kröchlendorff und Lychen/Retzow, auf denen eine Solarenergieanlage beziehungsweise Waldflächen entstanden sind. Bei Storkow, wo eine Radarstation des Militärflugplatzes Groß Dölln stand, produzieren seit einigen Jahren Windräder Strom. Und das frühere sowjetische Militärhospital in Hohenlychen wird nach dem Abbruch der ehemaligen chemischen Reinigung, einer Tankstelle, einer großen Garage und eines Öllagers Schritt für Schritt in ein Wohngebiet umgewandelt.

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