Klimaschutz für einen halben Dollar

Ausgleichszahlungen an einheimische Waldbesitzer in Uganda helfen der Natur und mindern Treibhausgase, zeigt eine neue Studie

  • Von Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 5 Min.

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Die Bekämpfung von Abholzung und Klimawandel muss nicht teuer sein. Das scheint eine in Uganda durchgeführte Studie zu beweisen. Die Methode: Ausgleichszahlungen an einheimische Waldbesitzer, die im Gegenzug auf den Holzeinschlag verzichten. Das Prinzip ist nicht neu. Doch die neue Forschungsarbeit bestätigt erstmals, dass die Strategie zumindest im Studienzeitraum von zwei Jahren funktioniert und darüber hinaus kostengünstig ist.

Die globalen Kohlenstoffemissionen könnten signifikant gesenkt werden, indem man Waldbesitzern in Entwicklungsländern Geld im Ausgleich für Waldschutz und Baumpflanzung gibt. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt das Forschungsteam um die Ökonomen Seema Jayachandran und Joost de Laat von der Northwestern University in Evanston (US-Bundesstaat Illinois). Wie die Wissenschaftler im Fachjournal »Science« (DOI: 10.1126/science.aan0568) berichten, habe schon eine geringe finanzielle Unterstützung für Landbesitzer in Uganda ausgereicht, um die Abholzungsrate zu halbieren. Die Forscher schätzen, dass diese Strategie zur Reduzierung von Treibhausgasen zehn bis 50 Mal kosteneffektiver ist als Investitionen in Energieeffizienzprogramme.

Uganda hat seit Jahren eine der höchsten Abholzungsraten weltweit. Siebzig Prozent der Wälder befinden sich in privaten Händen. Ein Großteil dieser Waldbesitzer seien arme Bauern, die ihren Wald meist zur Gewinnung von Bauholz und Holzkohle rodeten und den Boden dann als Ackerland nutzten, so die Autoren. Bei der Studie arbeiteten die Forscher mit den Hilfsorganisationen Porticus aus den Niederlanden und Innovations for Poverty Action aus den USA sowie mit der in Uganda ansässigen Schimpansenschutzstiftung Chimpanzee Sanctuary and Wildlife Conservation Trust zusammen.

Für ihre Untersuchung wählten sie 121 Dörfer in den ugandischen Provinzen Hoima und Kibaale aus. In 60 Dörfern bekamen die Landbesitzer mit Baumbeständen Geld für den Schutz des Waldes, 28 Dollar pro Jahr und Hektar. Die übrigen Dörfer dienten als Kontrollgruppe. Mittels hochauflösender Satellitenaufnahmen ermittelten die Forscher dann die Bewaldung in der Region in den folgenden zwei Jahren. Das Ergebnis: In der Kontrollgruppe ging der Baumbestand im Beobachtungszeitraum um 9,1 Prozent zurück, während die Abholzungsrate in den Dörfern mit Ausgleichsentschädigung lediglich 4,2 Prozent betrug. Die bezahlten Landbesitzer schützten demnach insgesamt 330 Hektar mehr Wald als die anderen. Damit wurde die Freisetzung von 3000 Tonnen Kohlendioxid verhindert, errechneten die Wissenschaftler, bei Gesamtkosten von lediglich 46 Cent je Tonne CO2.

Es sei wichtig, den Klimawandel in den Griff zu kriegen, meint die Hauptautorin der Studie Jayachandran. »Wir fokussieren unsere Umweltschutzprogramme oft auf das eigene Land, was wichtig ist.« Doch man sollte nicht vergessen, dass besonders gute Chancen in den Entwicklungsländern lägen. Der Grund dafür sei, dass es in diesen Ländern zum einen noch viele erhaltenswerte »unentwickelte« Gebiete gebe. Zum anderen sei diese Form des Klimaschutzes meist viel kostengünstiger als Maßnahmen wie beispielsweise Subventionen für Hybrid- oder Elektrofahrzeuge in den reichen Ländern. Auch Annie Duflo, der Direktor von Innovations for Poverty Action, glaubt, dass diese Studie Schlüsselinformationen für zukünftige Naturschutzprogramme in den Entwicklungsländern liefere.

Ob die Studie tatsächlich die großflächigen Abholzungen in Uganda und anderswo in den Tropen und Subtropen stoppen kann, bleibt indes fraglich. Denn viele Einheimische, denen die Ausgleichsgelder zugute kommen könnten, wurden und werden seit Jahren schlicht von an ausländischen Investitionen interessierten Eliten und internationalen Unternehmen aus ihren Gebieten vertrieben - auch mit Waffengewalt. Stichwort Landgrabbing durch Agrobusiness: Die industrielle Landwirtschaft mit großflächigen Monokulturen ist eine der Hauptursachen für Ugandas drastischen Waldrückgang. Zahlen des nationalen Umweltberichts von 2012 zufolge wurden in dem afrikanischen Staat zwischen 1990 und 2010 etwa 1,5 Millionen Hektar Wald abgeholzt. Uganda verlor damit 31 Prozent seines gesamten natürlichen Baumbestands. 2015 waren nur noch schätzungsweise elf Prozent des Landes mit Wald bedeckt.

Landgrabbing nehme überall in Uganda weiter zu, warnte 2012 die einheimische Umweltschutzgruppe National Association of Professional Environmentalists (NAPE). Diese Entwicklung von industriellen Landwirtschaftsprojekten für den Export verdränge lokale Gemeinden, beraube sie ihrer natürlichen Ressourcen, verschärfe ländliche Armut und das Risiko von Nahrungsmittelkrisen. Ugandas Regenwälder und Savannen wurden in den letzten Jahren vor allem für Kaffee-, Ölpalm-, Zuckerrohr- und Holzplantagen großflächig abgeholzt zum Leidwesen der einheimischen Bevölkerung.

So vertrieb das ugandische Militär im Jahr 2001 die Bewohner mehrerer Dörfer für die Errichtung einer Kaffeeplantage eines Hamburger Kaffeeunternehmens. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation FIAN verloren mehr als 2000 Einheimische ihr Land und ihre Existenzgrundlage: »Sie schossen auf die Tiere, vertrieben die Menschen und zündeten die Hütten sowie Felder an. Die Bewohner mussten alles zurücklassen und viele starben auf der Flucht.« Ein Sprecher des Kaffeeunternehmens, das offiziell nichts von der Vertreibung wusste, bekannte gegenüber den Medien, dass in Uganda solche Vorgangsweisen von Seiten der Regierung durchaus vorkämen.

Selbst für die im Kyoto-Protokoll vereinbarten sogenannten Kohlenstoffkredite für Aufforstung mussten natürliche Wälder und Einheimische in Uganda Monokulturen mit zweifelhaftem Nutzen weichen. Laut NAPE seien mehrere internationale Firmen an diesen vorgeblichen Klimaschutzprojekten beteiligt, etwa die New Forests Company aus Großbritannien, die niederländischen Unternehmen Green Seat und Forests Absorbing Carbon Dioxide Emission Foundation sowie Green Resources und Tree Farms aus Norwegen.

Im vergangenen Jahr bekam das zum afrikanischen Zuckergiganten Rai Holdings gehörende Unternehmen Hoima Sugar in Uganda eine Konzession für die Anlage einer neuen Zuckerrohrplantage. 8000 Hektar der geplanten Fläche liegen im Bugoma-Waldreservat. Es drohte die Abholzung von einem Fünftel des Schutzgebietes. Dank des Einsatzes der Umweltschützer von NAPE konnte diese geplante Naturvernichtung vorerst verhindert werden. Doch die Zukunft von Ugandas letzten Wäldern sei noch lang nicht gesichert. »Die lokale Bevölkerung braucht jede Unterstützung, damit der Wald, der ihr Leben bestimmt, auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt«, sagt Joan Akiiza von NAPE. Geldüberweisungen an lokale Waldbesitzer allein werden sicher nicht ausreichen.

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