Nackte Bastion

Das hat Gysi geschickt eingefädelt. Allerdings etwas spät. Er beklagt, dass die Freikörperkultur, FKK, »Schritt für Schritt« verschwindet, weil der »pornografische Blick der Westmänner« ostdeutsche Frauen verjage. Und Geldmagnaten wollen nicht in Hotelketten investieren, wenn »die Nackten nicht verschwinden«. Übrigens ein weiterer Beleg für das antiemanzipatorische und antiökologische Wesen des Finanzkapitals. »Nackte aller Strände und Ufer vereinigt euch!« - zu einer Bastion wider die Zubetonierung der Natur und menschlichen Naturells. Den revolutionären Impetus von Gysis Lamento haben »Bild« und »Playboy« freilich nicht kapiert. Die auf 100-jähriger Tradition der Arbeiterbewegung und Freidenker basierende Freiheit der Ossis wird als exotisches Relikt aus der »prüden DDR« belächelt. Das Lachen würde manchem vergehen, hätte Gysi seine Initiative früher gestartet und die Genossen überzeugt, statt mit retuschierten Konterfeis als Nackedeis oder mit privaten Reminiszenzen an die »nackte Republik« (s. Foto) auf Wahlplakaten zu werben. Das wären Offenbarungen, die womöglich die LINKE aus prozentualem Stillstand katapultiert hätten. ves

Foto: Eberhard Klöppel

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