Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Bundeswehr erinnert weiter an Wehrmachtsoffiziere

Mehrere Kasernen behalten Namen / Jelpke: Ankündigung Ministeriums ist gelogen / Workshops zur Überarbeitung des Traditionserlasses beginnen

Osnabrück. Die Bundeswehr will in mehreren Kasernen weiter an Angehörige der Wehrmacht erinnern. Wie Ulla Jelpke (LINKE) in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« erklärte, stehen an sechs Standorten historisch belastete Namensgeber nicht zur Debatte. »Die Ankündigung, sämtliche Kasernennamen, die einen Bezug zur Nazi-Wehrmacht haben, auf den Prüfstand zu stellen, erweist sich als gelogen«, so Jelpke.

Die Innenpolitikerin beruft sich auf eine Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage. Demnach wird oder wurde an zwölf Standorten eine Diskussion über den Namensgeber geführt. Bei sieben Kasernen laufe sie noch. In vier weiteren Fällen hätten sich die Beteiligten gegen eine Umbenennung ausgesprochen, darunter die Rommel-Kasernen in Dornstadt und Augustdorf. Die ehemalige General-Thomsen-Kaserne in Stadum wurde inzwischen umbenannt. Laut Jelpke gebe es darüber hinaus sechs Kasernen mit Wehrmacht-Namensgebern, die über ihre braune Namensgeber nicht sprechen wollten. »Wenn die Bundeswehr unbedingt an der Wehrmacht festhalten will, soll sie dies auch eingestehen. Dann weiß die Öffentlichkeit, wes Geistes Kind die Truppe ist«, sagte Jelpke.

Das Bundesministerium hingegen schreibt in der Antwort, die Bundeswehr pflege »keine Tradition zu vorherigen deutschen Streitkräften im Allgemeinen und schon gar nicht zur Wehrmacht im Besonderen«. Noch nicht abgeschlossen sind laut Ministerium die Debatten an der Feldwebel-Lilienthal Kaserne in Delmenhorst, an der Lent-Kaserne in Rotenburg, der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne in Hagenow, der Marseille-Kaserne in Köln, der Hindenburg-Kaserne und der Schulz-Lutz-Kaserne in Munster.

Von der Leyen hatte im Zuge der Festnahme des mutmaßlich rechtsterroristischen Oberleutnants Franco A. eine Umbenennung von Kasernen ins Spiel gebracht, die den Namen von Wehrmachtsoffizieren tragen. Jedoch überlässt die Ministerin den Soldaten vor Ort die Entscheidung. Franco A. soll sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und Anschläge geplant haben.

Am Donnerstag wird von der Leyen indes den ersten Workshop zur Überarbeitung des Traditionserlasses eröffnen. Er soll an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg stattfinden und steht unter der Überschrift »Die Tradition der Bundeswehr im Kontext von europäischer Verteidigungsidentität und transatlantischer Sicherheitspartnerschaft«. Wie der Parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums Markus Grübel dem Verteidigungsausschuss bereits in der vergangenen Woche mitteilte, werden weitere Veranstaltungen folgen. 60 Jahre nach ihrer Gründung der Bundeswehr gelte es »deren eigene Tradition stärker zu betonen und eindeutiger zu fassen. Dazu zählen zum einen ihre Bewährung im Kalten Krieg und ihr Beitrag für die Bewahrung von Freiheit, Frieden und Demokratie sowie ihr Beitrag für die friedliche Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands.«

Der zweite Workshop im September findet am Zentrum für Innere Führung in Koblenz statt und berührt den »Themenkomplex Tradition und Identität«. Der dritte am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften in Potsdam thematisiert im Oktober die Funktion der älteren deutschen Militärgeschichte für die Tradition der Bundeswehr. Im voraussichtlich abschließenden Workshop in Berlin steht die bundeswehreigene Tradition im Mittelpunkt. nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln