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Für weiße Rassisten ist Donald Trump ein Held

Zersplittert, fanatisch, gefährlich: Amerikas rechte Szene ist unübersichtlich, doch in mancher Frage dennoch geeint

  • Von Martin Bialecki
  • Lesedauer: 4 Min.

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Washington. Wohl nie zuvor waren Gruppierungen der radikalen Rechten in den USA prominenter als in der Ära Donald Trumps. Die Krawalle bei einer Rassisten-Demonstration in Charlottesville offenbarten am Wochenende ihren Fanatismus, ihre Militanz und ihren hohen Organisationsgrad. Amerikanische »White Power«-Gruppierungen durchdringen und berühren sich, bilden aber keinen insgesamt geschlossenen Block einer »Weiße Macht«. Die rechte Szene ist zerfasert, ideologiegetränkt, unübersichtlich und gefährlich. Ein Überblicki zu den US-Rassisten:

Weiße Suprematisten sind überzeugt, dass es so etwas wie eine weiße Rasse gibt. Sie verwenden diesen Begriff synonym für Menschengruppen bestimmter Hautfarbe, Abstammung oder Zugehörigkeit. Suprematisten wie die »Aryan Nations« glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von Menschen europäischen Ursprungs. In multiethnischen Ländern wie den USA sind sie von einer natürlichen Hierarchie überzeugt, an deren Spitze die Weißen stehen. In Charlottesville waren auch Suprematisten der Gruppierung »Vanguard America« (Avantgarde, Vorreiter) vertreten, sie trugen schwarze Schilde mit weißem Kreuz.

Amerikanische Nationalisten denken ähnlich und stehen den Suprematisten nahe, unterscheiden sich aber in einer wichtigen ideologischen Komponente. Sie lehnen die Idee einer multiethnischen Gesellschaft ab, ihr Ziel ist ein rein weißer Staat.

Gerade in Deutschland ist es irritierend zu sehen, wie Neonazis in den USA Hakenkreuzfahnen offen durch die Straßen tragen, oder dass »Sieg-Heil«-Rufe und braune Nazi-Uniformen nicht verboten sind. Gedeckt wird das von der in der US-Verfassung festgeschriebenen Meinungsfreiheit, sie ist den Amerikanern ein besonders hohes Gut.

Amerikanische Neonazis haben Ideologie und Symbolik der Nationalsozialisten übernommen. Adolf Hitler ist ihnen Visionär, Vorbild und Held. Sie hetzen gegen Juden, Nicht-Weiße, Homosexuelle oder Behinderte. Ende der 60er Jahre wurde eine amerikanische Nazi-Partei gegründet, sie hatte aber keinen rechten Erfolg.

»Heute agieren Hass-Webseiten wie «Stormfront» als ein dezentralisierter Hub für neonazistische Ideen und Debatten«, schreibt »The Atlantic«. Das National Socialist Movement NSM ist eine der größten Neonazivereinigungen der USA.

In Charlottesville hetzten auch Anhänger des Ku Klux Klan. In einer Art dritten Auflage entstand der KKK in den 60er Jahren aufs Neue als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Bevölkerung. Auf das Konto des Klans gehen zahlreiche Gräueltaten und Morde. Ein bekannter Führer war David Duke. Im Wahlkampf 2016 widerstrebte es Donald Trump, sich klar von dem rechtsradikalen Hetzer zu distanzieren. Der KKK wird auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt.

Den Begriff »Alt-Right« prägte Richard Spencer 2008. Er verbrämt als so etwas wie »Alternative Rechte« das neonazistische, rechtsradikale und rassistische Gedankengut der Bewegung - so redete Spencer einer »friedlichen ethnischen Säuberung« der USA das Wort. Die »Alt Right« ist eng verzahnt mit Suprematisten und Nationalisten, agiert aber oft verdeckter. Der Autor und Aktivist Milo Yiannopoulos ist eine promimente Figur. Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center SPLC verweist auf zahlreiche junge und gut etablierte Mitglieder der Bewegung. Sie versuche erfolgreich, offen im rechtskonservativen Spektrum zu fischen.

Die »Alt Right«-Szene ist in sich zerfasert. Allerdings eint sie ihre Frontstellung gegenüber Muslimen, Einwanderung, Feminismus, Gleichstellung und pluralen Gesellschaften. Sehr viele Anhänger sind Antisemiten. Sie sehen sich auf einem Feldzug gegen Linke, einige auch gegen die liberale Demokratie als solche. Begeistert unterstützten sie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Im »New Yorker« führte Evan Osnos den Beweis, wie offen und wie früh Donald Trump Rechte in seine nationale Koalition einreihte.

Als Chef von Breitbart News bezeichnete Steven Bannon seine Publikation als »Sprachrohr der «Alt-Right»«. Heute wirkt Bannon als politischer Chefstratege im Weißen Haus.

Den »alten Süden« tragen die Neo-Konföderierten im fanatisierten Herzen, unter der Flagge der Konföderierten wollen sie zurück zu Geist und Leben der Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Sie sehen sich als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Sie sind antidemokratisch, schwulenfeindlich und rassistisch. Ihr historischer Bezug unterscheidet sie ideologisch von anderen Rechtsradikalen, wenn es auch Schnittmengen mit Suprematisten gibt.

In Charlottesvile steuerte ein Mann ein Auto in eine Menschenmenge. Verdächtigt wird James Fields, 20 Jahre alt. Die Seite »Buzzfeed« berichtete danach zuerst von Fields Facebookseite. Dort veröffentlichte er früher Propagandabilder, die einen weiten Bogen durch die amerikanische Rechte schlagen und sich wie ein Kondensat ausmachen. So zeigte Field Bilder der »Alt-Right« und ihrer Prominenter, von Neonazis in Uniform, auch von Hitler als Kind. Daneben zeigt er eine Zeichnung Donald Trump. Er sitzt auf einem Thron, und er trägt eine goldende Krone. dpa/nd

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