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Vereint in Rassenhass und Gewalt

Die rechtsradikale Szene in den USA ist zersplittert, doch dank Trump und »Alt Right« findet man zusammen

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Hunderte unterschiedliche »White Power«-Gruppen in den USA eint letztlich Verachtung und Hass für andere »Rassen« und das »System«. Die Vorfälle in Charlottesville haben erneut den Fanatismus und die Gewaltbereitschaft der Rassisten demonstriert. Nach der aktuellsten Statistik des FBI wurden 2015 fast 6000 Hassverbrechen verübt, rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Anlass für die Ausschreitungen in Virginia ist eine Statue von Robert E. Lee, einer der erfolgreichsten Generäle der Sklaven haltenden Konföderierten Staaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Sie unterlagen 1865, doch die Idee eigenständiger Südstaaten lebt fort bis heute. Dass nun Lees Statue im kleinen Charlottesville entfernt werden soll, war bereits mehrmals Grund für Aufmärsche der Neo-Konföderativen, deren stärkste Formation die League of the South ist. Sie strebt nach wie vor die Abspaltung von den USA an und träumt von einem »Land des weißen Mannes«, ohne »parasitäre Fremdgruppen«.

»Kämpf’ oder stirb, weißer Mann«, so begann unlängst eine Botschaft des langjährigen Liga-Präsidenten Michael Hill, ein emeritierter Universitätsprofessor aus Alabama. Ziel sei »die vollumfängliche Zurückeroberung und Restaurierung unseres Erbes, des kompletten Südens«. Wie auf der Webseite der Liga zu lesen ist, werde »ein Krieg um die Köpfe und Herzen des Volkes« geführt. Dabei sei man auch offen für eine Kooperation mit »Schwarzen«, etwa bei Fragen, »in denen man als Christen zusammenarbeiten kann, um das Leben für alle im Süden zu verbessern«. Dort wohnen rund 55 Prozent der US-Afroamerikaner. In 105 Bezirken stellen sie sogar die absolute Mehrheit. Solche Abspaltungsbewegungen gibt es auch in Texas, Kalifornien und anderen Regionen.

Anhänger des Ku-Klux-Klan marodierten ebenfalls durch Charlottesville. Als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner war der KKK in 1960er Jahren wieder auferstanden und erschütterte den Süden mit entsetzlichen Gräueltaten. Während seines Wahlkampfs im Vorjahr hat es Donald Trump stets vermieden, sich klar von den Rechtsradikalen zu distanzieren. Das FBI schätzt die Zahl der Klan-Anhänger auf 5000 bis 8000.

Sogenannte »white supremacists« wie die berüchtigten »Aryan Nations« glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit der »Weißen Rasse«, die in multiethnischen Ländern wie den USA Gott gegeben an der Spitze zu stehen hat. Zu ihnen gehört die nach eigenen Angaben 200 Mitglieder zählende Gruppe »Vanguard America«, deren »Vorreiter« in Charlottesville schwarze Schilde mit weißem Kreuz trugen. Ihr Schlachtruf: »blood and soil« (Blut und Boden). Unverblümt nennen sie inzwischen »Faschismus in Amerika« als Ziel. Amerikanische Nationalisten wiederum lehnen schon die Idee einer multiethnischen Gesellschaft ab. Sie propagieren den rein weißen Staat. Rechte Milizen wollen ihn auch mit Waffengewalt durchsetzen.

Eng verzahnt mit Suprematisten, Nationalisten und Neonazis ist nach Einschätzung von Experten die »Alt-Right«-Bewegung. Der jüdische Intellektuelle Paul Gottfried habe den Begriff »alternative Rechte« 2008 in einem Vortrag erstmals benutzt, um eine rechte Ideologie zu beschreiben, die sich vom konservativen Mainstream absetzt, so George Michael, Dozent an der Westfield State University in Massachusetts. Viele Anhänger, oft jung und gut etabliert, sind antisemitisch und bewegen sich in einer rechtsradikalen Gedankenwelt.

Nach Einschätzung der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) wird versucht, im rechtskonservativen Spektrum der Republikaner zu fischen. Gegen Muslime, Feminismus, Gleichstellung, Linke, liberale und plurale Demokratie - mit solchen Grundsätzen hat »Alt Right« die Wahl Trumps stets unterstützt. Richard Spencer, der vor sieben Jahren die Webseite »The Alternative Right« gründete, hat bei einer Veranstaltung seines »National Policy Institute« mit dem Ruf »Heil Trump« für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem die Ablehnung der Einwanderung hält die Strömungen der Bewegung zusammen. Als Chef von Breitbart News bezeichnete Steven Bannon, heute politischer Chefstratege im Weißen Haus, seine Publikation als »Sprachrohr der Alt Right«. Selbst die windelweiche Kritik des Präsidenten an der Gewalt in Charlottesville hat die Bewegung nun allerdings heftig verärgert - Trump habe sie schmählich in Stich gelassen. Neonazistische Plattformen dagegen lobten den Präsidenten für seine Worte.

Neonazis in den USA haben Ideologie und Symbole der Faschisten in Deutschland übernommen. Sie hetzen gegen Juden, Nicht-Weiße, Homosexuelle, Behinderte. Ihr Visionär und Vorbild heißt Adolf Hitler. Doch blieb eine Ende der 1960er Jahre gegründete Partei erfolglos. Heute agierten Hass-Webseiten wie »Stormfront« als »dezentralisierter Hub für neonazistische Ideen und Debatten«, so »The Atlantic« . Ihre wahrscheinlich größte Vereinigung ist die National Socialist Movement (NSM).

»Unite the Right« (Eint die Rechte), lautete das Motto der Kundgebung samt Fackelmarsch in Charlottesville. Dort wollten »Alt Right«, Ku-Klux-Klan und Neonazis eine gemeinsame Front gründen. Frühere Berührungsängste schwinden langsam. Alte und neue Ultranationalisten, Rassisten und Rechtsextreme scheinen zusammenzufinden. »Altright.com« und »Vanguard America« haben deshalb gemeinsam ein 20-Punkte-Manifest für diese neue US-Rechte verfasst.

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