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Die Krise zeichnet sich ab

Immer mehr Länder im globalen Süden haben sich hoch verschuldet

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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November 1989: Alfred Herrhausen wird durch einen Bombenanschlag in Bad Homburg ermordet. Schon lange hat sich der Chef der Deutschen Bank für »Schuldenerleichterungen« stark gemacht, um die »Schuldenkrise der Dritten Welt« zu beenden. Sieben Jahre zuvor, am 12. August 1982, hatte Mexiko seine Zahlungsunfähigkeit gegenüber privaten ausländischen Banken erklärt. Es folgte eine Welle von Finanzkrisen in Lateinamerika, in Afrika und Asien. Mit seiner Forderung nach Schuldenerleichterungen legte sich Herrhausen mit den USA an, deren Banken besonders viele Kredite an südamerikanische Staaten verliehen hatten.

Anlässlich des 35. Jahrestags der Zahlungsunfähigkeit Mexikos warnt das deutsche Entschuldungsbündnis »Erlassjahr.de« vor einer Wiederholung. »Die Krise damals begann mit dem Amtsantritt Reagans, der Steuern senkte und enorme Kredite für die Aufrüstung der USA aufnahm«, sieht Jürgen Kaiser von Erlassjahr aktuell Parallelen: »Auch heute beobachten wir einen umfangreichen Kreditboom in arme Länder.«

Dabei hat sich die Welt seit 1982 weitergedreht. Die Globalisierung gab vielen Volkswirtschaften »mächtig Auftrieb«, schreibt beispielsweise die Commerzbank in einer Analyse. Die Exporte der Schwellenländer in die Industrieländer haben sich zwischen 2000 und Mitte 2008 vervierfacht. Gleichzeitig nahm die Arbeitsteilung zwischen den »Emerging Markets« massiv zu, was daran abzulesen ist, dass sich der Handel zwischen ihnen im selben Zeitraum sogar versiebenfacht hat.

Doch seit der Finanzkrise schwächt sich der Wachstumsvorsprung der Schwellenländer gegenüber den Industrieländern ab. So sind die Schwellenländer insgesamt nach vielen Jahren mit einem kräftigen Wachstum inzwischen wieder Nettoimporteure von Waren und Dienstleistungen. Damit steigen ihre Verbindlichkeiten gegenüber den Industrieländern.

Auch dürfte der einmalige Boom bei Bodenschätzen und landwirtschaftlichen Produkten am Ende sein, von dem der Export vieler Länder profitierte. Nun zeigen sich wieder die strukturellen Defizite in der Infrastruktur, im Bildungssystem, der politischen Stabilität und der Rechtssicherheit sowie auf den heimischen Kapitalmärkten.

Immer mehr Länder im globalen Süden sind verschuldet. Der von Erlassjahr und dem katholischen Hilfswerk Misereor erstellte »Schuldenreport 2017« listet 116 Länder auf, die »kritisch« verschuldet sind, 33 mehr als noch vor zwei Jahren.

Weit oben steht Barbados, das wie viele kleine Inselstaaten eine wenig entwickelte Wirtschaft beklagt und vom Klimawandel bedroht wird. Als kritisch gilt die Situation auch in Mosambik oder Ghana, die zum Ausbau ihrer Rohstoffexporte Darlehen aufgenommen haben. Von Überschuldung betroffen sind auch mittelgroße Staaten wie Südafrika, wirtschaftliche Schwergewichte wie Brasilien und Erdölexporteure wie Venezuela. »Immer mehr Länder sind auf dem Weg in eine neue Schuldenkrise«, warnt Klaus Schilder von Misereor.

Aktuell ist das Ende der Nullzinspolitik der US-Zentralbank Fed das größte Risiko, da Auslandskredite oft auf Dollar lauten. Anderseits haben viele Länder und Konzerne im globalen Süden aus den Schuldenkrisen gelernt. So sind die Devisenreserven wichtiger Notenbanken heute hoch, und viele Währungen sind gegenüber dem Dollar realistischer bewertet. Dies dürfte drastische Schocks verhindern.

Zwar tauchte nach dem Anschlag an Deutsch Bank-Chef Alfred Herrhausen ein Bekennerschreiben der Roten Armee Fraktion (RAF) auf. Jedoch wurden seine Mörder nie ermittelt. Es halten sich bis heute Spekulationen, dass sein Eintreten für Schuldenerleichterungen mit seinem Tod zu tun haben könnte. Für die abschließende Beilegung der Mexiko-Krise brauchte es indes noch 23 Jahre. Dennoch gibt es heute kein geordnetes Verfahren, um Schuldenkrisen zu lösen. Auf dem G20 in Hamburg wurden immerhin Richtlinien vereinbart. Doch Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungsökonomiker fordern eine Insolvenzordnung für Staaten, um die sich abzeichnenden Schuldenkrisen sozialverträglich zu meistern.

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