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Jetzt wird erst mal gefeiert

Noch vor einer Woche quälten Robby dunkle Gedanken, jetzt schwebt er auf Wolke sieben und die Welt ist wieder komplett in Ordnung

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Willkommen in Mecklenburg
Willkommen in Mecklenburg

»Wow, ich kann Atlanta schon sehen«, schreit Robby überglücklich ins Telefon, als ich ihn am Montagnachmittag unterwegs erwische. »Zur Zeit schwebe ich auf Wolke sieben, alles fühlt sich leicht und gut an.« Für seine »Euphorie hoch drei«, wie er es nennt, gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen, erfahre ich. Den ersten konnte er wenige Stunden zuvor in die Arme schließen: seine Frau Bärbel. Vorbei die langen, einsamen, grüblerischen Abende voller Sehnsucht nach Zuhause. Sie wird ihn die nächsten 1400 Kilometer bis Houston begleiten. Gemeinsam werden Bärbel und er in den nächsten Tagen den Gebrauchtwagen kaufen, der ab sofort die rollende Zentrale des Unternehmens ist – Transport- und Schlafvehikel in einem, Bärbel am Steuer, Robby vorneweg auf eigenen Füßen mit leichtem Gepäck. Denn der Kinderwagen, in dem er als »einsamer« Läufer bislang all seine Habseligkeiten mit sich geführt hatte, hat nun erst mal ausgedient. Vorbei auch endlich die unruhigen Nächte im Zelt, in denen er immer wieder von der Polizei nachgemacht und vertrieben wurde, weil wildes zelten fast überall nicht erlaubt ist.

Am Denkmal für den Bürgerrechtskämpfer und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, der 1929 in Atlanta geboren und 1968 in Memphis, Tennessee ermordet wurde.
Am Denkmal für den Bürgerrechtskämpfer und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, der 1929 in Atlanta geboren und 1968 in Memphis, Tennessee ermordet wurde.

Bis vor gut einer Woche stand der Erwerb des Fahrzeugs allerdings noch in den Sternen, denn unvorhergesehene Ausgaben hatten das Budget so schrumpfen lassen, dass der lang geplante Kauf auf der Kippe stand. Doch Robbys Fans ließen ihn nicht in Stich. Nachdem er in einem kurzen Facebookeintrag von der prekären Situation, die ihm schon tagelang den Schlaf raubte, berichtet hatte, dauerte es nur wenige Tage und die notwendige Summe war zusammen. »Ich war völlig überrascht und bin überglücklich, wie viele mir mit einer Spende geholfen haben«, erzählt er immer noch bewegt. »Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, auch wenn ich das nicht bei jedem Einzelnen persönlich tun kann. Ohne Euch wäre ich wahrscheinlich aufgeschmissen gewesen.«

Der Kinderwagen hat nun erst einmal ausgedient, weiter geht's mit leichtem Gepäck.
Der Kinderwagen hat nun erst einmal ausgedient, weiter geht's mit leichtem Gepäck.

Inzwischen hat Robby Atlanta erreicht und damit rund 3000 Kilometer seiner insgesamt 25 000-Kilometer-Tour vom Nordpol zum Südpol in den Beinen. Eine Woche lang wird er nun in der Stadt bleiben. Eine Urlaubswoche indes wird es nicht, wie man vielleicht vermuten könnte und es ihm auch gönnen würde. Dennoch wird erst einmal gefeiert, denn dafür gibt es gute und gleich mehrfache Gründe. Morgen, am 16. August, wird Robby gemeinsam mit seiner Frau wohl die Nacht durchmachen – wie schon seit 32 Jahren feiern sie zunächst seinen Geburtstag und wechseln dann nahtlos in den Hochzeitstag am 17. August. Vielleicht setzt ja Tochter Maria dem ganzen noch die Krone auf und macht an einem der beiden Tage Robby und Bärbel erneut zu Großeltern. »Seit Tagen warten wir auf das Baby, es wäre der Hammer, wenn es an einem der beiden Tage käme«, sagt Robby.

Den Vormittag seines 56. Geburtstages ist der Extremläufer noch einmal in Sachen Lauf unterwegs. Er wird einen Vortrag vor Unternehmern in der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in Atlanta halten, über sein Leben und sein Lebensprojekt erzählen und sicher viele Fragen der Zuhörer beantworten.

Und dann erfüllt Robby noch einen Auftrag von Zuhause. Dafür begibt er sich für einen kurzen Abstecher nach Duluth, etwa 80 Kilometer von Atlanta (beide im Bundesstaat Georgia) entfernt. Hier befindet sich der Hauptsitz der Firma Agco, die Landwirtschaftsmaschinen produziert und eine Außenstelle in Robbys Heimatstadt Hohenmölsen hat. Vor seiner Abfahrt besuchte er die Mitarbeiter, die ihm einen Schlüssel für einen von ihnen produzierten Mähdrescher mitgaben. Das gleiche Modell wird auch in Duluth produziert. Robby wird nicht nur den Schlüssel – der mit ihm bereits am Nordpol war - in der Firmenzentrale abgeben, sondern damit eigenhändig einen Mähdrescher starten und eine Runde auf dem Werksgelände fahren. Zum Beweis, dass er seinen Auftrag erfüllt hat, werden die Amerikaner einen Film für die Kollegen in Hohenmölsen drehen. Mal sehen, vielleicht rückt Robby ihn ja auch für die Leser von »neues deutschland« heraus.

Natürlich bleibt bis zum Weiterlaufen auch noch ein bisschen Zeit, um sich die Stadt und die Umgebung anzuschauen. Am 21. August geht es dann weiter nach Mobile im US-Bundesstaat Alabama.

Jetzt aber erst einmal: Happy Birthday lieber Robby und Glückwunsch an euch beide zum 32. Hochzeitstag. Genießt den Tag sowie die gemeinsame Zeit – und weiterhin viel Glück auf dem Weg.

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