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Man wird nicht als Nazi geboren, man wird dazu gemacht

Obama bricht mit Zitat Nelson Mandelas alle Like-Rekorde auf Twitter - während Trump den Anschlag von Charlottesville weiter relativiert

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Obwohl Donald Trump mit seiner zurückhaltenden Reaktion nach dem rechtsradikalen Terroranschlag von Charlottesville eine Steilvorlage lieferte, kritisierte Obama seinen Nachfolger nicht direkt. Er beschränkte sich auf ein Zitat von Nelson Mandela, das es in sich hat: »Niemand hasst von Geburt an jemanden aufgrund dessen Hautfarbe, dessen Herkunft oder dessen Religion.« Dieser Tweet Obamas einen Tag nach dem Anschlag brach alle Like-Rekorde auf Twitter. 3,2 Millionen Nutzer klickten unter dem Tweet auf das kleine Herz, 1,3 Millionen retweeteten das Zitat (Stand: Mittwochnachmittag).

Was aber soll es bedeuten? Frei nach der Feministin Simone de Beauvoir könnte man übersetzen: »Man wird nicht als Nazi geboren, man wird dazu gemacht.« Damit verweist Obama nicht nur auf die gesellschaftliche Stimmung, die in den USA rechte Gewalt hervorbringt – sondern macht indirekt seinen Nachfolger für die Gewalt in Charlottesville verantwortlich. Denn unmittelbar stellt sich die Frage: Wenn niemand von Geburt an hasst, wie wird er dann dazu gebracht, zu hassen? Oder: von wem?

Nicht erst seit der Ermordung Heather Heyers wird Trump für den Aufstieg und die zunehmende Gewaltbereitschaft der radikalen Rechten in den USA verantwortlich gemacht. Hillay Clinton twitterte: »Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nicht-Handeln hinnehmen, ist eine Schande.« Und der republikanische Senator Marco Rubio erklärte, es sei »sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weißer Rassisten.«

Trumps jüngste Äußerungen auf der Pressekonferenz am Dienstag entkräften diese Vorwürfe nicht gerade. Beide Seiten, die Rechtsradikalen wie die Gegendemonstranten, hätten Schuld an der Eskalation, sagte der US-Präsident sichtlich genervt: Man dürfe nicht nur von der »Alt-Right«-Bewegung sprechen, sondern auch von der »Alt-Left«, denn die Gegendemonstranten hätten Schlagstöcke dabei gehabt. Die Relativierung geht weiter: »Nicht alle dieser Leute waren Neonazis, glauben Sie mir. Nicht alle diese Leute waren Rassisten, auf keinen Fall.« Die Demonstranten seien auch da gewesen, »weil sie dagegen protestieren wollten, dass eine Statue von Robert E. Lee entfernt wurde.« Anlass des Neonazi-Aufmarschs war die geplante Entfernung eines Denkmals für einen General der Konföderierten-Armee, die während des Bürgerkriegs für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatte.

Beifall für seine Äußerungen erhielt Trump vom Ex-Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, eine der Schlüsselfiguren der Kundgebung. Duke dankte Trump nach dessen Pressekonferenz für seinen »Mut, die Wahrheit« zu sagen und »die linken Terroristen zu verurteilen«.

Angesichts dieser Kumpanei zwischen Neonazis und dem US-amerikanischen Präsidenten fällt es vielen sicherlich schwer, an den optimistischen Ausspruch Mandelas zu glauben, der noch weiter geht: »Menschen müssen erst lernen zu hassen, und wenn sie lernen können zu hassen, kann ihnen auch beigebracht werden zu lieben. Denn Liebe ist für das menschlichen Herz natürlicher als ihr Gegenteil.«

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