Man wird nicht als Nazi geboren, man wird dazu gemacht

Obama bricht mit Zitat Nelson Mandelas alle Like-Rekorde auf Twitter - während Trump den Anschlag von Charlottesville weiter relativiert

Sie haben die Wahl. Im Wahllokal und bei ihrer Lieblingszeitung. Damit das so bleibt: Linken Journalismus bitte bezahlen!
Kampf ohne Machtbekenntnis

Was soll das hier?

Linker Journalismus – das ist der Luxus, zur Bundestagswahl nicht nur die überall gleichen Agenturmeldungen zu lesen, sondern das Koalitionsgerangel aus einer linken Perspektive kritisch zu beobachten und zu beurteilen. Wir zahlen Reportern einen korrekten Lohn, recherchieren aufwendig für profunde Hintergründe, sprechen mit unabhängigen Experten. Das alles kostet Geld. Wenn Ihre persönliche Lage es zulässt, freuen wir uns deshalb, wenn Sie die Lektüre dieses Textes mit einem frei gewählten Obolus honorieren – oder unser Blatt gleich gedruckt oder online abonnieren!

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...
Rechtsradikaler Demonstrant bei dem Aufmarsch in Charlottesville
Rechtsradikaler Demonstrant bei dem Aufmarsch in Charlottesville

Obwohl Donald Trump mit seiner zurückhaltenden Reaktion nach dem rechtsradikalen Terroranschlag von Charlottesville eine Steilvorlage lieferte, kritisierte Obama seinen Nachfolger nicht direkt. Er beschränkte sich auf ein Zitat von Nelson Mandela, das es in sich hat: »Niemand hasst von Geburt an jemanden aufgrund dessen Hautfarbe, dessen Herkunft oder dessen Religion.« Dieser Tweet Obamas einen Tag nach dem Anschlag brach alle Like-Rekorde auf Twitter. 3,2 Millionen Nutzer klickten unter dem Tweet auf das kleine Herz, 1,3 Millionen retweeteten das Zitat (Stand: Mittwochnachmittag).

Was aber soll es bedeuten? Frei nach der Feministin Simone de Beauvoir könnte man übersetzen: »Man wird nicht als Nazi geboren, man wird dazu gemacht.« Damit verweist Obama nicht nur auf die gesellschaftliche Stimmung, die in den USA rechte Gewalt hervorbringt – sondern macht indirekt seinen Nachfolger für die Gewalt in Charlottesville verantwortlich. Denn unmittelbar stellt sich die Frage: Wenn niemand von Geburt an hasst, wie wird er dann dazu gebracht, zu hassen? Oder: von wem?

Nicht erst seit der Ermordung Heather Heyers wird Trump für den Aufstieg und die zunehmende Gewaltbereitschaft der radikalen Rechten in den USA verantwortlich gemacht. Hillay Clinton twitterte: »Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nicht-Handeln hinnehmen, ist eine Schande.« Und der republikanische Senator Marco Rubio erklärte, es sei »sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weißer Rassisten.«

Trumps jüngste Äußerungen auf der Pressekonferenz am Dienstag entkräften diese Vorwürfe nicht gerade. Beide Seiten, die Rechtsradikalen wie die Gegendemonstranten, hätten Schuld an der Eskalation, sagte der US-Präsident sichtlich genervt: Man dürfe nicht nur von der »Alt-Right«-Bewegung sprechen, sondern auch von der »Alt-Left«, denn die Gegendemonstranten hätten Schlagstöcke dabei gehabt. Die Relativierung geht weiter: »Nicht alle dieser Leute waren Neonazis, glauben Sie mir. Nicht alle diese Leute waren Rassisten, auf keinen Fall.« Die Demonstranten seien auch da gewesen, »weil sie dagegen protestieren wollten, dass eine Statue von Robert E. Lee entfernt wurde.« Anlass des Neonazi-Aufmarschs war die geplante Entfernung eines Denkmals für einen General der Konföderierten-Armee, die während des Bürgerkriegs für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatte.

Beifall für seine Äußerungen erhielt Trump vom Ex-Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, eine der Schlüsselfiguren der Kundgebung. Duke dankte Trump nach dessen Pressekonferenz für seinen »Mut, die Wahrheit« zu sagen und »die linken Terroristen zu verurteilen«.

Angesichts dieser Kumpanei zwischen Neonazis und dem US-amerikanischen Präsidenten fällt es vielen sicherlich schwer, an den optimistischen Ausspruch Mandelas zu glauben, der noch weiter geht: »Menschen müssen erst lernen zu hassen, und wenn sie lernen können zu hassen, kann ihnen auch beigebracht werden zu lieben. Denn Liebe ist für das menschlichen Herz natürlicher als ihr Gegenteil.«

Aus dem nd-Shop
Sing Your Song (DVD)
In ihrem Film "Sing Your Song" folgt Susanne Rostock den Spuren eines außergewöhnlichen Künstlers, Aktivisten und Familienmenschen. Harry...
15.95 €

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

jetzt abonnieren!

Wie? Noch kein Abo?

Na, dann aber hopp!

Einfach mal ausprobieren: 14 Tage digital, auf Papier, als App oder was weiß ich!

Jetzt kostenlos testen