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Zurück ins Ungewisse

Syrische Flüchtlinge in Libanon müssen das Land wieder verlassen

  • Von Oliver Eberhardt, Damaskus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Aarsal ist ein bergiges, unwegsames Gebiet am Syrien zugewandten Ende des Beka’a-Tals im Nordosten Libanons. Die Hauptstadt Beirut ist gut 120 Kilometer weit entfernt, und genauso weit weg ist auch der libanesische Staat: Statt Polizei und Militär sind es Kämpfer der Hisbollah, die an der Straße vom regionalen Oberzentrum Baalbek nach Aarsal Ausweise kontrollieren, ausländische Journalisten zurückweisen.

In einem Hotel in Baalbek haben derweil Mitarbeiter des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Quartier bezogen: Schon seit längerem werde ihnen der Zugang in die Gegend um Aarsal verweigert, berichten sie. Dabei hätten die Menschen dort Hilfe im Moment besonders dringend nötig: Gut 3000 Syrer sollen in diesen Tagen insgesamt nach Syrien gebracht werden; es ist bereits die zweite Ausschaffung binnen eines Monats: Vor einigen Wochen waren bereits bis zu 7000 Flüchtlinge in ihr Heimatland zurückgekehrt.

Und die Hisbollah bemüht sich nach Leibeskräften, die Berichterstattung darüber zu kontrollieren: Es handele sich vor allem um »Terroristen« und ihre Familien, heißt es in Hisbollah-nahen Medien, und auch in anderen libanesischen Medien wurde immer wieder ein Bild syrischen Kämpfern erzeugt, die inmitten von mehreren Zehntausend Flüchtlingen rund um Aarsal einen »Staat im Staat« errichtet hatten. Die Gegend wurde einige Zeit lang von Kämpfern der einst als al Nusra-Front bekannten, von der al Kaida-Ideologie inspirierten Jabhat Fateh al Scham kontrolliert. Einige Kilometer weiter hat außerdem der Islamische Staat Stützpunkte errichtet.

Nachdem die Hisbollah in den vergangenen Wochen um Aarsal erheblichen Boden gewonnen hatte, wurde Ende Juli ein Waffenstillstand mit Jabhat Fateh al Scham geschlossen, Teil des Deals: der Abzug der Kämpfer nach Syrien. »Kurz darauf hat die Hisbollah bekannt gegeben, dass wir jetzt nach Syrien zurückkehren können, dass es da für uns sicher ist«, sagt Nabil Khamis, der aus Aleppo stammt. Er selbst habe sich danach mit seiner Familie, wie viele andere auch, an den Kontrollposten vorbei nach Baalbek durchgeschlagen. Als Nächstes wolle man nach Beirut weiter, so weit weg von der Hisbollah wie möglich.

Sprecher der Hisbollah betonen, jene Flüchtlinge, die ausreisten, täten dies freiwillig, und würden auch nur in »sichere Gebiete« zurück gebracht.

Doch für diejenigen, die nun in dem langen Strom aus klapprigen, staubigen Bussen sitzen, der sich seinen Weg über die syrische Grenze bahnt, heißt das Ziel Idlib, eine Region unter Kontrolle von Jabhat Fateh al Scham. Auch drei Ortschaften außerhalb von Damaskus werden einige der Flüchtlinge aufnehmen. Nach welchen Kriterien die Ziele für wen ausgewählt wurden, ist völlig offen: Der genaue Inhalt der Vereinbarungen ist auch bei der libanesischen Regierung Verschlusssache.

Doch beim UNHCR ist man sich sicher: Von einer sicheren Rückkehr könne keine Rede sein. Denn der Waffenstillstand zwischen Jabhat Fateh al Scham und Hisbollah beschränkt sich auf libanesisches Gebiet; auf der syrischen Seite kämpft die Hisbollah auf Seite der syrischen Regierung gegen die Gruppe und um Idlib. Gleichzeitig besteht nun die Gefahr, dass sich dort Versorgungsengpässe verschärfen, während die Menschen in vielfach zerstörten Gebieten keinen Ort haben, an den sie gehen können.

Doch auch jene Syrer, die in jenen Teilen Libanons untergekommen sind, in denen die Regierung das Sagen hat, können keinesfalls aufatmen: Bis zu eineinhalb Millionen Syrer leben derzeit im Libanon, und machen damit bis zu ein Viertel der Bevölkerung aus. Oft ist Unmut über die Situation zu hören, gleichzeitig vermitteln manche Medien nun, da die Regierungstruppen in Syrien Boden gut machen, den Eindruck, als habe auch vielerorts die Sicherheit zugenommen, während die Sorge, dass der Konflikt auf den Libanon übergreifen könnte, groß ist.

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