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Tumult, Tsunami - Trump

Wie der neue US-Präsident die Welt verrückt und verrückt macht

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Beschäftigung mit dem Phänomen Trump wechselt von der Warte der Entrüstung zum Versuch der Analyse. Nicht dass der Aufregungsvulkan erloschen wäre. Dazu ist der US-Präsident zu sehr Scharlatan. In Ansgar Graws »Trump verrückt die Welt« ist der Titel am besten, weil er, mit feiner Nebenluft, die Tragweite der Zäsur erfasst. Gehaltvoller ist eine andere Neuerscheinung, auch wenn sie etwas kleiner und mit dem unauffälligen Titel »Trump - Politik als Geschäft« daherkommt. Im Unterschied zum Buch, mit dem Graw, der heimgekehrte USA-Korrespondent der »Welt«, seine Sicht auf den Neuen in Washington präsentiert, versammelt das kleinere 14 Autoren.

Die Kollektion wirkt auf den ersten Blick disparat. Sie vereint gewichtige Analysen und kurze Stücke, nicht mehr als Zwischenrufe; und das Geleitwort, das Trump zwei Mal zum 46. statt zum 45. US-Präsidenten erklärt, warf die Frage auf, ob Weiterlesen überhaupt lohnt. Es lohnte sich. Die sehr lesenswerten Beiträge befassen sich mit »der geistigen Welt des Trumpismus« (Manfred Prisching), mit der Trumps Absicht, »Amerika auf den Kampf der Kulturen vorzubereiten« (Erich Weede), seinem Drang, »Obamas Erbe zu zerstören« (Heinz Gärtner), der Frage, »Wie Trump Amerika ökonomisch retten will« (Dirk Meyer), seinem Wahlkampf als »Rebellion gegen die Politikberatungsindustrie« (Marco Althaus) sowie mit »Trump, dem Kommunikator« (Nana Walzer). Und Wilhelm Hopf urteilt: »Man konnte es wissen.«

Prisching, Professor an der Universität Graz, meint, dass die Annahme, der Präsident im Amt werde sich ganz anders zeigen als der Kandidat, dreifach falsch war: Zum einen sei Trump »kein politischer Stratege«, vielmehr meine er, was er sage - »auch wenn sich die Inhalte schon kurze Zeit später geändert oder umgekehrt haben können«. Zweitens habe er ungeniert die obersten Plätze seines Umfelds mit Vertrauten und Verwandten besetzt. Zum Dritten handle er nicht nur situativ, sondern gemäß einem Weltbild. Dies ziehe den Machtverlust der USA in Betracht, nehme ihn als Verunsicherung wahr und bewerte Barack Obamas »Versuch einer kooperativen Weltpolitik in einem neuen geostrategischen Umfeld … als Schwäche«.

Trump halte all dem alte Slogans entgegen, etwa: Make America Great Again! Prisching: »De facto handelt es sich um das einfache Rezept von wirtschaftlicher Stärke und militärischer Abschreckung.« Daraus resultierten Trumps Anti-Internationalismus, Anti-Europäismus und ein Weltbild, in dem es »um den großen Kampf der USA gegen den Islam« gehe. Für Russland sei diese Entwicklung vorerst günstig, es verschaffe Moskau »eine stärkere Position, als es seine prekäre wirtschaftliche Situation hergeben würde«. Allerdings seien inzwischen in Bezug auf Russland, »welches, wie sich Schritt für Schritt herausstellt, für Trump Wahlkampfhilfe geleistet hat, pragmatische Korrekturen erforderlich«. Denn eine tatsächlich nachgewiesene Kooperation mit dem Weltherrschaftskonkurrenten und dem einstigen Feind im Kalten Krieg könnte sich problematisch auswirken. Insofern scheine »eine neuerliche Korrektur der US-Linie (eine gewisse Absetzbewegung von Russland) vonnöten«.

Erich Weede erklärt sich die Trump immer wieder zugeschriebene Sympathie zu Russlands Putin mit der wachsenden Rivalität zwischen China und den USA bzw. dem Westen. In diesem neuen Globalkonflikt wirke »die mangelnde Vitalität und Innovationskraft der russischen Wirtschaft« auf Männer wie Trump nachrangig und beruhigend. Der emeritierte Professor konstatiert: »Noch sind die russischen Atomwaffen den chinesischen weit überlegen. Aber die russische Wirtschaft wächst langsamer als die chinesische. In absehbarer Zeit wird auch die chinesische Wirtschaft annähernd die zehnfache Größe der russischen haben. Wie lange wird Russland dann noch ein gleichberechtigter Partner Chinas sein können? Besteht dann nicht die Gefahr, dass Russland Chinas Rohstoffkammer und Satellit wird?«

Heinz Gärtner, Professor an der Universität Wien, ist sich sicher, dass Trump Obamas Vermächtnis zerstören wird. »Das sind internationale Verträge über Umwelt, das Nuklearprogramm des Iran, Freihandel … Innenpolitisch sind es die Gesundheitsreform (auch wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass einige populäre Elemente beibehalten werden), die Fristenlösung, Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehe, die Steuerpolitik und die begonnene Einwanderungsreform.«

Wirtschaftspolitisch, so Professor Dirk Meyer von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, stelle Trump einen protektionistischen Kurs in Aussicht. Meyer erwartet davon kurzfristig für die USA Vorteile. Sie würden jedoch »zulasten langfristiger, diffus und unbestimmt vorliegender Kosten erkauft«.

Mit ihren Analysen und Prognosen bestätigen die Autoren des von Hans-Peter Rodenberg herausgegebene Sammelbands, dass sich das Urteil von Ansgar Graws, »Trump verrückt die Welt«, mutmaßlich als berechtigt erweisen wird. Diese Präsidentschaft dürfte rückblickend ein Tsunami gleicher Einschnitt sein. Graws trägt Naturell bezogene Merkmale ebenso wie historische, äußere wie innere und gesellschaftliche Indizien zusammen. Seine Umschau gleicht jedoch eher dem Flug eines hier und da naschenden Schmetterlings, Kurzweil kollidiert mit einem Mangel an Tiefgang.

Hans-Peter Rodenberg (Hg.): Trump - Politik als Geschäft. LIT Verlag. 210 S., geb., 19,90 €. Ansgar Graw: Trump verrückt die Welt. Herbig Verlag. 254 S., geb., 20 €.

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