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Spritzig und witzig

Wie Oliver Schill die Arschbombe als Splashdiving sogar WM-reif machte

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Anarchisches Arschbomben ernsthaft als Sport betreiben - auf diese Idee soll erst einer kommen.
Alles hat sich aus einer Bierlaune heraus entwickelt, im Bayreuther Herzogskeller, und da war das Projekt geboren. Im August 2003 starteten wir den »Pecklaman CUP« (fränkisch »Peckla« ist ein »Päckchen« - d.A.).

Mit welchem Echo?
24 Athleten kamen. Von Radio Mainwelle bis Oberpfalz TV war das eine Sensation. Wir sollten das wiederholen, wurde gefordert. Resultat war 2004 die erste WM. 15 Kamerateams reisten an, und Bayreuths Bürgermeister hielt eine Rede.

Warum aber haben Sie zwischenzeitlich die gute alte »Arschbombe« zu Gunsten des neudeutschen »Splashdiving« aufgegeben?
Unser Riesenerfolg wurde für Bayreuth zum echten Problem. Das ist immerhin die Stadt der Richard-Wagner-Festspiele. Nun bekamen sogar in Zügen der Deutsche Bahn, die in Bayreuth einfuhren, die Reisenden die Ansage: »Herzlich willkommen im Mekka der Arschbombe!« Das war ein kleiner Skandal. Da haben wir gedacht, aus dieser Box müssen wir raus.

Deshalb also das etwas verschleiernde englische Splashdiving.
Auf den Namen kamen wir, als wir einem Anrufer aus Nigeria die gemeine Arschbombe zu erklären versuchten. Wird das Eintauchen (engl. diving) nach einem Sprung ins Wasser begleitet von heftigem Spritzen (engl. splash), trifft der Begriff Splashdiving das ziemlich gut. Und so hatten wir gleichzeitig ein griffiges Label für unseren Sport.

Das ändert aber nichts daran, dass auch Splashdiving bloß adoleszentes Imponiergehabe ist.
Aber nein, Sie dürfen die Arschbombe nicht unterschätzen! Unabhängig vom Alter der Aktiven haben wir es hier mit einem Naturphänomen zu tun. Menschen springen einfach gerne ins Wasser. Die einen so, die anderen so, nicht wenige mit dem Hintern zuerst.

Überall in der Welt?
In Hawaii zumindest begeistert man sich schon seit Jahrhunderten beim Klippenspringen entweder für »Lele Pahu«, zu deutsch »wie eine Trommel tauchen«, oder eben für »Lele Kawa«, bei der es möglichst wenig Spritzer geben soll.

Im Gegensatz zum elitären Kunstspringen kann das wohl jeder versuchen.
So allgemein lässt sich das nicht sagen. Sie sollten bestimmte körperliche Voraussetzungen mitbringen. Ein langer Lulatsch mit Spinnenbeinen wird kaum eine effektvolle Arschbombe hinkriegen.

Verstanden, eine etwas robustere Statur kann hier von Vorteil sein. Und wie manifestiert sich ein besonders ästhetischer Sprung?
Sie müssen sauber auftreffen, leicht nach vorne gekippt, zuerst mit Fußsohlen und Hintern. Das ist die klassische Form, die eine primäre und eine sekundäre Wassersäule produziert. Die erste schießt hoch, wenn der Sportler reingeht, die zweite folgt gleich hinterher.

Bewerten die Kampfrichter Ausmaß und Formen der Fontänen?
Die fließen ergänzend ins Gesamturteil ein. Viel wichtiger sind Absprung - und zwar stets mit Anlauf -, und der Move, das ist das, was der Athlet auf dem Weg zum Eintauchpunkt so anstellt.

Was denn so?
In Frage kommen diverse Saltos, gerne auch rückwärts, oder Schrauben. Für die Punktvergabe ist außerdem zentral, wie der Splashdiver seinen Körper auf der Wasseroberfläche platziert und wie überraschend oder witzig er die gesamte Performance inszeniert.

Tut ein Aufprall vom 10-Meter-Turm nicht höllisch weh?
Im Gegenteil. Die Landung ist ein Hochgenuss, quasi eine Wohlwehe.

Tut weh, aber auch wohl?
Genau! Und vor dem Hintergrund, dass wir in der modernen Gesellschaft ja etwas verweichlicht sind, hat die Arschbombe das Potenzial, in sportlicher Form gegenzusteuern. Außerdem ist der Hieb des Wassers auf die Haut gut für bessere Durchblutung. Ein einfaches und natürliches Mittel gegen Orangenhaut.

Sind Sie immer noch aktiv?
Früher sprang ich sehr gerne. Mittlerweile konzentriere ich mich auf organisatorische Dinge und auf meine Funktion als Trainer der Nationalmannschaft.

Jüngst bei der WM hat die 17-jährige Franziska Fritz den Frauentitel gewonnen. Arschbombe wird also nicht mehr nur von kleinen und großen Jungs dominiert?
Ich verstehe mich da durchaus als Gleichstellungsbeauftragter (lacht).

Weitere Infos: www.splashdiving.com

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