Methanol als Lösung

Von Reinhard Renneberg , Merseburg

  • Von Reinhard Renneberg
  • Lesedauer: 3 Min.

Ostsee-Urlaub! Ein guter Grund, mal einen alten Freund zu besuchen, der als Professor an der Ostseeküste lehrt. Ich frage ihn, den Energieexperten, natürlich ausführlich nach Biotech-Projekten aus.

Schließlich war Bio-Ethanol bisher eines der Vorzeigeprojekte der Biotechnologen: Stärke und Zucker aus nachwachsenden Pflanzen mit Hefen zu Ethanol vergären und damit Autos betreiben. Denn Benzin kann durch Bioethanol ersetzt werden. In Deutschland werden für die Herstellung von Bioethanol vorwiegend Zuckerrüben und Getreide verwendet, in den USA ist es vorwiegend Mais. Andere Rohstoffe - etwa Zellulose von Pflanzen, die nicht zur Nahrungsmittelproduktion dienen, haben bislang kaum Bedeutung.

In Brasilien deckt Ethanol aus Zuckerrohr einen großen Teil des nationalen Treibstoffbedarfs.

Die wichtigste Einsatzform von Bioethanol in Europa ist die Beimischung zu Benzin. So wird E10 mit bis zu zehn Prozent Bioethanol gemischt.

China hat nach anfänglicher Begeisterung für Bio-Ethanol die Notbremse gezogen: Der Konflikt zwischen Nahrungsmittelversorgung und Treibstoffproduktion für Autos hatte sich zugespitzt. Das trifft auch für Lateinamerika zu, die Preise für Mais steigen.

Allerdings ist Ethanol nicht der einzige Alkohol, der als Benzinersatz taugt. Neu war für mich Methanol als Super-Alkohol. Mein Freund schwärmt von diesem kleinsten Alkohol (CH3OH). Mit seiner Begeisterung ist er nicht allein. Prominentester Befürworter eines Übergangs von der Erdöl- und Erdgaswirtschaft zu einer Methanolwirtschaft war der im März dieses Jahres verstorbene Chemienobelpreisträger George Olah. Der hatte bereits 2006 in einem Buch diesen Weg skizziert und darin die Vorteile des Methanols als Energiespeicher für Wind- und Solarenergie sowie als Treibstoff herausgestrichen.

Für mich Biotechnologen gibt es allerdings einen Wermutstropfen. Bislang ist kein vernünftiger biotechnologischer Weg bekannt, um Methanol herzustellen. Zwar entsteht auch bei der oben erwähnten Zuckervergärung Methanol, doch zur Freude der Schnapstrinker ist die Ausbeute winzig. Das bisschen Methanol würde die Destillation nicht lohnen.

Methanol wird derzeit entweder aus Synthesegas auf Basis von Erdgas bzw. Kohle oder aus Kohlendioxid und Wasserstoff gewonnen. Letzterer Weg bietet sich für die Erneuerbaren an: Überschüssiger Strom aus Wind- und Sonnenenergie wird zur Herstellung von Wasserstoff genutzt. CO2 fällt eh bei vielen Prozessen an.

Methanol hat für meinen alten Freund das Potenzial, eine führende Rolle als Treibstoff, Energie- und Chemierohstoff zu übernehmen. Der viel gelobte Wasserstoff ist ein Gas, explosiv und aufwendig zu transportieren. Das flüssige Methanol passt gut in die existierende Treibstoffinfrastruktur. Zudem kann Methanol durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten Erdöl und zukünftig auch Erdgas als die gegenwärtig führenden Ausgangsstoffe für organische Chemieprodukte nahtlos ersetzen.

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