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Trump belebt den Bürgerkrieg …

... und bedient sich dazu der Sklavenhalter der amerikanischen Südstaaten

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Mit seiner jüngsten Duldung des tödlichen Hassausbruchs von Charlottesville (Virginia) hat US-Präsident Donald Trump die Narben des Amerikanischen Bürgerkriegs sehenden Auges wieder aufgerissen.

Der Aufschrei darüber erklärt sich weniger mit Trumps neuerlichem Beleg fehlenden moralischen Kompasses - mit seiner Parteinahme für Rechtsextreme hielt er jenen die Stange, die zu seiner Wählerbasis zählen - als mit der Beispiellosigkeit seiner Haltung. Auch wenn man Vorgänger wie Nixon, Reagan oder George W. Bush heranzieht: Es gibt keinen Regierenden, der so tief und so offen aus dem Brunnen weißen Vorherrschaftsanspruchs, rechtsextremen Hasses und rassistischer Gewalt schöpft wie der 45. Mann im Weißen Haus. Erstmals hat sich ein US-Präsident als Sympathisant von Neonazis verhalten.

Doch was hat das mit Amerikas Bürgerkrieg zu tun? Nun, zum einen zielte die Aktion gewaltbereiter Rechter in Charlottesville darauf, den Stadtratsbeschluss zur Entfernung des Denkmals für den rassistischen Bürgerkriegs-Befehlshaber Robert E. Lee (1807-1870) zu vereiteln. Zum anderen sind Denkmäler wie das von Lee und anderen Südstaatlern, von denen noch Hunderte im Süden stehen, Symbole der Leugnung der Verbrechen der Sklaverei, der größten Erbsünde der USA. Die Verehrung für Männer des Südens, die mit dem Krieg die Sklaverei verewigen wollten, ist heute vor allem das Mittel, mit dem der Zweck der weißen Vorherrschaft verwirklicht und erreicht werden soll, was Trump mit »Make America Great Again« durch seine Gebetsmühle dreht.

»The South« ist neben der geografischen vor allem eine kulturhistorische Angabe. Zwar gehören zu der Region im Südosten heute mit 15 knapp ein Drittel aller Bundesstaaten. Doch schwerer als die Koordinaten wiegt die gesellschaftliche Prägung jenes Raums mit Maryland im Norden, Florida im Süden, Texas und Missouri im Westen sowie den beiden Carolinas im Osten. Ab 1619, lange vor der Unabhängigkeitserklärung 1776, wurden die ersten afrikanischen Sklaven in diesen Teil der englischen Kolonien Nordamerikas gebracht. Um 1750 bestand die Bevölkerung mancher Südkolonie zu einem Drittel aus Sklaven. Die Geschichtsforschung ist sich über die Gesamtzahl der nach Nord-, Mittel- und Südamerika verschleppten Sklaven nicht einig. Von neun bis zehn Millionen ist die Rede. Die Rechtfertigung der Sklaverei, die so gar nicht mit dem Bekenntnis zum »Streben nach Glück« in der Unabhängigkeitserklärung korrespondierte, fiel damals weder den Plantagenbesitzern noch dem einstigen englischen Mutterland schwer. Die Überzeugung von der weißen Überlegenheit war verbreitet. Und die ersten Präsidenten hielten neben Freiheitsreden auch Sklaven - George Washington (erster Präsident) ebenso wie Thomas Jefferson (3.), James Madison (4.) James Monroe (5.) oder Andrew Jackson (7.). Erst mit dem Aufschwung des Industriekapitalismus im bevölkerungsreicheren und ökonomisch dominanten Norden, wo in den 23 Staaten zu Beginn des Bürgerkriegs 22 Millionen, in den 11 Südstaaten dagegen nur 9 Millionen lebten, wurde die Sklaverei zunehmend zum Bremsklotz und ethisch nicht länger vermittelbar.

Im Bürgerkrieg wollte der Norden unter Lincoln die noch junge Union bewahren, der Süden dagegen seine Unabhängigkeit einschließlich der Freiheit zu fortgesetzter Sklaverei sichern. Im Krieg, dem ersten »totalen«, in dem auch Zivilisten zur Kriegspartei deklariert und neuartige Waffen wie Maschinengewehr und Panzerschiff eingesetzt wurden, starben weit über eine halbe Million Menschen. Sklaverei wurde abgeschafft, Rassendiskriminierung mitnichten. Der Wiederaufbau wurde eine Zeit neuer Repressalien gegen die formal freien Schwarzen. Organisationen wie der Ku Klux Klan wollten sich mit dem Ende der Sklaverei nicht abfinden und verübten Lynchmorde. Vor allem nach 1880 wurde das Lynching zu einem Regelfall im Süden. Bis 1918 sollen so mindestens 3500 Schwarze umgebracht worden sein.

Das alles gehört zum Erbe der Sklavenhalter. Deren Accessoires, von der Flagge der Konföderierten bis zu den Denkmälern für Lee, werden seit Trumps Amtsantritt nun ebenso oft wieder geehrt, wie der Ku Klux Klan verstärkt wieder auftritt. Karen L. Cox, Historikerin an der Universität von North Carolina, hat nach Charlottesville erklärt, »dass die Monumente der Sklaverei fallen müssen«. Sie seien kein Zeugnis des Erbes, sondern des Hasses, und es handle sich nicht nur um ein Problem des Südens. »Der Präsident hat eine neue Generation heimischer Terroristen losgelassen. Während des Wahlkampfs und nun aus dem Weißen Haus ermuntern Mr. Trumps Gerede vom Mauerbau, seine Erniedrigung von Frauen und sein Kreis aus nationalistischen Beratern genau jene Leute, die in Charlottesville johlten ›Juden werden uns nicht verdrängen‹. Mit ›uns‹ sind sozial benachteiligte weiße, heterosexuelle Männer gemeint, die sich nach Wiederkehr eines fantasierten Patriarchats sehnen, in dem sie an der Stirnseite des Tisches sitzen, auch wenn diese Plätze - in Wirklichkeit - der weißen Elite vorbehalten sind.«

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