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Wenig um das Parteibuch geschert

Ex-Bundesbank-Chef Ernst Welteke wird 75

  • Von Friederike Marx
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ernst Welteke begleitete als oberster Notenbanker die Einführung des Eurobargeldes in Deutschland und stieß die Reform der Bundesbank an. Doch für viele ist sein Name vor allem mit der »Adlon-Affäre« verbunden. An diesem Montag wird der frühere Bundesbank-Präsident 75.

Der angesehene »Mister Euro« wurde geschätzt für die reibungslose Umstellung der D-Mark auf die neue Gemeinschaftswährung zum Jahreswechsel 2001/2002. Doch ausgerechnet diese Silvesternacht ließ ihn stolpern - Deutschlands oberster Notenbanker hatte samt Familie auf Kosten der Dresdner Bank im Luxushotel Adlon übernachtet. Der Aufenthalt kostete 7661,20 Euro. Die »Adlon-Sause« wurde zwei Jahre später publik. Auf dem Höhepunkt der Affäre drängte die Bundesregierung ihn, sein Amt aufzugeben. Der Notenbankchef sprach von einer »inszenierten Intrige« und erklärte seinen Rücktritt im April 2004 damit, »die Bundesbank vor weiteren Beschädigungen schützen« zu wollen. Die Staatsanwaltschaft stellte ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsnahme im Amt gegen Zahlung einer Geldbuße von 25 000 Euro ein.

Über die Ereignisse von damals möchte Welteke nicht mehr reden. Nur so viel: »Wenn sich der damalige Finanzminister Hans Eichel solidarisch verhalten hätte, wäre es nicht so geendet«, sagte der Volkswirt gegenüber dpa.

Seit 1999 stand Welteke an der Spitze der Deutschen Bundesbank. Trotz seines SPD-Parteibuchs scherte er sich wenig um politischen Druck. Von der Politik verlangte er mehr Reformen und eine sparsame Haushaltsführung. Dabei forderte er immer wieder seinen früheren Weggefährten, Finanzminister Eichel (SPD), heraus. »Die Aufrufe von Notenbankern zu Reformen und solider Haushaltsführung haben allerdings meist wenig Erfolg«, so Welteke.

Als Bundesbank-Präsident saß er auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Der überzeugte Europäer befürchtet, dass im obersten Entscheidungsgremium der Notenbank inzwischen »nationale Interessen zunehmend mit europäischen konkurrieren. Das war am Anfang nicht der Fall«.

Bis zu seinem Rücktritt hatte Welteke eine rasante Karriere hingelegt: Der im nordhessischen Korbach geborene Welteke lernte zunächst Landmaschinenmechaniker und holte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach. Danach studierte er Volkswirtschaft. 16 Jahre lang war er Landtagsabgeordneter der SPD, wurde 1991 vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Eichel zum Wirtschaftsminister des Bundeslandes berufen, später Finanzminister und Präsident der Landeszentralbank Helaba.

Nach seinem Rücktritt zog sich Welteke weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Heute ist er als Berater tätig - er sitzt er im Aufsichtsrat einer Bank in Montenegro und im Verwaltungsrat einer Schweizer IT-Firma. Ans Aufhören denkt der Vater von vier Kindern vorerst nicht: »Man ist immer so alt, wie man sich fühlt.« dpa/nd

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