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Libanesische Armee in der Offensive

Dschihadisten sollen aus dem an Syrien grenzenden Gebiet vertrieben werden

  • Von Karin Leukefeld, Beirut
  • Lesedauer: 3 Min.

»Gut, dass die libanesische Armee jetzt gegen Daesh kämpft«, sagt Antranik Helvadjian, der seit mehr als 50 Jahren eine internationale Buchhandlung in Beirut führt. Mit »Daesh« benutzt Helvadjian die arabische Abkürzung für den so genannten »Islamischen Staat«, doch seine Muttersprache ist Armenisch. »Ich verstehe nicht, warum der Westen Syrien bei diesem Kampf gegen Daesh nicht unterstützt. Sie sehen doch, was jetzt in Barcelona passiert ist, diese Terroristen kommen zu ihnen.« Genau das habe der syrische Präsident Bashar al-Assad vor Jahren schon vorausgesagt. »Hätte der Westen Assad beim Kampf gegen Daesh von Anfang an unterstützt, bräuchten Sie in Europa heute keine Angst zu haben.«

Antranik Helvadjian kam in den 1930er Jahren in Beirut zur Welt. Seine Eltern hatten das Massaker im 1. Weltkrieg im Osmanischen Reich überlebt und in Libanon eine neue Heimat gefunden. Die Geschichte der Armenier, Kriege und die zahlreichen westlichen Interventionen im Mittleren Osten füllen die Regale seiner Buchhandlung, so wie Romane, Bildbände, Reise- und Kochbücher. Das große Sortiment in Arabisch, Englisch und Französisch eröffnet wertvolle Einblicke in Politik und Geschichte, Kunst und Literatur der arabischen Welt und des Mittleren Ostens. So manche Debatte wird bei einem starken Kaffee geführt, klassische Musik im Hintergrund. Noch etwas wolle er unbedingt sagen, so Helvadjian: »Wenn die Hisbollah Assad nicht beim Kampf gegen Daesh unterstützt hätte, dann hätten wir die Terroristen heute hier in Beirut.«

Mit den Flüchtlingen aus Syrien waren seit 2012 auch islamistische Kämpfer gekommen, die - mit libanesischen Unterstützern - in Unterkünften und Lagern um den Ort Arsal herum eine Infrastruktur für Versorgung, Nachschub oder auch medizinische Betreuung organisieren konnten.

Schon im April 2012 hatte die libanesische Armee im Hafen von Tripoli ein Schiff mit Waffen und Munition beschlagnahmt, die für Syrien bestimmt waren. 2014 rollten mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge aus Arsal Richtung Beirut und die Armee bezog um den Ort Stellung.

Die Vertreibung der Islamisten allerdings geht auf das Konto der Hisbollah, die das befreite Gebiet nun der Armee übergab. In Waffenlagern der Nusra Front wurden Boden-Luft-Raketen (SAM) und aus den USA stammende Panzerabwehrraketen (TOW) sichergestellt. Die Islamisten hatten sie neben großen Mengen Munition und Gewehren bei ihrer Flucht zurückgelassen. Der Kampf gegen die letzten Daesh-Kämpfer konzentriert sich aktuell auf Ras Baalbeck, nördlich von Arsal.

Die libanesischen Zeitungen berichten auf ihren Titelseiten über die Armeeoffensive im nordöstlichen Grenzgebiet zu Syrien. Präsident Michel Aoun und Regierungschef Saad Hariri hatten am Donnerstag den Einsatz mit Armeechef Joseph Aoun und dem Chef des Militärischen Geheimdienstes, Tony Mansour, besprochen. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Nachrichtenportal »Politico« hatte Hariri zuvor bereits die militärische und politische Zusammenarbeit mit der Hisbollah bekräftigt, trotz der bekannten politischen Unterschiede.

»Zum Wohl des Landes und seiner Stabilität, der Wirtschaft und der 1,5 Millionen Flüchtlinge müssen wir uns verständigen, sonst wird es uns wie Syrien ergehen«, so Hariri. »Wir hatten einen Bürgerkrieg, wir haben einen hohen Preis bezahlt, 200 000 Menschen wurden getötet. Vom ersten Tag an hätten wir uns an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen sollen.«

Die USA und Europa betrachten die Hisbollah als »Terrororganisation«, obwohl die Partei mit Abgeordneten im Parlament und mit Ministern in der Regierung Libanons vertreten ist. Anfang August warnte Nikki Haley, die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, erneut davor, dass »die Waffen der Hisbollah die Stabilität und Sicherheit der Region« bedrohten. In Europa gilt der militärische Arm der Hisbollah als »terroristisch«. Doch jenseits der offiziellen Erklärungen treffen sich europäische Politiker und Geheimdienste häufig und gern mit Hisbollah-Verantwortlichen. Sie gelten als gut informiert und zuverlässig.

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