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Kicken gegen Gewalt

In Kenia bringt Fußball verschiedene Ethnien zusammen, die politisch oft verfeindet sind

  • Von Bettina Rühl, Nairobi
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auf dem Fußballplatz in Korogocho ist keine Aggression zu spüren, nur sportlicher Ehrgeiz. Bei dem Fußballturnier im drittgrößten Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind die meisten Teams ethnisch gemischt, ihre Einigkeit ist nicht selbstverständlich. Denn auch in Korogocho tobten vor zehn Jahren blutige ethnisch geprägte Ausschreitungen, als es zum Streit über die Präsidentenwahl kam. Die Angst vor Gewalt war auch 2017 wieder da. Nicht unbegründet: Dutzende Menschen kamen bei den Protesten nach den Wahlen um und der kenianische Oppositionsführer Raila Odinga will seine Wahlniederlage nach wie vor nicht hinnehmen: Er gab am 16 August bekannt, das Ergebnis der Präsidentenwahl vor dem Obersten Gerichtshof anfechten zu wollen

Der Veranstalter des Fußballturniers, Hamilton Ayiera Nyanga, hat die grausamen Bilder von 2007 noch so deutlich vor Augen, als wäre es gestern gewesen. »Direkt vor mir wurden Menschen getötet, manche mit Macheten verstümmelt«, erzählt der 32-jährige Aktivist. »Und viele Hütten wurden abgebrannt.«

Mehr als tausend Menschen wurden damals in Kenia getötet, Hunderttausende vertrieben. Die Unruhen hatten im Dezember 2007 mit der Verkündung des umstrittenen Wahlergebnisses begonnen: Präsident Uhuru Kenyatta wurde zum Sieger erklärt, der - inzwischen wiedergewählt - bis heute im Amt ist und auch am 8. August wieder gewonnen hat.

Aktionen wie das Fußballturnier sollten dazu beitragen, erneute Unruhen zu verhindern. Immerhin war es bei der Wahl vor fünf Jahren weitgehend ruhig geblieben.

Seit Monaten wenden sich Nyanga und viele andere kenianische Aktivisten gegen Hass unter den Volksgruppen. »In Kenia wird immer noch entlang der ethnischen Linien gewählt«, sagt Nyanga. »Aber wir warnen die Leute immer wieder, dass sie den Politikern nicht in die Falle gehen sollen.«

In Kenia gibt es 42 unterschiedliche Volksgruppen. Auch die Menschen in Korogocho gehören zu mehreren Ethnien. »Aber nach den Ausschreitungen von 2007 und 2008 haben sich die Kikuyu und die Luo voneinander getrennt, sie leben jetzt in unterschiedlichen Gegenden von Korogocho«, sagt Nyanga.

Auch bei dem Turnier treten sie in getrennten Teams gegeneinander an. Die beiden Ethnien sind die größten im Land, ihnen gehören auch die beiden aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten unter den insgesamt zehn Bewerbern an: Kenyatta ist Kikuyu, sein wichtigster Gegenspieler Raila Odinga ist Luo.

Korogocho liegt direkt neben der Mülldeponie von Nairobi. Viele Slumbewohner steigen Tag für Tag durch den Abfall, um nach wiederverwertbaren Materialien zu suchen. »Armut macht die Menschen besonders anfällig für Gewalt«, sagt Nyanga, der selbst in Korogocho geboren wurde und hier lebt. »Vor allem junge Leute lassen sich von Politikern und Kriminellen schon für wenig Geld kaufen, um Unruhe zu stiften.«

Nyanga will das mit Hilfe der von ihm gegründeten Ayiera-Initiative ändern. Sie ist Mitveranstalterin des Fußballturniers, thematisiert ethnische Gewalt und übernimmt Schulgebühren von Slumkindern. Finanziell unterstützt wird sie aus Deutschland, vom Entwicklungsministerium und der Hilfsorganisation Care Deutschland-Luxemburg.

»Meine Freunde kommen aus unterschiedlichen Ethnien«, sagt die 17-jährige Georgeann Jane, die in einem der Teams kickt. Sie kann dank der finanziellen Hilfe weiter auf die Schule gehen und möchte sich später selbst um Slumkinder kümmern. »Hass bringt uns nicht weiter«, stellt sie fest. »Zusammen können wir viel erreichen.«

Davon ist auch der 18-jährige Lucas Oduor überzeugt, der ebenfalls das Schulgeld bezahlt bekommt. »Mich interessiert nicht, zu welcher Ethnie meine Freunde gehören. Wir sind alle Kenianer.« Trotzdem fürchtet er Gewalt: »Ich werde für friedliche Wahlen beten.« epd/nd

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