Werbung

Unsicherheitsfaktor Ordnungsmacht

Kollision an der Straße von Malakka zeigt: US-Kriegsschiffe behindern selbst den Seeverkehrs in Asien

Die Kollision zwischen einem US-Zerstörer und einem Tanker nahe der Straße von Malakka weckt Ängste in Asien.

Von Frederic Spohr, Bangkok

In der linken Seite des amerikanischen Kriegsschiffes USS John S. McCain klafft seit Montag ein Loch. Der Zerstörer ist nahe Singapur von einem wahren Koloss gerammt worden: dem rund dreimal größeren Öltanker Alnic MC. Zehn Matrosen wurden am Abend noch vermisst. Teams aus Malaysia, Singapur, Indonesien und den Vereinigten Staaten suchten die raue See nach ihnen ab. Fünf Seeleute wurden bei dem Zusammenstoß verletzt, Hubschrauber brachten vier von ihnen zur Behandlung nach Singapur.

An dem Raketenkreuzer mit einer regulären Besatzung von rund 300 Matrosen entstand laut der amerikanischen Marine »ein massiver Schaden«: Mannschafts-, Kommunikations- und Maschinenräume seien überflutet worden, hieß es in einer Mitteilung.

Beide Schiffe konnten nach der Kollision aus eigener Kraft in Singapurs Hafen zurückkehren. Laut den malaysischen Behörden soll aus dem 183 Meter langen Tanker unter libanesischer Flagge keinerlei Öl ausgelaufen sein. Der Unfall könnte dennoch äußerst peinlich für die Amerikaner werden. Denn das Schiff hat in einem hochsensiblen Seegebiet genau das auslöst, was es eigentlich verhindern sollte: Unsicherheit.

Die McCain kam gerade von einer Mission aus dem nahe gelegenen Südchinesischen Meer, wo sich China und mehrere Nachbarstaaten um mehrere Inselgruppen streiten. Die Operation sollte dort den Anspruch auf freie Navigation der Amerikaner untermauern.

Doch zuletzt wurden amerikanische Schiffe selbst zur Behinderung für den Seeverkehr in Asien. Der Unfall der McCain ist dieses Jahr bereits der vierte Zusammenstoß eines amerikanischen Kriegsschiffs in asiatischen Gewässern. Erst im Juni, als die USS Fitzgerald mit einem Handelsschiff vor der japanischen Küste kollidierte, wurden sieben US-Matrosen getötet.

Ein Untersuchungsbericht der siebten Flotte, zu der sowohl die Fitzgerald als auch die McCain gehören, macht die Crew des amerikanischen Schiffs für das Unglück mitverantwortlich. Der Kapitän des Kriegsschiffes musste seinen Posten räumen, mehrere Besatzungsmitglieder wurden bestraft.

Diesmal könnte es ähnlich laufen. Denn auch wenn der Unfall bei Dunkelheit passierte, äußerten Militärexperten bereits Verwunderung darüber, wie ein mit moderner und mit Radaranlagen ausgestatteter Raketenkreuzer den schwerfälligen Tanker nicht bemerken und ausweichen konnte. »Wenn man auf einem so viel befahrenen Seeweg unterwegs ist, muss man sehr aufmerksam sein und die Schiffe um einen herum sehr akribisch beobachten«, meinte der amerikanische Marineexperte und ehemalige Militär Carl Schuster öffentlich auf CNN.

An dem Unglücksort hätte die Mannschaft besonders vorsichtig sein müssen. Der Unfall passierte praktisch an der Achillesferse der Weltwirtschaft. Die Schiffe kollidierten direkt an der Zufahrt zur Straße von Malakka. Die Meerenge zwischen Malaysia und der indonesischen Insel Sumatra ist laut dem Weltwirtschaftsforum der zweitwichtigste Wasserweg der Welt. Zwischen Europa und China gibt es keine schnellere Wasserverbindung.

Rund ein Viertel des globalen Welthandels geht durch die Passage in Südostasien. Doch weil die Straße an ihrer engsten Stelle gerade einmal rund 2,7 Kilometer breit ist, ist sie schon jetzt extrem ausgelastet. Rund 80 000 Schiffe durchfahren malaysischen Behörden zufolge jedes Jahr die Meerenge.

Der norwegische Schiffsversicherer Skuld nennt die heikle Stelle auch »die am meisten verstopfte Passage der Welt«. Die große Anzahl an Schiffen bedeute auch ein höheres Risiko für Kollisionen, warnt der Versicherer. In einer Auswertung von 2014 machten Zusammenstöße die mit Abstand häufigsten Unfallursache aus, dies noch vor Bränden, Strandungen und Maschinenschäden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!