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Anstelle einer Eiche

Speziell an den Jahrestagen der Pogrome gibt es Versuche der Aufarbeitung

Die »AG Antifaschistischer Fuchsschwanz« traf mit ihrer Kritik an der offiziellen deutschen Aufarbeitungspolitik offenbar einen wunden Punkt: »Wir haben die Eiche neben dem ›Sonnenblumenhaus‹ abgesägt. Denn dieses Symbol für Deutschtümelei und Militarismus ist für die Menschen, die 1992 dem Mob in Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht«, hieß es in einer Erklärung im Internet. Mehr hatte es 2012 nicht gebraucht, um Politiker und Redaktionsstuben quer durchs Land in Aufregung zu versetzen.

Kurz zuvor hatten die Behörden bei der Durchführung der Gedenkveranstaltung 20 Jahre nach den Rostocker Pogromen für Unmut gesorgt: Gerade eine Eiche - zu Nazizeiten zu Ehren Hitlers gepflanzt, nun ein Baum des »Friedens« - sollte neben dem »Sonnenblumenhaus« seinen Platz finden. Die Gedenkrede hielt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, der zuvor unter anderem dadurch aufgefallen war, dass er das Wort »Überfremdung« für legitim hielt, und der erklärte, dass »das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird«. Die frühere Sozialsenatorin Liane Melzer (SPD) kommentierte: »Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess längst nicht beendet ist.« Auch in den nächsten Tagen gibt es Veranstaltungen:

22. August: Um 17 Uhr findet eine Gedenkveranstaltung in der Rostocker Marienkirche statt. Das erste von fünf Kunstwerken der Gruppe »Schaum« wird 18.30 Uhr vor dem Rathaus enthüllt.

23. August: Das Kunstobjekt »Medien« wird um 17.30 Uhr vor dem Verlagsgebäude der »Ostsee-Zeitung« enthüllt. Um 18 Uhr beginnt im Saal des Medienhauses eine Podiumsdiskussion zur damaligen Rolle der Medien und der Polizei.

24. August: Das Kunstobjekt »Gesellschaft« wird um 17 Uhr am ehemaligen Standort des Jugendalternativzentrums an der Hermannstraße/Ecke August-Bebel-Straße eingeweiht. Schüler stellen Ergebnisse eines Workshops vor.

25. August: Das Objekt »Staatsgewalt« wird um 17 Uhr an der Polizeiinspektion Ulmenstraße enthüllt. Um 20:30 Uhr wird der Film »Wir sind jung. Wir sind stark.« am »Sonnenblumenhaus« gezeigt.

26. August: Eine Fahrraddemo startet um 9.45 Uhr am Neuen Markt. Ab 15 Uhr gibt es Bühnenprogramm am »Sonnenblumenhaus«. Das Kunstwerk »Selbstjustiz« wird dort eingeweiht. seb

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