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Ein Handtuch zwischen Harmonie und Abgrund

An den Ufern des Plötzensees trifft sich Hinz und Kunz - und alle sind auf der Suche nach Frieden

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sonntagmorgen, Sonne, Ferien. Keine schreienden Kinder und genervte Eltern, keine Idioten, und dennoch bin ich im Herzen von Berlin. An einem schmalen Ufer liegt eine junge Frau, unweit entfernt spielen zwei Kinder, ihre Eltern sitzen im Schatten. Ich frage die junge Frau, ob sie auf meine Sachen aufpassen kann, und gehe ins Wasser. Ich komme hauptsächlich deshalb zum Plötzensee, weil ich mir die Schwimmbäder zur Rushhour sparen möchte und keine Energie habe, an die Seenlandschaft Dahlems und Zehlendorfs zu fahren.

Zurück am Ufer lege ich mich hin und genieße ein bisschen die Sonne. Die Frau fragt mich nun ihrerseits, ob ich auf ihre Sachen aufpasse, und verschwindet dann ebenfalls für längere Zeit im Wasser. Mit voranschreitender Zeit wird es voller, zwei weitere junge Frauen legen sich nur unweit entfernt auf ihre Handtücher. Hier und da belausche ich ein paar Gespräche, die ersten englischen, arabischen und spanischen Worte wehen vom Hang zu mir hinunter. Ich kann nicht alles verstehen und dämmere langsam ein.

Ich werde wach, weil meine Handtuchnachbarin vom Schwimmen zurückkommt und sich dafür bedankt, dass ich auf ihre Sachen aufgepasst habe. Sie nimmt ein schlaues Buch in die Hand, und ich frage sie, was sie studiert. So unterhalten wir uns ein bisschen, dann kommt ihr Freund und legt sich neben sie. Er heißt Florian und ist weltberühmt. Vor Kurzem hat er noch in Thailand aufgelegt, in der DJ-Szene ist er unter dem Namen »vom Feisten« bekannt. Hier an der Plötze erkennt ihn aber offensichtlich niemand. Und auch ich kenne zwar den DJ-Namen, nicht aber sein Gesicht. Seine Freundin klärte mich auf.

Mittlerweile ist es Mittag geworden. Ein weiterer junger Mann kommt an unser Ufer. Er spricht Florian und die beiden unbekannten Frauen an, die neben dem DJ liegen. Auf Englisch fragt er, ob er sich auf das freie Stück Ufer zwischen ihnen legen könne. Eine der beiden antwortet auf Deutsch: »Nee, ist doch schon ziemlich voll.« Ich bin zwar gar nicht betroffen, meine aber, mich einmischen zu müssen. Auf Englisch sage ich, dass ich bald gehen würde und Florian und seine Freundin dann auf meinen Platz rüberrücken könnten. Die unterstützen mein Vorhaben, der DJ rutscht etwas näher an seine Freundin heran und sagt dem jungen Mann, es sei noch genug Platz da.

Der bedankt sich vielmals und legt sein Handtuch hin. Die beiden Frauen neben ihm schauen genervt. Der junge Mann scheint sich erklären zu wollen: Der neu entstandenen Handtuch-Gruppe erklärt er, dass er sich weiter oben nicht so sicher fühle und er gerne hier am Ufer liege. Die beiden Frauen neben ihm stehen kommentarlos auf und gehen schwimmen. Erst jetzt fällt mir auf, wie unglaublich weiß die Haut der Frauen ist. Florian beginnt eine Unterhaltung mit dem Mann. Ich springe auch noch mal ins Wasser, schwimme eine kleine Runde.

Als ich zurückkomme, um meine Sachen zu packen, fragt mich der junge Mann, wie ich heiße und wo ich herkomme. Ich sage meinen Namen und »Germany«. Er erzählt mir, dass er aus Tschetschenien kommt und Jonas heißt. Wir unterhalten uns ein wenig über die Wirtschaft und Politik in Tschetschenien und in Deutschland. Dann kommen seine Handtuch-Nachbarinnen aus dem Wasser, und ich sage zu Jonas: »So, ich muss jetzt los. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist!«

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