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Der schwere Kampf vor den Kämpfen

Bevor Ringer Frank Stäbler zum zweiten Mal Weltmeister wurde, musste er sein Gewicht drastisch reduzieren. Dies will der Weltverband ändern

  • Von Frank Kastner, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach seinem historischen zweiten Weltmeistertitel plagte Frank Stäbler nur noch der Heißhunger. »Ich brauche jetzt unbedingt einen Burger oder ein großes Stück Torte. Aber im Hotel gibt es nichts mehr«, meinte der Griechisch-Römisch-Spezialist. Wenige Minuten zuvor hatte der 28-Jährige als erster deutscher Ringer das Kunststück fertiggebracht, einen WM-Gürtel in zwei verschiedenen Gewichtsklassen (66 und 71 Kilogramm) zu gewinnen. Und das innerhalb von nur zwei Jahren. Kurz vor Mitternacht organisierte sein Manager Jens Zimmermann dann den ersehnten Cheeseburger. Genuss pur nach qualvollen Tagen.

Die Tortur von sechs Kämpfen innerhalb von zehn Stunden hatte Spuren hinterlassen: Acht Kilo hatte Stäbler von der Qualifikation bis nach dem mit 8:3 siegreichen Finalkampf gegen den Kasachen Demeu Schadrajew verloren. Zur Erinnerung: Um beim offiziellen Wiegen am Abend vor dem Wettkampf auf die geforderten 71 Kilogramm zu kommen, hatte der Musberger in fünf Tagen sechs Kilogramm abgenommen. In den letzten beiden Tagen hatte es dann nur noch einen kleinen Schluck Wasser gegeben. Einzige Ausnahme: ein Honigbrot zum Frühstück am Morgen, natürlich ohne Butter.

Doch Dank der selbst gemachten Fleischbrühe mit Tafelspitz von Mama Michaela waren über Nacht - pünktlich zum Wettkampfbeginn am Montag in der Qualifikation - wieder fünf Kilogramm mehr auf die Rippen gekommen. Im Laufe des Wettkampfes ging es mit dem Gewicht danach aber wieder rapide bergab.

Dieses Gewichts-Jojo kennt Stäbler seit Jahren. Als er bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro noch im Limit bis 66 Kilogramm startete, musste er in der Regel immer bis zu acht Kilogramm abnehmen, verlor aber auch eine Menge Kraft und Substanz. »Es war immer der schwere Wettkampf vor dem Wettkampf«, erinnert sich der Ausnahmekönner und gab nach seinem Goldcoup am Montagabend in Paris offen zu: »Die Kraft war irgendwann weg, doch ich habe es irgendwie über die Zeit gebracht.« Für seinen Teamkollegen Denis Kudla reichte es hingegen nicht: In der Klasse bis 85 Kilogramm verlor der Olympiadritte direkt nach Stäblers Triumph seinen Finalkampf gegen den Türken Metehan Basar knapp mit 1:2.

Der Ringer-Weltverband hat für das kommende Jahr bereits neue Regeln beschlossen. So werden die Gewichtsklassen pro Stilart von aktuell acht auf zehn aufgestockt. Zudem sollen die Wettkämpfe auf zwei Tage ausgedehnt werden. Am zweiten Tag, wenn die Finalkämpfe anstehen, wird erneut ein Wiegen absolviert, um die Athleten davon abzubringen, ihr Gewicht so extrem zu reduzieren. Die bislang gängige Praxis sei gesundheitsgefährdend, argumentierte der Weltverband.

Doch das war in Paris für Stäbler Nebensache. Nach der Siegesfeier im Hotel mit seiner Familie und rund 60 mitgereisten Fans suchte er am Dienstag schon die nächste Herausforderung: Die Besteigung des Eiffelturms. Immerhin wollte er den schwer erkämpften WM-Gürtel vor traditionsreicher Kulisse mit Frau Sandra auch gut in Szene setzen. Und ab 10.00 Uhr ging es gleich wieder auf die Matte. Stäbler bereitete seinen Teamkollegen Matthias Maasch aus Burghausen auf dessen Weltmeisterschaftskämpfe in der Klasse bis 66 Kilogramm vor.

Ringen ist einfach alles für den Mann mit dem Irokesenschnitt. Dafür ließ er sogar seinen guten Job als Marketingassistent bei einer IT-Firma sausen und ging in die Bundeswehrsportfördergruppe. »Für eine Olympiamedaille in Tokio ordne ich alles unter. Danach ist Schluss«, verkündete er jetzt schon sein Karriereende für 2020. Für das große Ziel fällt auch jetzt der verdiente Urlaub auf Lanzarote etwas kürzer aus. Schon in acht Tagen muss Frank Stäbler zur Grundausbildung bei der Bundeswehr antreten. dpa/nd

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