Werbung

Gesunkene Nebenkosten - nur ein schwacher Trost

Berliner Betriebskostenübersicht 2017

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

2,52 Euro pro Quadratmeter muss der Berliner Durchschnittsmieter jeden Monat an Betriebskosten zahlen. Das sind 0,25 Euro oder neun Prozent weniger als bei der Erhebung für die letzte Betriebskostenübersicht vor zwei Jahren. Damals waren die Nebenkosten gegenüber 2013 um fast 10 Prozent angestiegen. Jetzt sind die gezahlten Betriebskosten exakt wieder auf die alte Höhe zurückgegangen.

Heizkosten

Insbesondere die »warmen« Betriebskosten, also die Aufwendungen für Heizung und Warmwasser, gingen deutlich zurück: von 1,08 Euro auf 0,93 Euro pro Quadratmeter - ein Minus von 13,9 Prozent. Dafür sind vor allem der milde Winter im Abrechnungsjahr 2015 und vergleichsweise niedrige Heizölpreise verantwortlich. Auch die energetische Sanierung von immer mehr Wohnhäusern lässt die Heizkosten sinken.

Die »warmen« Betriebskosten hängen vor allem stark vom individuellen Wohnverhalten ab. Angesichts steigender Nettokaltmieten sind die Mieter beim Heizen und Warmwasserverbrauch wohl sparsamer geworden, um die gesamten Wohnkosten im Zaum zu halten.

Auch die übrigen Betriebskosten - von der Wasserversorgung über die Müllabfuhr, die Hausreinigung, Treppenhausbeleuchtung und den Aufzug bis zur Versicherung und Grundsteuer - sind merklich gesunken. Die Summe dieser »kalten« Betriebskosten ging im Schnitt um 0,10 Euro auf 1,59 Euro pro Quadratmeter zurück. Das ist eine Reduzierung um 5,9 Prozent. Bei den meisten Kostenarten sind leichte Rückgänge zu verzeichnen. Die große Ausnahme bildet die Wasserversorgung: Im Schnitt haben die Berliner Mieter 29 Cent pro Quadratmeter für Wasser ausgegeben - 45 Prozent mehr als bei der vorangegangenen Übersicht.

Stark gestiegener Wasserverbrauch

Dabei haben die Wasserbetriebe in der Zwischenzeit ihre Trinkwasserpreise sogar um 15 Prozent gesenkt. Die Berliner müssen also ihren Wasserverbrauch stark erhöht haben. Eine mögliche Erklärung: Seit einigen Jahren rücken Berlins Mieter enger zusammen. Es wohnen im Schnitt mehr Personen in einer Wohnung, und diese verbrauchen auch mehr Wasser.

Nach Wasserver- und -entsorgung ist unter den »kalten« Betriebskosten die Grundsteuer der größte Posten, gefolgt von den Kosten für den Hauswart, den Aufzug, die Müllbeseitigung und die Versicherung. Für diese Positionen mussten die Berliner Mieter nahezu denselben Preis zahlen wie zwei Jahre zuvor. Auch bei der Müllabfuhr, wo die BSR Anfang 2015 die Tarife um durchschnittlich 3,2 Prozent erhöht hatte, gab es nur minimale Veränderungen. Offenbar haben mehrere Vermieter die Gebührenerhöhung zum Anlass genommen, zur Kostensenkung weniger oder kleinere Mülltonnen zu bestellen.

Die einzelnen Kosten bewegen sich teilweise in einer großen Spannweite, besonders bei Heizung und Wasser, wo der individuelle Verbrauch ein entscheidender Faktor ist. Deshalb sind in der Betriebskostenübersicht neben dem Mittelwert für jeden Posten auch der Ober- und Unterwert einer Vier-Fünftel-Spanne angegeben. Die Heizkosten bewegen sich demnach zwischen 0,44 Euro und 1,15 Euro pro Quadratmeter.

Die Kosten werden zudem von den äußeren Umständen beeinflusst. So verteilen sich die Aufzugskosten in Hochhäusern auf mehr Mietparteien als in niedrigen Gebäuden. Grundstücke mit ausgedehnten Grünanlagen bedürfen mehr Pflege als versiegelte Hinterhöfe. Und das Salär des Hausmeisters hängt stark davon ab, mit welchen Aufgaben er betraut ist.

In vielen Mietverhältnissen fallen einige Betriebskosten auch gar nicht an, denn einen zu pflegenden Garten, einen Aufzug oder eine vom Vermieter gestellte Antennenanlage gibt es nicht in jedem Haus. Welche Betriebskosten nach welchem Schlüssel abgerechnet werden, ist grundsätzlich im Mietvertrag geregelt.

Die zwei Seiten einer energetischen Sanierung

Nachhaltig zu senken wären die Nebenkosten durch umfassende energetische Sanierungen, etwa durch den Einbau effizienterer Heizanlagen und eine bessere Gebäudedämmung. Bei der derzeitigen Rechtslage können sich Mieter das aber kaum wünschen, denn die Umlage der Modernisierungskosten lässt die Nettokaltmiete in aller Regel weit stärker steigen als die so erzielten Einsparungen bei den Betriebskosten. Der enorme Anstieg der Kaltmieten lässt sich am Berliner Mietspiegel 2017 ablesen. Das Sinken der Betriebskosten ist dagegen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Aus: MieterMagazin 7/2017

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!