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Texanische Missionare und Nahostkonflikt

Zum 13. Mal widmet sich das Leipziger Filmfestival »globaLE« von August bis November politischen Dokumentationen

  • Von Jennifer Stange
  • Lesedauer: 3 Min.

Texanische Missionare verteilen solarbetriebene Audio-Bibeln. Sie wollen den Leuten beibringen, wie sie leben, wirtschaften und, natürlich, wie und zu wem sie beten sollen. Sie tragen Cowboyhütte. Genau wie der US-amerikanische Präsident gerne einen Cowboyhut trägt. Eine Analogie, wie sie der österreichische Dokumentarfilmer Hubert Sauper in seiner Collage »We Come as Friends« auf für ihn typische Weise inszeniert.

Der Regisseur ist für seinen jüngsten Film unterwegs im Südsudan. Ein junges Land, erst 2011 durch eine Abspaltung vom Sudan entstanden. In der Draufsicht hat es schon jetzt alle Bilder und Geschichten geliefert: Bürgerkrieg, Hungersnot, Armut und Elend plus Hilfsindustrie. Afrika eben. Sauper überfliegt dieses Land, in einer extra für diesen Film konzipierten, winzigen Einpropellermaschine. Die sich selbst, neben ihren Piloten, in den Film eingeschrieben hat.

Es handelt sich so um eine Geschichte des Transports, die ja in afrikanischen Ländern häufig eine sehr eigene ist. Wo sonst würde ein gnädiger Esel eine Propellermaschine auf eine Art Landebahn ziehen? Wenn ulkige Bilder wie diese in den Film geraten, dann ist das Absicht. In diesen Momenten inszeniert sich der Dokumentarist absichtlich als der weiße Mann, der auch noch aus dem Himmel kommt, zu den Schwarzen, die sich darüber wundern. Sauper ist ein engagierter Filmer, er landet an vielen Orten, er zoomt rein, sammelt seinen Stoff und betrachtet nicht nur die anderen. Er blickt auch auf sich selbst im zeitgenössischen Kolonialismus, den er zeigen will. Das ist Saupers Thema seit Jahrzehnten, niemand bringt es so erfolgreich auf die Leinwand wie er. Sein Film »Darwin’s Nightmare« hatte über eine halbe Millionen Besucher in die Kinos gelockt und war bei den Oscars 2006 für den besten Dokumentarfilm nominiert.

Trotzdem laufen Filme wie diese sogar in den Programmkinos selten. Die 13. »globaLE« konzentriert sich wie ihre Vorgänger dafür voll und ganz auf den politischen Dokumentarfilm. Neben Saupers »We Come as Friends« zeigt das Leipziger Filmfest diese Woche auch »Milliarden für den Stillstand - Die Rolle der EU im Nahostkonflikt«. Leider einer von vielen Filmen, die das Elend der Palästinenser in Gaza zeigen, aber über die Verantwortung der palästinensischen Seite in diesem Konflikt schweigen wollen. Warum, das könnte man die Regisseurin Sabrina Dittus fragen, die am Mittwoch nach der Vorführung zur Diskussion bereitsteht.

Die »globaLe« will nicht nur Raritäten des Dokumentarfilms zeigen, sie will auch zur Diskussion und zum Handeln anregen, »für eine friedliche, solidarische und gerechte Welt jenseits kapitalistischer Verwertungsmechanismen«. Entsprechend verlesen sind auch die Filme, die Wirkweisen und Auswirkungen kapitalistischer Ökonomie dokumentieren oder Widerstand gegen Ausbeutung zeigen, der täglich übersehen und ignoriert wird. Anschauen kostet erst mal nichts, alle Filme sind kostenlos. Gezeigt werden insgesamt von August bis Mitte November mehr als 30 Dokumentationen. An üblichen Orten wie den bekannten Programmkinos in Leipzig, aber auch an ungewöhnlichen, über die gesamte Stadt verteilt: in der Peterskirche, Gemeinschaftsunterkünften, der Skaterhalle im Heizhaus Grünau. Das Filmfestival geht auf die Initiative der Nichtregierungsorganisation »Attac« zurück.

Eine Auftaktvorführung Mitte August flimmerte dabei über die Fassade des beinahe vergessenen »Kinos der Jugend« in der Eisenbahnstraße. Seit Jahrzehnten geschlossen, zwischenzeitlich zweckentfremdet, steht es mittlerweile leer. Eine lokale Initiative will das ändern und bemüht sich, hier wieder den Programmbetrieb zum Laufen zu bringen. Vielleicht war die Aufführung im Rahmen der »globaLE« dafür der erste Schritt.

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