Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Trump will am Hindukusch Terroristen töten

US-Truppen in Afghanistan sollen verstärkt werden / NATO und Bundesregierung begrüßen die Strategie

Während Staatschef Aschraf Ghani am Dienstag die Pläne von Donald Trump begrüßte, die US-Militärpräsenz in seinem Land zu verstärken, hatten die Taliban schon vor Verkündung der künftige Afghanistan-Strategie reagiert: Sie feuerten eine Rakete in das streng gesicherte Diplomatenviertel von Kabul. Später ließ ihr Sprecher wissen, dass man den »Dschihad mit Entschlossenheit« fortsetzen werde. Sollten die USA nicht abziehen, würde Afghanistan zu ihrem Friedhof werden.

Vollständig abziehen - genau das hat Trump immer gefordert. Nun die Kehrtwende. Aufstocken und angreifen, das ist der Kern seiner neuen Strategie für den längsten Krieg der USA. Denn ein übereilter Abzug würde nur ein »Vakuum« hinterlassen: »Wir machen keine Staatenbildung mehr, wir töten Terroristen.« Zugleich warnte er Islamabad, weil man dort Terrororganisationen Zuflucht biete. Trump drohte mit einer Kürzung der Hilfen für Pakistan, das von China in Schutz genommen wurde.

Der Präsident vermied bei seinem Auftritt auf dem Militärstützpunkt Fort Myer, die Größe zusätzlicher Truppen am Hindukusch zu konkretisieren. Doch soll er den Pentagon-Chef bereits angewiesen haben, bis zu 3900 weitere Soldaten zu entsenden. Laut James Mattis seien Verbündete ebenfalls bereit, ihre Verbände aufzustocken. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von 15 Staaten. Auch die Bundesregierung begrüßt Trumps Strategie, doch will Kanzlerin Angela Merkel vor der Wahl offensichtlich keine Erhöhung der Mandatsobergrenze prüfen lassen.

Der Krieg in Afghanistan wurde mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 legitimiert. Im Dezember 2014 beendete die NATO ihren Kampfeinsatz und hinterließ ein unbefriedetes Land in katastrophaler Sicherheits- wie wirtschaftlich-sozialer Lage. Die Taliban sollen inzwischen wieder elf Prozent des Landes »kontrollieren oder beeinflussen«, weitere 30 gelten als umkämpft. Zugleich hat sich ein Ableger des Islamischen Staats (IS) etabliert.

Die laufende Operation »Resolute Support« wird als Ausbildungs- und Unterstützungsmission für die heimischen Sicherheitskräfte verkauft. Rund 8400 US-Soldaten und 5000 weitere NATO-Kräfte sind beteiligt, darunter 950 Bundeswehrangehörige. Die USA haben zudem eine eigene Kampfmission (Freedom’s Sentinel), in der rund 2100 Spezialkräfte gegen Taliban und IS vorgehen.

Auch wenn sich Trump erstmals vage zu einer möglichen politischen Einigung mit den Taliban äußerte, hat der grüne Außenpolitiker Omid Nouripour seine Strategie scharf kritisiert: »Die Trennung von Terrorbekämpfung und Staatsaufbau ist verheerend und verkennt den Kern der Radikalisierung in Afghanistan.« Auch Moskau zeigte sich skeptisch. Man gehe nicht davon aus, dass Trumps Ankündigungen zu signifikanten Änderungen am Hindukusch führten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln