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»Braunkohleabbau ist eine Form von Gewalt«

Die Gruppe »Zucker im Tank« protestiert im Rheinland gegen die klimaschädliche Form der Energiegewinnung

  • Von Friederike Meier
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Bündnis »Ende Gelände« erwartet rund 6000 Teilnehmer zu seiner Aktion des massenhaften zivilen Ungehorsams im Rheinland. Was unterscheidet Sie vom Bündnis?
»Ende Gelände« ist eine Massenaktion, die von vielen Menschen organisiert wird. Mehrere Tausend Menschen werden teilnehmen. Wir mobilisieren eher Leute, die sich in Kleingruppen organisieren und die Aktionen nach ihren Vorstellungen gestalten. Wir unterstützen, indem wir möglichst viel Wissen sammeln und zur Verfügung stellen.

Ist Ihr Name »Zucker im Tank« als Aufruf zur Sabotage zu verstehen?
Wir rufen nicht zu konkreten Aktionsformen auf, sondern zur Selbstorganisation. Wir wünschen uns, dass Menschen ihre eigenen Aktionen nach ihren Vorstellungen planen und durchführen. Das heißt, wir haben selbst keinen Überblick über die geplanten Aktionen.

Unterscheiden Sie sich auch inhaltlich von »Ende Gelände«?
Was die Ziele angeht, unterscheiden wir uns nicht wesentlich. Wir versuchen klarzumachen, dass der Klimawandel nicht nur ein Problem hier vor Ort ist, sondern ein globales Problem. Für uns ist der Kampf gegen den Klimawandel auch ein feministischer und antirassistischer Kampf. Dadurch, dass vor allem die Leute vom Klimawandel betroffen sind, die ihn am wenigsten verursachen, wird der Kampf dagegen auch ein herrschaftskritischer.

Was fordern Sie im Bezug auf die Braunkohle?
Es ist auf jeden Fall wichtig, dass ein sofortiger Braunkohleausstieg stattfindet. Dazu braucht es einen Strukturwandel. Wir fordern, dass zum Beispiel die Struktur hier vor Ort im Rheinland so verändert wird, dass Menschen ihre Arbeitsplätze nicht verlieren.

Das Bündnis »Ende Gelände« hat sich einen Aktionskonsens gegeben, in dem es Eskalationen seinerseits ausschließt. Sie lehnen dies ausdrücklich ab. Warum?
Wir setzen darauf, dass Menschen ihre Aktionen eigenständig planen, nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen. Deshalb setzen wir keinen Aktionskonsens. Die Menschen müssen selbst entscheiden, wie sie ihre Aktionen planen und was ihnen wichtig dabei ist.

Sie schreiben auch, dass Sie nicht festlegen können, was Gewalt ist. Warum nicht?
Wir sehen andere Formen von Gewalt als die, die in der bürgerlichen Presse meistens genannt werden. Wir gehen nicht nur von eskalativer Gewalt aus, wir haben einen weiter gefassten Gewaltbegriff. Wir sehen zum Beispiel die strukturelle Gewalt, die durch den Abbau von Braunkohle und den dadurch vorangetriebenen Klimawandel entsteht. Es findet jeden Tag Gewalt statt, auch durch die Zerstörung der Landschaften hier und der Lebensgemeinschaften vor Ort. Auch Überschwemmungen und Hitzewellen sind für uns Formen von Gewalt. Deswegen können wir das nicht genau definieren.

Gewalt ist also etwas Negatives für Sie. Grenzen Sie sich von ihr ab?
Für uns ist die Form der Herrschaft, die durch den Braunkohleabbau ausgeübt wird, eine Form von Gewalt. Die Umsiedlung wird beispielsweise über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden. Dagegen stehen wir auf und leisten Widerstand.

Das heißt also, Sie erlauben den Teilnehmern Ihrer Aktion, selber zu definieren, was sie für Gewalt halten?
Oder was sie als legitim ansehen oder nicht. Wir erlauben gar nichts, weil die Menschen selbst entscheiden.

Es könnte also sein, dass die Aktionsteilnehmer Polizei oder Sicherheitsdienste angreifen?
Das gesamte Thema wird leider oft auf diesen Aspekt reduziert. Es gibt viele verschiedene Formen von Widerstand. Wie sich die Aktivisten verhalten, entscheiden sie selber und verantworten sie auch selbst.

Haben Sie nicht Angst, dass in den Medien nachher Berichte über eventuelle Gewalt im Vordergrund stehen und die eigentliche Botschaft untergeht?
Die meisten Aktionsgruppen schreiben Pressemitteilungen und äußern sich zu ihren Aktionen in der Hoffnung, dass die Presse auch die Inhalte benennt und nicht nur ein wiedergekautes Bild von Gewalttaten weitergibt.

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