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Deutscher Boxpräsident erwartet eine tolle WM - und einen Eklat

Schulden und Korruption: Jürgen Kyas stellt sich im Machtkampf beim Weltverband gegen den Präsidenten, ein Interimsvorstand wurde schon gegründet

  • Von Nikolaj Stobbe, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Jürgen Kyas war schon vor Beginn der Weltmeisterschaften der Amateurboxer in Hamburg in Kampfeslaune. Dem skandalumwitterten Präsidenten des Weltverbandes AIBA, Wu Ching-Kuo, wollte er am Donnerstagabend bei dessen erstem Auftritt in der Hansestadt zum Empfangsdinner in der Elbphilharmonie nicht von seiner Seite weichen. »Ich passe genau auf, dass Herr Wu immer die Wahrheit sagt. Wenn nicht, werde ich sofort eine Richtigstellung über die Medien herausgeben«, kündigte der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes DBV an.

Zehn Tage sind die besten Amateure der Welt an der Elbe zu Gast, mit ihnen kommen die Spitzenfunktionäre, sogar IOC-Präsident Thomas Bach wird erwartet. Kyas: »Es kann sein, dass es zum Eklat kommt.«

Die Stimmung ist explosiv, die Fronten verhärtet, seit Präsident Wu auf der Exekutivsitzung am 24. Juli in Moskau die Bombe platzen ließ. Rund 25 Millionen Euro Schulden soll die AIBA angehäuft haben. »Wenn die Gläubiger ihr Geld bei Gericht einfordern, sind wir pleite«, sagt Kyas. Und der K.o. rückt näher. Die Firma Bankons MMC, ein Großhandelsunternehmen aus Aserbaidshan, fordert bis zum 21. August 8,5 Millionen Euro. Der chinesische Investor Wu Di, der noch 15 Millionen Euro bekommen soll, hält seine Füße bislang still. »Viel Geld wurde verbrannt«, sagt Kyas, »es gibt den Verdacht, dass sich der ein oder andere bereichert hat.«

Wu, der unter Bach auch den Sprung in die IOC-Exekutive schaffte, soll es nicht sein. Doch der Taiwanese steht spätestens seit dem Treffen in Moskau am Pranger. Statt die Schuldenmisere zu erklären, beschimpfte der 70-Jährige auf dem Kongress die Delegierten. »Das hat mich sehr erschreckt. Meine Unterstützung hat er nicht mehr«, sagte Kyas, Mitglied der mächtigen AIBA-Exekutive. Auch bei der bevorstehenden Änderung des Olympiaprogramms erwies sich Wu als wenig kollegial. Da laut IOC die Frauenquote gesteigert werden soll und zwei Gewichtsklassen der Männer wegfallen, strich Wu kurzerhand die zwei kleinsten Klassen. »Das hat er nicht mit uns abgestimmt«, sagt Kyas.

Noch in Moskau kündigten 13 von 15 Exekutivmitgliedern Wu die Gefolgschaft und gründeten einen Interimsvorstand. 81 Länder sollen dem so genannten Interim Management Committee folgen. Der Machtkampf ist wenige Tage vor den Weltmeisterschaften in vollem Gange. Die Büroräume der AIBA in Lausanne wurden geschlossen, ein Gericht wird entscheiden, wie es weitergeht - nach den Titelkämpfen.

Kyas hat nun die Aufgabe, das Theater von »seiner« WM fernzuhalten. »In Hamburg läuft alles nach Plan«, sagt der Präsident, dessen Verband nach 1992 und 1995 wieder Welttitelkämpfe ausrichten darf: »Wir sind uns mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Stadt Hamburg einig: Es wird eine tolle WM.« SID/nd

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