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Es tropft

Shabazz Palaces

Wenn die musikalische Vergangenheit sehr ähnlich klingt wie die Gegenwart, dann hat wer noch mal ein Problem? Die Künstler? Die Fans? Die Kritiker? Niemand?

Shabazz Palaces’ mit hübschen Häckselsounds daherkommendes Debüt »Black Up« wurde in seinem Erscheinungsjahr 2011 von anspruchsvolleren Rap-Connaisseuren empfangen wie der Messias von seinen Jüngern, was vielleicht ein bisschen übertrieben war. Interessanter, weil musikalisch freigeistiger und textlich vielgestaltiger als »Black Up« war freilich das neo-afrofuturistische Nachfolgealbum des Duos aus Seattle. »The lesser rapper must contend with lying to himself«, rappte Ishmael Butler aka Palaceer Lazaro in guter alter Rapper-Angebermanier auf »Lese Majesty«, nach normalem HipHop klang das deshalb noch lange nicht.

Butlers nasale Stimme war mithilfe des »Pitchshifters« ins Unkenntliche verfremdet. Tropfend, schleppend, dröhnend, raschelnd ging’s hier zu, wie in einer Welt, in der man seinen hart verdienten Sommerurlaub nun nicht gerade zwingend verbringen wollte. Aber zuhören bzw. zugucken, wie im außerweltlichen Sound der Platte zu desorientierten Beats und flirrend-fiependen Kleinigkeiten Geschichten von Drogendealer-Machtstrukturen, Aliens, Ägypten und der Zukunft im Allgemeinen erzählt wurden, musste man natürlich unbedingt.

Wer »Lese Majesty« verschlafen hatte, hatte, in anderen Worten, den Film des Jahres 2014 verpasst. Womit wir bei gleich zwei zentralen Problemen der ambitionierten Zwillingsplatten »Quazarz vs. The Jealous Machines« und »Quazarz: Born On A Gangster Star« wären. Zweifellos hätten sich Butler und der Multiinstrumentalist Tendai Maraire mit diesem aus 23 Stücken bestehenden Werk gern selbst übertroffen. Auf Textebene haben sie sich deshalb eine konzeptuelle Sci-Fi-Geschichte ausgedacht. Dummerweise zeichnet die sich vor allem durch ihren Mangel an Fantasie aus. Oder weshalb muss es jetzt unbedingt der Außerirdische »Quazarz« sein, der auf einen weit entfernten Planeten mit dem tödlichen Namen »Amurdaca« geschickt wird, um dort was zu entdecken? Genau: ein Spiegelbild der Erde. Gewalt, Rassismus, alternative Fakten, wohin er schaut. Wie langweilig. Und musikalisch? Bleiben Shabazz Palaces prompt an der eigenen Messlatte hängen. Was daran liegt, dass die Tracks der neuen Alben wie Zitate von »Lese Majesty« klingen: Abermals schleppt und tropft und dröhnt es auch für HipHop-Verhältnisse des Jahres 2017 wunderlich seltsam. Butler arbeitet abermals nicht mit Autotune, um seiner Stimme diesen merkwürdigen außerirdischen Dreh zu verpassen. Der Zeitgeist ist also nicht das Problem, so oder so nicht. Im Gegenteil: Was Shabazz Palaces können, können nur Shabazz Palaces. Das ist die gute Nachricht.

Shabazz Palaces: »Quazarz Vs. The Jealous Machines« & »Quazarz: Born On A Gangster Star« (Sub Pop/Cargo)

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