Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

CDU stimmt mit AfD für »Linksextremismus«-Enquete

Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt nutzt Landtag für »Rufmord«-Kampagne gegen Zivilgesellschaft / Grüne: Rechte Ideologie soll verharmlost werden

  • Von Hendrik Lasch, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Ärger äußert sich in einem knappen Satz. »Darüber wird zu reden sein«, sagt Conny Lüddemann, die Fraktionschefin der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt. Zuvor hatten große Teile der CDU-Fraktion, mit der Grüne und SPD eine Koalition bilden, gemeinsame Sache mit der AfD gemacht und dieser zur Einsetzung einer Enquetekommission zum Thema Linksextremismus verholfen – obwohl ihre Zustimmung nicht nötig gewesen wäre: Die auch nach drei Austritten noch 22-köpfige AfD-Fraktion verfügt allein über die erforderliche Zahl von Abgeordneten.

Damit erfüllte sich bereits bei der Einsetzung eine Warnung, die der Politikpsychologe Thomas Kliche von der Hochschule Magdeburg-Stendal zuvor im MDR ausgesprochen hatte: Der Antrag der Rechtspopulisten sei als »Stolperfalle« für andere Parteien und namentlich die CDU gedacht. Dort betonte man auch in der aktuellen Debatte, gegen »jegliche Form von Extremismus« zu sein – und manövrierte sich damit in eine Position, die eine Enthaltung schwer begründen lässt. Die AfD errichtete in ihrem Antrag den Popanz eines enorm um sich greifenden Linksextremismus, dessen Gewalttaten »stark zugenommen« hätten, dessen Ausmaß aber in der Öffentlichkeit »beschwichtigt« werde. Fraktionschef André Poggenburg sprach in der Debatte von »roten Horden«, die »nationale Oppositionelle« überfielen.

Die Regierungsparteien Grüne und SPD hatten ebenso wie die LINKE gegen den Antrag geredet. Der Linksextremismus zähle »nicht zu den Herausforderungen des Landes«, sagte Lüddemann; das Gremium binde »unnötig Ressourcen und Geld«. Nach Angaben des Innenministeriums gab es 2016 in Sachsen-Anhalt 281 politisch links motivierte Straftaten, aber 1660 aus dem rechten Spektrum – mit dem die AfD eng verbandelt ist, wie der SPD-Politiker Rüdiger Erben betonte: Die Partei wolle »von personellen Verflechtungen« mit Rechtsextremen ablenken und zudem zivilgesellschaftliche Akteure »einschüchtern«, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagierten.

Diese Zielrichtung offenbart der Antrag der AfD unverblümt. Dort ist die Rede von Vereinen der Zivilgesellschaft, bei denen zu prüfen sei,ob sie tatsächlich linksradikale oder linksextreme »Tarn- und Vorfeldorganisationen« seien. Die Passage dürfte etwa auf den Magdeburger Verein »Miteinander« und auf Opferberatungen gemünzt sein. Untersucht werden sollten zudem »Überschneidungen« zwischen Linksextremismus und Parteien im Landtag – die Rede ist von der »linken Mitte« solcher Parteien. Henriette Quade von der LINKEN sieht die Fortsetzung einer »Diffamierungskampagne« gegen der AfD missliebige Initiativen. Der Politikpsychologe Kliche sagte im MDR, es gehe um »Rufmord« an Vereinen der Zivilgesellschaft. Der Wissenschaftler bescheinigte der Partei eine »Technik des politischen Anpinkelns«.

Dieser unappetitliche Vorgang hat mit tatkräftiger Mithilfe der CDU nun im Landtag für längere Zeit ein politisches Gremium gefunden. Die Kommission, der zwölf Mitglieder aller Fraktionen sowie Sachverständige angehören werden, soll im Januar 2018 ihre Arbeit aufnehmen und zwölf Monate später einen Abschlussbericht vorlegen. Ob sich der Schulterschluss zwischen AfD und CDU in der praktischen Arbeit fortsetzt, wird abzuwarten sein.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln