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Hauptsache Europäer

In mehreren EU-Ländern wollen Briten einen weiteren Pass beantragen

  • Von Ralf Klingsieck
  • Lesedauer: 2 Min.

Den rund 3 Millionen EU-Ausländern in Großbritannien stehen 1,3 Millionen Briten gegenüber, die in EU-Ländern leben. Am zahlreichsten sind sie in Spanien (308 000) und Irland (254 000), gefolgt von Frankreich (185 000) und Deutschland (103 000).

Im Schnitt beabsichtigen zwei Drittel von ihnen, zusätzlich zu ihrer britischen Staatsangehörigkeit die eines anderen EU-Landes anzunehmen, um EU-Bürger zu bleiben und nicht die damit verbundenen Vergünstigungen zu verlieren. Doch das ist nicht überall möglich. Neun der 28 EU-Länder erlauben keine doppelte Staatsangehörigkeit. Am leichtesten ist es in Irland, wo es für die umgehende Ausstellung eines Passes reicht, im Stammbaum irische Urgroßeltern nachzuweisen. Das ist bei jedem zehnten Briten der Fall. Ähnlich großzügig ist Italien mit Briten, die italienische Vorfahren haben.

Wo ein mehr oder weniger kompliziertes Einbürgerungsverfahren vorgeschrieben ist, bilden meist die Sprachprüfungen die höchste Hürde. Viele Briten waren bisher davon überzeugt, dass sie überall in Europa Englisch als Arbeitssprache benutzen können und dass fürs tägliche Leben rudimentäre Kenntnisse der Landessprache reichen. Beispielsweise beherrscht von den 6500 in Luxemburg lebenden Briten kein einziger das relativ schwierige Luxemburgisch. Ähnlich sieht es mit Sprachen wie Ungarisch, Griechisch oder Estnisch aus.

In Deutschland gibt es eine Vorzugsbehandlung für Briten, deren jüdische Vorfahren von den Nazis vertrieben wurden. Sie besitzen ein durch das Grundgesetz verbrieftes Recht auf die deutsche Staatsangehörigkeit. In den Familien wird das aber oft nicht gern gesehen. »Als ich meinem Vater erzählt habe, dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit beantragen will, meinte er: Dein Großvater würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste«, erzählt der britische Schriftsteller Thomas Harding. »Aber dann hat er mir sofort geholfen, die nötigen Papiere zusammenzusuchen.« Er ergänzt: »Ich bin Deutschland dankbar dafür, wie es heute die Nachfahren der Vertriebenen behandelt.«

Letztes Jahr hat Harding unter dem Titel »The House by the Lake« ein Buch über die wechselvolle Geschichte des Hauses seiner Familie in Berlin veröffentlicht. Als Harding das heruntergekommene Haus rückübertragen bekam und er es vor dem Abriss bewahren konnte, entschied er, daraus eine Stätte der Begegnung und Versöhnung zu machen. »Der Brief über die Gewährung der Fördergelder, die ich dafür bei den deutschen Behörden beantragt hatte, kam am Tag nach dem Votum der Briten über den Brexit.«

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