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Kraftvoll auf den letzten Metern

Dank ihrer Spurtstärke behaupten die deutschen Kanuten in Racice mit sechs WM-Titeln ihre Vormachtstellung

  • Von Frank Kastner, Racice
  • Lesedauer: 3 Min.

Die deutschen Kanuten konnten sich bei den Weltmeisterschaften auf ihre Spurtqualitäten verlassen und erlebten in Racice als erfolgreichste Nation wahre Festspiele. Auffällig: Fast alle deutschen Medaillen wurden dank starker Endspurts erkämpft. »Generell ist es so, dass wir ein sehr gutes Grundlagenniveau haben und hintenraus noch richtig was draufpacken können«, bilanzierte Sportdirektor Jens Kahl am Sonntag noch vor dem WM-Abschluss mit dem 5000-Meter-Rennen im Einer-Canadier, in dem Sebastian Brendel dann noch sein drittes Gold holte und damit die deutsche Bilanz auf sechs WM-Titel steigerte. Dazu kamen zwei Silbermedaillen und eine Bronzeplakette.

Brendel stach heraus aus dem deutschen Team. Der 29-Jährige bezwang auf seiner Paradestrecke über 1000 Meter im Canadier-Einer erneut den Tschechen Martin Fuksa und schaffte nach 2014 und 2015 den WM-Hattrick. Am Sonntag gewann er vor seinem Triumph auf der langen Strecke auch Gold im nicht-olympischen Canadier-Vierer: Mit Conrad Scheibner, Stefan Kiraj, und Jan Vandrey war der Potsdamer im Schlussspurt nach 1000 Metern erneut nicht zu bezwingen. »Ein schönes Gefühl, mit einem Mannschaftsboot Medaillen zu feiern«, sagte Brendel. Er trug bei der Siegerehrung ein T-Shirt mit der Aufschrift »Welcome Sebastian Queiroz«. Damit dankte er dem WM-Dritten Isaquias Queiroz aus Brasilien, der seinen vor der WM geborenen Sohn aus Respekt »Sebastian« getauft hatte. »Das ist eine große Ehre für mich.«

Mit viel Raffinesse fuhr der Canadier-Zweier über 1000 Meter mit Yul Oeltze und Peter Kretschmer zu Gold. Die Europameister, die sich in der internen Qualifikation gegen die Olympiasieger Brendel und Vandrey durchgesetzt hatten, bezwangen erst auf den letzten Metern die Kubaner Serguey Torres und Fernando Jorge. Sie hatten gepokert. »Wir wollten unbedingt auf eine Außenbahn«, meinte der Leipziger Kretschmer. »Eine taktische Meisterleistung von den beiden, dass sie über die Vorläufe auf eine Außenbahn kommen, weg von den Favoriten, damit sie ihr eigenes Rennen fahren können«, lobte Kahl. Dabei verließen sich Oeltze und Kretschmer auf ihre Kräfte. »Ich wusste, dass wir beide im Endspurt sehr, sehr stark sind. Wir hatten Selbstvertrauen und genug Arroganz im Rennen, um das hier auszuspielen«, sagte der Magdeburger Oeltze. Sein Partner Kretschmer fügte an: »Wir haben gehofft, dass die anderen dann einbrechen.« Auch Brendel - in Rio noch Olympiasieger mit Jan Vandrey in dieser Bootsklasse - sah das Rennen live. »Ein gut eingeteiltes Rennen, sie haben ihren Stärken vertraut. Aber nächstes Jahr greife ich mit Jan wieder an, dann müssen wir uns gegen die Weltmeister durchsetzen«, kündigte er an.

Die erste Medaille mit Bronze am Sonntag hatte für die Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) der Kajak-Vierer mit Tamas Gecsö, Lukas Reuschenbach, Kostja Stroinski und Kai Spenner im bis Rio noch olympischen Wettbewerb über 1000 Meter geholt. Dann kam zum Abschluss die Stunde des Kajak-Vierers. In der ab Tokio 2020 olympischen Disziplin paddelten die Olympiasieger Max Rendschmidt und Tom Liebscher sowie Ronald Rauhe und Max Lemke zum Titel über 500 Meter vor Spanien und Tschechien. Ihre Zeit von 1:17,734 Minuten bedeutete als Krönung einen Weltrekord. Der deutsche Vierer hatte erst im Mai beim Weltcup in Szegedin in der gleichen Besetzung in 1:18,748 Minuten für eine Bestmarke gesorgt.

Bereits am Sonnabend hatte Tom Liebscher mit einem beherzten Schlussspurt überraschend Gold im Kajak-Einer über 1000 Meter gewonnen. »Ich hatte noch Körner«, meinte der 24-Jährige, der nahe seiner Heimat Dresden von etwa 100 mitgereisten Fans lautstark unterstützt wurde. »Das konnte keiner ahnen. Ich habe vor dem Rennen höchstens mit einer Medaille geliebäugelt, unglaublich«, sagte der Sieger. Und DKV-Chef Konietzko applaudierte: »Wahnsinn, da findet man keine Worte.«

Zwei Mal Silber gab es dann für die Olympiazweiten Franziska Weber und Tina Dietze: Erst im Kajak-Zweier über 500 Meter, dann am Sonntag im Vierer mit Sabrina Hering und Steffi Kriegerstein hinter den ungarischen Olympiasiegerinnen. Dritte wurden die Neuseeländerinnen. dpa/nd

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