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Es bröckelt

Mehr Felsrisse und Steinschlag stören die Wanderlust

  • Von Christiane Oelrich, Zürich
  • Lesedauer: 3 Min.

Wandern im Hochgebirge - für die Permafrostforscherin Marcia Phillips vom Schweizer Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) in Davos ist das Beruf und Leidenschaft zugleich. »Ich gehe jedes Wochenende«, sagt sie. »In gewissen Gegenden im Hochgebirge wird es einem aber schon manchmal mulmig.« Warum? »Man entdeckt Risse in den Felsen oberhalb von 3500 Metern, die vorher nicht da waren, das sieht man nun sehr häufig.«

Risse können höchst gefährlich werden, sagt die Expertin. Solange das Gestein gefroren ist, sind solche Risse mit Eis gefüllt. Wenn aber die Temperaturen steigen, wird die Verbindung Fels-Eis schwächer. Schmilzt das Eis, kann Wasser in die Spalten dringen. »Da kann sich enormer Druck aufbauen, weil das Wasser nicht abfließen kann«, sagt Phillips. »Und wenn das Wasser gefriert, entsteht besondere Sprengkraft.«

Die Erwärmung infolge des Klimawandels beschleunigt das. »Ein Bergsturz wie im Bondasca-Tal ist extrem selten«, sagt Phillips. »Kann gut sein, dass wir das in unserem Leben nicht noch einmal sehen.« Stabile Felsen brauchen aber Permafrost, also gefrorene Felswände, die deutlich unter Null Grad bleiben. Nach ihren Messungen erwärmt sich der Permafrost jedoch, in Höhen von 2500 bis 3000 Metern teils schon auf nahe Null Grad. »Kleinere Steinschläge gibt es deshalb öfter, vor allem, wenn große Niederschläge auf Hitzesommer folgen«, erklärt die Forscherin.

Das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit will die wachsende Gefahr diesen Herbst mit Geologen in Augenschein nehmen. »Keine Frage, die Steinschlaggefahr hat sich durch die Erwärmung erhöht«, sagte Präsident Karl Gabl. »Die Frage ist: Wie kann man das Risiko reduzieren? Wir können ja nicht die ganzen Alpen sperren.« Zum einen mit Aufklärung: Steinschlaggefährdete Rinnen müssten schnell durchquert werden. Aber Alpinvereine müssten auch überlegen, in bestimmten Regionen die ausgezeichneten Wanderwege zu verlegen. »Wir müssen Lösungen finden, wie man mit möglichst geringem Risiko unterwegs sein kann«, sagt Gabl.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) mit mehr als einer Million Mitglieder führt Unfallstatistiken. Danach liegt die absolute Zahl der Unfälle und Notfälle, überwiegend in den Alpen, seit einigen Jahren knapp unter 900. Da aber jedes Jahr mehr Menschen unterwegs sind, nehme die Unfallrate tatsächlich ab, sagt Sicherheitsforscherin Julia Janotte.

Steinschlag oder andere Naturereignisse passieren so selten, dass sie in der Statistik gar nicht auftauchen. »Die häufigsten Unfallursachen sind Umknicken, Stolpern, Stürzen«, sagt Janotte. Zwei Drittel der Unfälle gehen darauf oder auf Kreislaufprobleme oder andere gesundheitliche Faktoren zurück. 23 Prozent der Bergrettungen waren 2015 nötig, weil Menschen sich überschätzt oder verlaufen hatten und erschöpft waren. Bei den Bergsteigern, die mit besonderem Gerät in Klettersteigen oder auf Höhentouren unterwegs sind, entfallen auf diese Kategorie sogar fast 40 Prozent.

»Seit ich mich hier mit dem Thema Sicherheit beschäftige, bin ich sensibler geworden für die Gefahren«, sagt Janotte, selbst oft in Klettersteigen unterwegs. »Bevor ich losgehe, informiere ich mich über Gebiete, die gefährlicher sind, ich trage einen Helm und gehe dicht am Wandfuß. Es wäre fahrlässig, da drei Meter vom Berg entfernt die Picknickdecke auszubreiten.« dpa/nd

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