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Mit gutem Gewissen gut essen

60 000 Besucher beim zehnten veganen Sommerfest auf dem Alexanderplatz

  • Von Felix von Rautenberg
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Wochenende fand auf dem Alexanderplatz das zehnte vegane Sommerfest statt. Von Freitag bis Sonntag konnten sich die rund 60 000 Besucher des größten veganen Festivals Europas über Tierschutz sowie rein pflanzliche Ernährung bei Vorträgen und an über 100 Ständen erkundigen. Gleichzeitig konnten sie sich dabei auch noch satt essen.

Vegan ist, wer bei seiner Ernährung auf alle tierischen Produkte verzichtet. Nach Angaben des Bundesverbandes für Vieh und Fleisch essen die Deutschen im Jahr pro Kopf rund 60 Kilo Fleisch. Nach Schätzungen der Heinrich-Böll-Stiftung verbraucht ein Bundesbürger so im Laufe seines Lebens zwischen 635 und 715 Tiere. Die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch verursacht einen Schadstoffausstoß von 36 Kilogramm Kohlendioxid. In etwa so viel produziert ein durchschnittliches Auto bei einer 250 Kilometer langen Fahrt.

Die Studentin Lisa Goslinowsky findet, das sei zu viel. »Die vegane Ernährung ist keine Sache des Einkommens oder Lifestyles«, sagt sie. »Es ist eine Menschheitsfrage. Wollen wir unseren Planeten weiterer herunterwirtschaften, nur, weil wir zu faul sind, unsere Essensgewohnheiten zu ändern, anstatt nach Alternativen zu suchen?« Sie und ihre Freundinnen, die zwischen den Infoständen auf dem Alexanderplatz stehen, verzichten seit zwei Jahren auf alle tierischen Produkte und haben das Festival schon im letzten Jahr besucht. Goslinowsky sagt: »Wir haben uns die ganzen Wochen darauf gefreut. Hier bekommt man prima Anregungen für Gerichte. Man kann sehr lecker essen und sich super austauschen.«

Das Festival, das vom Vegetarierbund Deutschland, dem Tierrechtsbündnis »Berlin-Vegan« und der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt ehrenamtlich organisiert wird, findet seit 2007 jährlich statt. Vor Einkaufszentren, Drogerien und Kleidungsgeschäften wollen die Veranstalter ihre Ideen in die Mitte der Gesellschaft transportieren.

Die sonst für den Alexanderplatz so typischen Bratwurststände mussten den 108 Ständen der Aussteller weichen. Das Festival wurde durch einen Auftritt des Popsängers Jamie-Lee und Kochshows begleitet.

Der Politologe Bernd Landwig referierte über Gerechtigkeit für Tiere, während Besucher des Festivals vegane Schwimmkleidung und Bettwäsche aus Hanf kaufen konnten. An jedem Verkaufsstand wurden die Besucher über die Herstellung der Produkte informiert. So gab es gute Beratungen, woher die Stoffe oder Zutaten kommen. Sie sind zwar vegan, müssen aber oft importiert werden. Neben den Restaurants und Händlern, deren Reklametafeln sonst das Straßenbild der Innenstadt zieren, gab es auch 34 Infostände, die die Besucher über das traurige Leben der zum Schlachten und für den Konsum ausgebeuteten Tiere aufklärten. Am Stand der internationalen Tierrechtsorganisation »Animal Equality« gab es sogar eine VR-Brille, die sich die Besucher aufsetzen konnten, um in einem 360-Grad-Video zu sehen, wie es Milchkühen in engen Gattern ergeht.

Gerade in Berlin leben immer mehr Menschen vegan. In etlichen Reiseführern wird die Stadt sogar als vegane Hauptstadt Europas bezeichnet. Die Nachfrage nach veganen Produkten ist immens. Dass diese Produkte jedoch nicht für jedermann erschwinglich sind, zeigen Preisschilder der Stände auf dem Festival.

Auf die Frage, wie sich die vegane Ernährung mit dem eigenen Budget vereinbaren lässt, sagt die Studentin Goslinowsky: »Es ist nicht billig, im Biosupermarkt einzukaufen. Doch wenn man Bilder wie die von den Kühen sieht, fühlt sich jedes Glas Milch einfach falsch an. Da investiere ich lieber ein bisschen mehr Geld in meine Sojaprodukte, anstatt das ich so was unterstütze.«

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