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Verschwunden am hellichten Tag

Argentinier verlangen Auskunft über Schicksal des verschleppten Aktivisten

  • Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

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Santiago Maldonado bleibt verschwunden. Der 28-jährige Kunsthandwerker war bei einer Räumungsaktion in der argentinischen Provinz Chubut von Polizeikräften verschleppt worden. Mehrere Augenzeugen berichteten, wie Maldonado in ein Fahrzeug gesperrt und abtransportiert worden war.

Mit ihren Protestaktionen kämpft die indigene Mapuchegemeinschaft Lof Cushamen in Chubut um die Rückgabe ihrer angestammten Ländereien, die sich heute im Besitz der Holding »Tierras Sud Argentino« befinden, besser bekannt unter dem Namen des Textilherstellers Benetton. Maldonado, selbst kein Mapuche, hatte sich den Protesten angeschlossen. Seit der Räumungsaktion am 1. August ist er verschwunden.

Seit Monaten ist die Lage in der Region angespannt. In den südlichen Provinzen Neuquén, Río Negro und Chubut leben rund 100 000 Mapuche. Selten dringen die Proteste der Mapuche in die Schlagzeilen der Hauptstadtpresse, doch Verschwundene rufen die grausame Erinnerung an die Militärdiktatur wach. Vor zwei Wochen waren Zehntausende zur Plaza de Mayo im Zentrum von Buenos Aires gezogen und protestierten gegen Maldonados Verschleppung. Zugleich machten sie die Regierung von Präsident Mauricio Macri für das Verschwinden mitverantwortlich.

Am Wochenende machte Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel ebenfalls die Regierung verantwortlich. »Der Staat ist der direkt Verantwortliche, und er hat alles durch Verschleierung noch verschlimmert«, sagte Pérez Esquivel und kritisierte damit die Informationspolitik von Sicherheitsministerin Patricia Bullrich. Die hatte behauptet, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Gendarmerie in das Verschwinden von Maldonado verwickelt sei, obwohl ein Video das Gegenteil zeigt.

Ende 2016 machte der Journalist Horacio Verbitsky in der Tageszeitung »Página/12« einen Bericht des Sicherheitsministeriums bekannt, der sich mit den »Problemen auf den Gebiet der Mapuche« beschäftigt. Darin werden die Argumentationen von Ölfirmen übernommen, die die Aktionen der Mapuche vor allem im Gebiet von Vaca Muerta in der Provinz Neuquén als »widerrechtliche Anmaßungen« definieren.

Angehörige der Mapuche, Amnesty International und zahlreiche andere Menschenrechtsorganisationen kritisierten den Bericht als Freibrief für das Vorgehen der Sicherheitskräfte und warnten vor Militarisierung und Eskalation der Repression in der Region. In Vaca Muerta werden die weltweit zweitgrößten Öl- und Gasvorkommen für Fracking vermutet.

Im Juni riegelten mehrere Hundertschaften der Polizei die Mapuchegemeinschaft Campo Maripe im Gebiet von Vaca Muerta vorübergehend ab. Sie eskortierten die Mitarbeiter der staatlichen Ölgesellschaft, die Bohrungen für ein anschließendes Fracking durchführte. »Sie drangen ohne vorherige Absprache und ohne richterliche Erlaubnis in unser Territorium ein«, erklärte der Rat der Mapuche in Neuquén. Ende Juli riefen elf Mapuchegemeinschaften den Alarmzustand aus. Sie kritisierten die Kriminalisierung ihres Widerstands und die Politik der Regierung, die den Firmen zur Ausbeutung ihrer Ländereien verhilft und dazu Polizei und Gendarmerie einsetzt.

In Fall des Verschwundenen Maldonado musste Justizminister Germán Garavano am Dienstag einräumen, dass es keinerlei Fortschritte bei der Aufklärung gebe. »Ich habe die Hoffnung, dass er noch lebt«, so Garavano, der im Gegensatz zu Sicherheitsministerin Bullrich nicht ausschließen wollte, dass die Gendarmerie in das Verschwinden verwickelt sein könnte.

Am Freitag soll es um 16 Uhr auf dem Berliner Wittenbergplatz eine Solidaritätsaktion zu Maldonado geben.

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