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Das nächste Ziel heißt Deir Ezzor

Syrische Armee mit libanesischen Kräften erfolgreich im Kampf gegen IS / Israel droht mit Bomben auf Damaskus

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 4 Min.

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Ein nahezu historisches Foto machte Anfang der Woche in arabischen Medien die Runde. Im libanesisch-syrischen Grenzgebirge Qalamoun waren Soldaten aufmarschiert, die die libanesische und die syrische Nationalfahne hielten - und die Fahne der Hisbollah, der schiitischen »Partei Gottes« in Libanon. Die Hisbollah stellt in Libanon de facto die stärkste militärische Kraft dar und unterstützt seit Jahren im Nachbarstaat Syrien die Regierungsarmee im Kampf gegen dschihadistische Milizen und andere regierungsfeindliche Formationen.

Soldaten aller drei Armeen hatten in den letzten Wochen bei der Vertreibung von rund 400 verbliebenen Kämpfern des »Islamischen Staates« (IS) kooperiert. Die libanesische Armee griff die Stellungen von Libanon aus an, die syrische Armee und die Hisbollah rückten von Syrien her vor.

Nach einer von der Hisbollah vereinbarten Waffenruhe ergaben sich die IS-Kämpfer am vergangenen Wochenende und wurden am Montag mit ihren Familien in Richtung Abu Kamal im Osten Syriens (Provinz Deir Ezzor) abtransportiert. Begleitet wurden sie vom Syrischen Arabischen Roten Halbmond.

Hisbollahführer Hassan Nasrallah bezeichnete den 28. August 2017 - nach dem Abzug der israelischen Truppen im Mai 2000 - als zweiten Tag der Befreiung Libanons, »ob die libanesische Regierung das anerkennt oder nicht.« Der IS habe keine Alternative gehabt, als sich der Hisbollah zu ergeben, so Nasrallah. Ziel des Kampfes im Qalamoun sei nicht »die Befreiung von 140 Quadratkilometern libanesischen Territoriums«, es gehe um die Befreiung des gesamten Libanon von Terroristen.

Nach der Rückeroberung des Qalamoun im Westen Syriens konzentriert die syrische Armee sich mit ihren Verbündeten Russland, Iran und Hisbollah auf die Befreiung von Deir Ezzor und die Sicherung der Grenzen im Osten und Süden des Landes. Stündlich treffen neue Meldungen von der Front ein, der Vormarsch auf Deir Ezzor erfolgt in drei Kolonnen von Rakka durch das Euphrattal, von Tadmur/Palmyra und von Badiya im Südosten, erklärte Brigadegeneral Mohamed Deeb im Gespräch mit der Autorin in Ithfariya. Der kleine Ort liegt in der Wüste östlich von Homs an der Straße nach Rakka. Schon bald werde man an die Tore von Deir Ezzor klopfen, so der General. Am nächsten Tag waren die syrischen Truppen bis auf 70 km an Deir Ezzor herangerückt.

In Vorbereitung auf die nächsten Astana-Gespräche kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in Kuwait die Einrichtung eines vierten Deeskalationsgebietes in Idlib an. Er hoffe, dass die rechtlichen Grundlagen für die Vereinbarung Mitte September in Astana unterzeichnet werden könnten. Die an die Türkei grenzende Provinz Idlib wird aktuell von der Nusra-Front kontrolliert, die sich in einem blutigen Machtkampf gegen andere Kampfverbände durchgesetzt hat. Die Nusra-Front, die von Katar und der Türkei unterstützt wird, könnte von ihren Sponsoren dazu angehalten worden sein, sich moderat zu geben und auf eine Vereinbarung einzulassen. Das würde auch bedeuten, dass die großzügig fließende humanitäre Hilfe nach Idlib, u.a. von der Bundesregierung, nicht eingestellt wird.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versucht derweil, eigene Interessen bei der zukünftigen Machtbalance in Syrien durchzusetzen. Bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres beschuldigte er am Dienstag Iran, in Syrien und Libanon Raketenfabriken zu bauen, um Israel zu zerstören. »Israel wird das nicht akzeptieren, und auch die UN sollten das nicht akzeptieren«, sagte Netanjahu. Sollte Iran sich weiter in Syrien einmischen, werde Israel,ohne andere zu fragen, den syrischen Präsidentenpalast bombardieren. Ähnlich soll sich Netanjahu bereits bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert haben. Der soll entgegnet haben, Iran sei der wichtigste Verbündete Russlands in Syrien und im Mittleren Osten und werde das bleiben.

Jordanien befindet sich auf neuem Annäherungskurs an Syrien. Der jordanische Regierungssprecher Mohamed Momani erklärte am Freitag im jordanischen Fernsehen, die jordanischen Beziehungen mit Syrien gingen »in die richtige Richtung«. Entlang der Grenze beider Länder sei es ruhig und die Lage stabil. Man hoffe, die jordanisch-syrischen Grenzübergänge bald wieder öffnen zu können. Momani, der auch als jordanischer Informationsminister fungiert, sprach von einer »sehr wichtigen Botschaft, die jeder hören sollte.«

Anlässlich des bevorstehenden Eid al-Adha, dem islamischen Opferfest, strömen seit Tagen Tausende syrischer Flüchtlinge aus der Türkei zurück in ihre Heimat, um das Fest mit ihren Angehörigen zu feiern. 44 000 Menschen wurden am Grenzübergang Bab al-Salameh, nördlich von Azaz registriert. Nach dem Fest könnten die Menschen wieder in die Türkei zurückkehren, teilten türkische Grenzbehörden mit. Die Menschen besuchen Angehörige in Azaz, Dscharabulus, Al-Bab und anderen Orten im Umland von Aleppo, die von der Türkei besetzt sind oder von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, die von der Türkei unterstützt werden.

Hunderte Lastwagen mit humanitärer Hilfe haben in den vergangenen Tagen in nahezu allen Teilen des Landes Menschen versorgt. Eid al-Adha beginnt am Freitag und dauert vier Tage. Es gilt als höchstes Fest im Islam.

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