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Frühdunst des Grauens

Die Serie »Der Nebel« wagt eine Mischung aus »Lost« und »The Fog«

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Wer »The Fog« sagt, denkt rasch an einen der bekanntesten Horrorfilme des Genres aus jener Zeit, da es noch mühsam um Reputation zu kämpfen hatte. Als »Nebel des Grauens« waberte er Anfang der Achtziger auch durchs deutsche Kino und sorgte bei entsprechender Wetterlage selbst außerhalb des Kinos noch für Unbehagen. »The Fog«, das steht seither für die sichtbar unsichtbare Gefahr vor der eigenen Nase und unterscheidet sich somit nicht nur etymologisch vom Begriff »The Mist«, der eher leichten Frühdunst bezeichnet als dichten Nebel. So in etwa kann man sich das Verhältnis einer neuen Netflix-Serie zu Carpenters Klassiker vorstellen.

Im Gegensatz zum rachsüchtigen »The Fog« nämlich ist Christian Torpes mysteriöser »The Mist« doch etwas dünn geraten, besser: dick. Ziemlich dick aufgetragen nämlich, aber doch ein klein wenig substanzlos. Frei nach Motiven der gleichnamigen Novelle des literarischen Genre-Superstars Stephen King erreicht der Zehnteiler zumindest anfangs nie die traumatisierende Wucht des Vorbildes, von dem er unverkennbar zehrt.

Wie einst im kalifornischen Küstennest Antonio Bay nämlich rollt die merkwürdige Nebelbank nun auf die fiktive Kleinstadt Bridgeville zu und führt Böses im Wasserdampf. Zuvor aber werden die handelnden Charaktere eingeführt. Familie Copeland zum Beispiel, deren kontrollsüchtige Mutter Eve (Alyssa Sutherland) dem nachsichtigen Vater Kevin (Morgan Spector) die Hölle heißmacht. Dieser hatte der sechzehnjährigen Tochter Alex (Gus Birney) absprachewidrig erlaubt, auf die Siegesfeier des örtlichen Footballstars Jay (Luke Cosgrove) zu gehen, der später in Verdacht gerät, das Mädchen vergewaltigt zu haben, was eine Kettenreaktion provinzieller Befindlichkeiten auslöst. Das ist vom Vater des Verdächtigen in Gestalt von Polizeichef Heisel (Darren Pettie) über einen GI mit Gedächtnisverlust bis hin zur Kriminellen auf Entzug durchaus gut gespielt. Wäre da nur nicht der Frühdunst, auch wenn ihn der deutsche Titel doch wieder zum »Nebel« aufbläst.

Während die Protagonisten ihr Hinterland-Dramolett aus Nachbarschaftszank, Nepotismus und Kleingeist (zumindest im Originalton) glaubhaft machen, wird der Nebel oft drübergekippt wie Geigensoße auf Pilcher-Sülze. Als berge er nicht nur das Böse, sondern auch noch ein kleines Orchester, wird jede Gefahr darin mit plötzlichem Crescendo angekündigt. Die Schockelemente wirken vielfach selbstreferenziell. Der Freak, die Schöne, das Sport-Ass plus feiger Bulle, cooler Desperado, einsamer Rufer in der Wüste - stammen vornehmlich aus der Klischeekiste handelsüblicher Gruselschocker. Und dann dringt der feinstoffliche Nebel auch noch spielend durch jedes Fenster, das man nicht rechtzeitig verrammelt, traut sich aber offenbar nicht durch Türspalten und ähnlich verborgene Öffnungen, um das Einkaufszentrum zu entern, in dem sich die halbe Ortschaft bald versammelt.

Um nicht ungerecht zu sein: Handwerklich hat Drehbuchschreiber Torpe so solide gearbeitet, dass Fans des Mystery-Thrillers ausreichend bedient werden. Die Figuren mögen vielfach gestanzt wirken und die Handlungsstränge konstruiert; aber wie die Charaktere da im genretypischen Hamsterrad aus menschlicher Angst und allzu menschlicher Intrige rotieren, ist vielfach so spannend, dass man beim Zuschauen kurz den Atem anhält. Beim Ausatmen verpufft die Spannung dann allerdings doch oft eher wie Luft aus einem Fahrradreifen, wenn das drohende Unheil exakt dann zuschlägt, wann es auch zu erwarten ist. Beim ehrgeizigen Versuch jedoch, mysteriösen Fernsehhorror zwischen »Lost«, »Akte X« und »The Fog« zu inszenieren, ist Effekthascherei nun mal eher hinderlich. Eine Fortsetzung dürfte sie trotzdem kaum verhindern - darauf deutet alles im vielschichtigen Cliffhanger hin. Nostalgiker indes dürften da längst in der DVD-Kiste gesucht haben. Nach dem wahren Nebel des Grauens.

Verfügbar auf Netflix

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