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Schnaps aus der Leitung

Wie Hochprozentiges per »Pipeline« in die Ukraine kam

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn man »Pipeline« hört, denkt man an Erdöl oder Gas. Gelegentlich wird aber ein Eisen- oder Plastikrohr für die Beförderung von recht unkonventionellen Substanzen benutzt. Auch war es kein Großrohr, das ukrainische Grenzpolizisten im Kutschurgan-Stausee fanden. Es war nach dem Vorbild der am Boden der Ostsee verlaufende Nordstream-Pipeline verlegt, maß aber nur 32 Millimeter im Durchmesser und war 540 Meter lang. Das Rohr führte aus Moldawien nach Dnjestrowsk-Limanskoje am ukrainischen Ufer. Was es transportierte, war nicht weniger begehrt als Erdöl und warf an seiner Größe gemessen keinen schlechteren Gewinn ab.

»Aprikosensaft« vom Markt

Moldawien galt schon in der Sowjetzeit, ja sogar in der Zarenzeit, als das wichtigste Obstanbaugebiet des Landes. Aprikosen, Zwetschgen und Äpfel wachsen in rauen Mengen am Straßenrand und in kleinen Hainen. Es gibt nur eine einigermaßen sinnvolle Verwendung für diese wild wachsenden Früchte. Jedem Neuankömmling wird in Moldawien als Hauptattraktion der örtliche Bauernmarkt gezeigt - farbenfroh und mit einem in nördlichen Gegenden unvorstellbar reichen Angebot.

In einer Ecke steht gewöhnlich eine unscheinbare Bude mit der Aufschrift »Aprikosensaft«. Dem Gast wird ein Wasserglas voll Erfrischung (170 Gramm) angeboten. Er nimmt einen Schluck - und kann weder ein- noch ausatmen. Der »Saft« entpuppt sich als Tarnname. In Wahrheit ist es 70-prozentiger Hausbrand. Ein netter Scherz.

Rohr an der Grenze abgeschnitten

Die Idee, den hochprozentigen »Fruchtsaft« in Bargeld zu verwandeln, lag eigentlich nahe. Im früheren Bessarabien zieht man leichten Wein vor. In der benachbarten Ukraine - von Russland ganz zu schweigen - gibt man eher harten Getränken den Vorzug. Nur die Staatsgrenze stand der Umsetzung dieses Projektes im Wege. Die Lösung kam mit neuen Technologien.

Die ukrainischen Polizisten wollten ursprünglich das ganze Rohr an Land ziehen, es war auf moldawischer Seite jedoch fest verankert. Also wurde es an der Grenze abgeschnitten. Die moldawischen Kollegen wurden entsprechend informiert. Ob sie angesichts der angespannten innenpolitischen Situation in ihrer Republik Zeit finden, sich mit der Schnapsleitung und den Hintermännern zu befassen, bleibt abzuwarten.

Wodkaleitung nach Estland

Die Idee ist nicht neu. Vor einigen Jahren hatten geschäftstüchtige Unternehmer eine Wodkaleitung, ebenfalls durch einen See, aus Russland über die estnische Grenze in das russischsprachige Narva verlegt. Da sie auf einer einsamen Insel endete, wo die Abfüllanlagen standen, schöpften die Grenzer zunächst keinen Verdacht. Im europäisch orientierten Estland fanden sich aber keine Abnehmer für gepanschten Schnaps. Der volle Lieferwagen fuhr dort so lange herum, bis er Verdacht erregte und von der estnischen Polizei angehalten wurde. So flog das grenzübergreifende Schnapsprojekt auf.

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