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Widerständige Knochen

Tobias Riegel über die Wahl der Volksbühne zum »Theater des Jahres«

Die Wahl der Berliner Volksbühne zum »Theater des Jahres« durch Kritiker ist keine Überraschung. Zu erwarten war dies jedoch nicht deshalb, weil das Haus nun nach den Turbulenzen um seine unwürdige Abwicklung eines Bonbons zum Abschied bedurfte. Hier wurde nicht reflexhaft ein Abgang versüßt. Auch wurde nicht eine kraftvolle, Herz und Hirn erschütternde 25-jährige Intendanz rückwirkend gewürdigt oder eines angeblich verblichenen alten Glanzes gedacht. Nein: Den Oscar für das Lebenswerk erhält meist jener, der den »echten« Preis sich nie hatte verdienen können. Hier aber wurde die ganz aktuelle Volksbühne der letzten Monate ausgezeichnet, wo Regisseure, Intendanz und Schauspieler in einem fulminanten Endspurt noch einmal alles herausgeholt haben, was in ihren widerständigen Knochen und dem verpflichtenden Geist des Hauses steckt.

Bei der gleichen Abstimmung wurde das von einem peinlichen Ex-Kulturstaatssekretär in Gang gesetzte tragische Prozedere eines unangemessenen Übergangs zu einem schon jetzt destruktiv wirkenden neuen Volksbühnen-Intendanten zum »Ärgernis des Jahres« gewählt. »Wird hier ein epochemachendes Experiment gewaltsam von einer inzwischen abgewählten Berliner Kulturpolitik beendet?«, wurde bei der Abstimmung gefragt. Ja, genau so stellt es sich dar!

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