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Nachwuchssorgen wegen schlechter Ausbildung

DGB-Report: Insgesamt 280 000 junge Leute wurden in diesem Jahr bei der Lehrstellensuche nicht fündig

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 3 Min.

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In der Öffentlichkeit wird derzeit der Eindruck erweckt, dass sich ausbildungswillige Jugendliche ihre Lehrstelle quasi aussuchen können und Ausbildungsbetriebe die potenziellen Azubis regelrecht ködern müssen. Doch dieses Bild trügt, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Donnerstag in Berlin anlässlich des neuen Ausbildungsjahres darlegte. Die Lage sei nach wie vor »sehr angespannt«, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Zwar seien im vergangenen Jahr 43 000 Ausbildungsstellen nicht besetzt worden, dem stünden aber über 280 000 Ausbildungsinteressierte gegenüber, die leer ausgegangen seien. Und dies seien nur diejenigen, denen laut dem gemeinsamen Kriterienkatalog der Bundesagentur für Arbeit und den Arbeitgeberverbänden die Ausbildungsfähigkeit attestiert wurde.

Für das Ausbildungsjahr 2017, das in den meisten Branchen am 1. August oder 1. September begonnen hat, liegen noch keine endgültigen Zahlen vor, da bis Ende November noch Nachvermittlungen erfolgen. Aber der DGB geht davon aus, dass »sich die Schere zwischen freien Ausbildungsplätzen und Nachfragern noch weiter öffnen wird«, so Hannack. Besonders Hauptschulabsolventen hätten in vielen begehrten Branchen und Großbetrieben kaum eine Chance, da viele Unternehmen »gezielte Rosinenpickerei« betrieben. Nur 45 Prozent der Hauptschüler kommen nach dem Schulabschluss direkt in eine reguläre Ausbildung. Förderprogramme wie die »assistierte Ausbildung« zur Aufarbeitung von schulischen Defiziten und anderen Handicaps von Azubis würden zu wenig genutzt.

Doch auch bei der Qualität der betrieblichen Ausbildungen gibt es nach wie erhebliche Mängel und große Unterschiede zwischen den Branchen, wie dem aktuellen Ausbildungsreport des DGB zu entnehmen ist. Grundlage dafür ist eine repräsentative Befragung von über 12 000 Azubis in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. So waren zwar 71,9 Prozent aller Befragten mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden, doch bei Berufen im Gaststätten- und Friseurgewerbe, im Lebensmittelhandwerk und bei Anlagenmechanikern liegen die Quoten deutlich darunter.

Hauptkritikpunkte bei den Antworten waren regelmäßige, teilweise unbezahlte Überstunden, fehlende betriebliche Ausbildungspläne, ausbildungsfremde Tätigkeiten, mangelnder Kontakt zum verantwortlichen Ausbilder, schlechte Vergütung und die Unsicherheit über eine eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung. Rund die Hälfte der Befragten bemängelt ferner die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts, besonders in Bezug auf die Prüfungsvorbereitung.

Auch die Abbrecherquoten zeigen, in welchen Branchen offensichtliche Defizite zu verzeichnen sind. Im Restaurantfach, im Sicherheitsgewerbe, bei Friseuren und Gebäudereinigern liegen sie bei fast 50 Prozent, während es bei Kfz-Mechatronikern, Bank- und Industriekaufleuten nur wenig mehr als zehn Prozent sind.

Hannack betonnte, dass der DGB »keineswegs alles schlecht reden will«. Es habe in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen gegeben. Auch bemühe sich besonders das Handwerk, Jugendliche, die aufgrund ihrer Schulabschlüsse eher schlechte Chancen auf den Arbeitsmarkt haben, aufzunehmen und gezielt zu fördern. Dennoch passten die Zahlen der unbesetzten Stellen und der nicht vermittelten Jugendlichen und jungen Erwachsenen einfach nicht zusammen. Deshalb müsse der Gesetzgeber einschreiten: »Die nächste Bundesregierung muss endlich das Berufsbildungsgesetz im Sinne der Auszubildenden reformieren.« Jahr für Jahr klagten gerade die Branchen über Nachwuchssorgen, die für ihre schlechten Ausbildungsbedingungen bekannt sind.

Manuela Conte, Bundesjugendsekretärin des DGB, fordert ein gemeinsames Investitionsprogramm von Bund und Ländern für Berufsschulen, die technisch und auch personell deutlich besser ausgestattet werden müssten. Dringend notwendig seien ferner »klare Vorgaben für einheitliche Qualitätsstandards in der dualen Ausbildung sowie deren Kontrolle«. Dazu sei in der kommenden Legislaturperiode auch eine »Modernisierung« des Berufsbildungsgesetzes unumgänglich, um »den Anforderungen an künftige Fachkräfte in einer zunehmend komplexen, digitalisierten Arbeitswelt gerecht zu werden«.

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