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Ein Obstkorb gibt viele Fragen auf

Sieben Tage, sieben Nächte: Regina Stötzel über Kalorienarmes in der Teeküche von »neues deutschland«

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

In der Redaktionsküche des »neuen deutschland« kann man so einiges Frisches zubereiten: Filterkaffee, durchgedrückten Kaffee, Kapselkaffee, Espresso, Cowboykaffee, Automatenkaffee, Karokaffee. Erstaunlich jedoch, dass dort Mitte der Woche plötzlich ein gut sortierter und üppig gefüllter Obstkorb stand. So gab es ein paar Träubchen zum Kaffee, eine Pflaume zum Espresso, eine Banane ohne alles. Schnell war der Korb geleert, an dem lediglich noch der Hinweis baumelte, man möge das Behältnis nicht mit nach Hause nehmen, es sei Eigentum einer »Fruitful Office«.

Nun bekommt man im Kapitalismus nichts geschenkt, wie man bei einer sozialistischen Tageszeitung weiß. Warum also Obst? Und zwar genau an der Stelle, wo bis vor ein paar Wochen noch eine Kiste mit Süßigkeiten stand?

Schnell kamen einige Thesen zusammen: Es handelt sich um eine Aktion der Geschäftsführung, die die Belegschaft für zusätzliche Belastungen fit und gefügig machen will. Der Betriebsrat erzwang für den Verzicht auf Lohnerhöhungen eine Einmal-Obst-Zahlung. Die Partei steckt dahinter. Martin Schulz lässt nichts unversucht, um noch ein paar Stimmen bis zur Wahl zusammenzukratzen. Die heimlich errechneten Body-Mass-Indizes der Beschäftigten sollen mit kalorienarmer Kost optimiert werden. Smarte Ressort-Kühlschränke haben irgendwo im Internet das Fehlen von Früchten gemeldet. Obst- und Süßigkeitenverfütterung sind Teile einer größer angelegten Versuchsreihe der Nahrungsmittelindustrie, bei der über versteckte Kameras die Emotionen der Esser gemessen werden (Seite 22). Der Einfluss der Obstmafia in Deutschland hat beängstigende Ausmaße angenommen (Seiten 18/19).

Allerdings blieben auch Fragen offen: Handelt es sich wenigstens bei den Äpfeln um regionale Bioprodukte und wurden die Bananen auf Containerschiffen angeliefert, auf denen mit der International Transport Federation ausgehandelte Tarifverträge gelten? Sind die Früchte vegan, halal, koscher, gluten- und fipronilfrei und ohne Spuren von naturidentischen Haselnüssen und rechtsdrehenden probiotischen Bakterien? Was wird Trump dazu twittern? Schlägt Kim Jong Un mit Kalorienbomben zurück? Welche Früchte will Alexander Gauland entsorgen und wohin? Was unternimmt Jens Spahn gegen die Fruitful-Office-Hipster? Hält Merkel am Obstdeal mit der Türkei fest, auch wenn das Erdogan-Regime noch so viele deutsche Bürger ins Gefängnis steckt? Landen die Daten über den Früchteverzehr der Kolleginnen und Kollegen in der Fallobstdatei »Vitamine« des BKA? Fällt auch der Dax? Und was empfiehlt der Obst-O-Mat?

Die Frage, was es mit dem Früchtekorb auf sich habe, beantwortete jedoch der Kollege, der es wissen muss: »Nichts hat es damit auf sich.«

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